Sie wollten am 14. Oktober die Diskothek „Cancun“ am Alexanderplatz besuchen. Fünf junge Männer in ausgelassener Stimmung. Er habe schon aus der Entfernung von knapp 100 Metern die Schlägerei vor dem „Cancun“ beobachten können, erinnert sich der als Zeuge geladene Gani B. vor einer Moabiter Jugendkammer. Er habe gesehen, so der 28Jahre alte Student, wie mindestens zwei junge Männer auf einen anderen einschlugen. Auch Tritte gegen Kopf und Oberkörper habe es gegeben. Kräftige Tritte, so der Zeuge. „Der Körper hat sich jedes Mal bewegt. Als wenn man gegen einen Fußball tritt.“ Das Opfer habe auf dem Boden gelegen und aus dem Mund geblutet. Es war der 20-jährige Jonny K..

Die Zeugen, die am Montag aussagten, sind wichtig für den Prozess, der den Tod von Jonny K. aufklären soll. Zumindest aus Sicht der Staatsanwaltschaft. Denn die Ankläger gehen davon aus, dass die sechs Angeklagten „gemeinschaftlich handelnd“ Jonny K. und dessen Freund Gerhardt C. attackierten. Vier der sechs zwischen 19 und 24 Jahre alten Männer sind wegen Köperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Von der Jugendkammer gab es zu Beginn des Prozesses den rechtlichen Hinweis, dass sogar alle Angeklagten wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt werden könnten.

„Wie ein Laternenpfahl“ umgekippt

Einige der Angeklagten hatten vor Gericht zugegeben, Jonny K. am 14. Oktober geschlagen oder getreten zu haben. Jonny K. habe danach aber angeblich noch gestanden oder sei sogar unbeeindruckt weitergelaufen. Letztlich wollte keiner aus der Schlägertruppe dafür verantwortlich sein, dass Jonny K. von einem Schlag oder Tritt getroffen auf das Pflaster stürzte.

Anders jedoch hatten es die Zeugen gesehen. So sagte auch der 23-jährige Ramadan Y. am Montag vor Gericht, dass auch er die Schlägerei schon von Weitem gesehen habe. Drei oder vier Männer hätten auf einen anderen eingeprügelt, der schließlich zu Boden ging – Jonny K. Er sei „wie ein Laternenpfahl“ umgekippt. Und auch als er schon am Boden lag, sei er noch getreten worden. Erst als ein dritter Zeuge laut „He!“ geschrien habe, hätten sie von ihrem Opfer abgelassen und seien weggelaufen. Ohne Eile. Einer habe den Passanten noch sinngemäß zugerufen: „Keiner legt sich mit uns an!“

Polizist versuchte noch zu helfen

Zu der Gruppe der fünf Zeugen gehörte auch ein 26 Jahre alter Polizeibeamter. Er war damals sofort zum Tatort gerannt. Hatte noch versucht, helfend einzugreifen, und den auf dem Boden liegenden Jonny K. in eine stabile Seitenlage gebracht. Aber es half nichts mehr. Jonny K. starb einen Tag später im Krankenhaus an Hirnblutungen.

Der Prozess wird fortgesetzt.