Deutsche Teilung

Berliner „Haus am Checkpoint Charlie“ feiert 50. Geburtstag

1963, zwei Jahre nach Mauerbau, eröffnete am Checkpoint Charlie die Ausstellung über die deutsche Teilung. Zum Jubiläum kam auch der Sohn des ehemaligen sowjetischen Staatschefs Nikita Chruschtschow.

Foto: Sergej Glanze

Museumsdirektorin Alexandra Hildebrandt ist sichtlich gerührt, als Sergej Chruschtschow sie für ihre Arbeit im Museum „Haus am Checkpoint Charlie“ lobt und seinen Dank ausspricht. Der Sohn des früheren sowjetischen Staatschefs Nikita Chruschtschow eröffnet am Donnerstagvormittag die Veranstaltung zum 50-jährigen Jubiläum des Mauermuseums. Der Gründer Rainer Hildebrandt hatte bereits 1963, zwei Jahre nach Mauerbau, begonnen, in einem Wohnhaus am Grenzübergang eine Ausstellung über die deutsche Teilung zusammenzustellen. Mittlerweile ist das Museum am Checkpoint Charlie eines der meistbesuchten privaten Museen in Berlin.

„Mein Vater wollte die beste Gesellschaft. Doch die Geschichte hat gezeigt, dass die Idee des Kommunismus sich in ihr Gegenteil verkehrt hat“, sagt Sergej Chruschtschow. Als Professor für Politik lehrt Chruschtschow an der Brown University in den USA. Er erzähle seinen Studenten davon, wie in Berlin eine Mauer nach Jahrzehnten friedlich überwunden wurde. Sie sollten stets bedenken, dass bei dem Bau von Mauern – sei es zwischen den USA und Mexiko oder in Israel – nur Symptome bekämpft würden. Eine freie Gesellschaft könne niemand für immer unterdrücken. Zustimmendes Kopfnicken unter den Zuschauern. Jeder der Anwesenden hat seine eigene persönliche DDR-Geschichte.

Ehemaliger DDR-Grenzsoldat unterstützt Museum am „Checkpoint Charly“

„Ich selbst bin Grenzsoldat am Übergang gewesen. Nach ein paar Jahren habe ich gemerkt, dass etwas ganz gewaltig schiefläuft im System“, sagt Günther Bazyli, Oberst a. D. Er war Kommandeur im Grenzkommando Mitte und musste sich vor Gericht dafür verantworten.

Da er die moralische und juristische Schuld übernahm, erhielt er lediglich eine zweijährige Bewährungsstrafe. „Ich bereue sehr, was damals passiert ist. Danach habe ich Rainer Hildebrandt bei seiner Arbeit im Museum als Zeitzeuge unterstützt“, sagt Bazyli.

Er spricht mit gedämpfter Stimme: „Als die Mauer fiel, habe ich mich gefreut und mit Freunden heimlich gefeiert.“ Bazyli wirkt, als könne er sich selbst nicht verzeihen, einmal Teil der Grenzanlage gewesen zu sein. „Der Rede von Herrn Pöttering stimme ich voll und ganz zu. Es waren harte Worte, aber er hat recht“, sagt Bazyli.

Ex-EU-Parlamentspräsident Pöttering prangert Unrechtsstaat DDR an

Hans-Gert Pöttering, der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und ehemalige Präsident des EU-Parlaments, hat zuvor eine Rede gehalten, in der er den Unrechtsstaat DDR anprangert und Lehren für die Zukunft anmahnt. „Es darf nie vergessen werden, was für unmenschliche Verbrechen in der Zeit der Teilung begangen wurden“, sagt Pöttering.

Er erzählt von einer Begegnung kurz nach dem Fall der Mauer. Eine ältere Frau erzählte ihm, dass erst der Zweite Weltkrieg und dann die DDR ihr das Leben gestohlen hätten – und wandte sich dann weinend ab. „Fast zwei Generationen wurden von diesen furchtbaren Zeiten geprägt. Es ist wichtig, dass ein Museum diese Erinnerungen wachhält“, sagt Pöttering.

Museumsgründer Hildebrandt 2004 verstorben

Als langjähriger Freund des Museumsgründers Rainer Hildebrandt ist Pater Vincens anwesend. Der Ordensbruder der Salvatorianer ist in Berlin unter anderem bekannt geworden als Gefängnispfarrer in Tegel. In einem Dankgebet gedachte er jener Menschen, die in der DDR im Einsatz um Menschenrechte und Freiheit Leben und Gesundheit verloren. Sein Wegbegleiter Hildebrandt verstarb 2004. Seine Ehefrau ist die heutige Museumsleiterin. „Ich will die Arbeit meines Mannes fortsetzen. Er hat mir aus dem Stand beigebracht, dass weder die USA noch West-Deutschland meine Feinde sind“, sagt Alexandra Hildebrandt. Sie war als Studentin aus der Ukraine nach Berlin gekommen.

Viele der Anwesenden im Raum haben immer wieder an den Versteigerungen von Gegenständen teilgenommen, die das Museum über die Jahre hinweg durchführt. „Ich habe sogar ein Stück Mauer zu Hause“, sagt Helga Breitschuh. Für sie war der Tag, an dem die Mauer fiel, der schönste Tag in ihrem Leben. „Für mich ist das alles noch ganz präsent. Aber es ist wichtig, dass wir diese Erinnerungen an unsere Kinder und Enkelkinder weitergeben“, sagt die 70-Jährige. Viel zu oft hätte sie selbst die Gelegenheit verpasst, ihre Eltern und Großeltern nach Kriegserlebnissen zu fragen. Auch der neben ihr sitzende Ulrich Busch hat eine besondere Beziehung zur Teilung. Als Kind war er im Jahr 1949, während der Berlin-Blockade, mit dem Rosinenbomber nach Frankfurt ausgeflogen worden. „Das geschah alles unter der Hand. Davon sollte keiner richtig was mitbekommen“, sagt Busch. Auch seine Geschichte zeigt, dass jeder, der zur Zeit der Teilung lebte, seine ganz persönlichen Erlebnisse hat. Das Mauermuseum bewahrt diese Erinnerungen nun schon seit 50 Jahren.