Maueropfer

Berliner Senat will Straße für Peter Fechter

Sein Tod führte die Grausamkeit des DDR-Grenzregimes vor Augen: Jetzt soll die Zimmerstraße nach Peter Fechter benannt werden.

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Anlässlich des 51. Jahrestages des Mauerbaus fordert auch der Berliner Senat, dass eine Straße in Berlin nach dem Maueropfer Peter Fechter benannt wird. „Wenn es die Möglichkeit gibt, eine Straße nach Peter Fechter zu benennen, wäre das in unserem Sinne“, sagte Senatssprecher Richard Meng Morgenpost Online. Auch Innensenator Frank Henkel (CDU) unterstützt die Morgenpost-Aktion „Eine Straße für Peter Fechter“. „Ich freue mich über die große Zustimmung, die Erinnerung an Peter Fechters tragisches Schicksal wachzuhalten. Er hat einen authentischen Ort der Erinnerung verdient“, sagte Henkel.

Peter Fechter war am 17. August vor 50 Jahren in der Zimmerstraße in Mitte von Grenzposten der DDR angeschossen und auf dem Mauerstreifen liegen gelassen worden. Wenig später starb der damals 18-Jährige an den Folgen der Schussverletzungen.

Bundespolitiker wünschen sich ebenfalls eine Erinnerung an das Maueropfer. „Der Tod Peter Fechters hat der Welt die Brutalität und Unmenschlichkeit des Mauerregimes vor Augen geführt“, sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. „Die Erinnerung an ihn und viele andere Opfer muss wach bleiben, weil sie uns den Wert der Freiheit bewusst macht. Es sollte längst eine Peter-Fechter-Straße geben.“ Zuvor hatte sich schon Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) für eine Peter-Fechter-Straße ausgesprochen.

Zimmerstraße soll umbenannt werden

Der Bezirk Mitte, an dessen Grenze zu Kreuzberg Fechter niedergeschossen worden war, ist grundsätzlich zur Änderung eines Straßennamens bereit. „Im Sinne einer historischen Erinnerung finde ich eine Straßenumbenennung nach Peter Fechter angemessen“, sagte Mittes Bezirksbürgermeister, Christian Hanke (SPD). Er erwartet allerdings eine lange Diskussion, weil im Bezirk Mitte alle Straßen nach Frauen benannt werden – bis ein Gleichstand bei Männer- und Frauennamen erreicht ist. Ausnahmen seien aber möglich, sagte Hanke.

Die CDU in Kreuzberg will in der kommenden Bezirksverordnetenversammlung am 29. August den Antrag stellen, die Zimmerstraße in Peter-Fechter-Straße umzubenennen. „Wir wollen das im Einvernehmen mit dem Bezirk Mitte voranbringen“, sagte der stellvertretende CDU-Fraktionschef des Bezirks, Timur Husein. Zwar bestehe auch in Friedrichshain-Kreuzberg die Übereinkunft, Straßen hauptsächlich nach Frauen zu benennen, aber auch in diesem Bezirk gebe es Ausnahmen. So wird am 12. November die Gabelsbergerstraße nach dem Opfer rechter Gewalt, Silvio Meier, benannt.

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Rainer Eppelmann, setzt sich ebenfalls für eine sichtbare Erinnerung an Fechter ein. „Peter Fechter steht exemplarisch für die Sehnsucht nach Freiheit, die sich nicht einsperren lässt, und als Mahnmal gegen eine Diktatur, die sich mörderisch über die Menschen und ihre Rechte hinwegsetzt“, sagte Eppelmann. „Es könnte jetzt der Zeitpunkt gekommen sein, dass eine solche Straßenbenennung eine breite politische Mehrheit findet.“

Berlin gedenkt Opfer des Mauerbau

An diesem Montag, dem 13. August, gedenkt Berlin an zahlreichen Orten der Opfer des Mauerbaus. An der Gedenkstele für Peter Fechter an der Zimmerstraße werden der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Innensenator Henkel Kränze niederlegen. In der Gedenkstätte Bernauer Straße auf dem früheren Todesstreifen werden der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), und auch Wowereit an die Toten des DDR-Grenzregimes erinnern. In der Mauergedenkstätte ist darüber hinaus eine Diskussion von Schülern aus Berlin und Brandenburg mit Zeitzeugen geplant.

Wowereit appellierte anlässlich des Jahrestages daran, die Erinnerung an Unfreiheit und Diktatur an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. „Aus dem Wissen um die Verwundbarkeit der Demokratie lebt die Bereitschaft, sich für den freiheitlichen Rechtsstaat zu engagieren und Gesicht zu zeigen gegen seine Feinde“, sagte er. Auch 23 Jahre nach dem Fall der Mauer ist die genaue Zahl der Mauertoten an der innerdeutschen Grenze nicht bekannt. In Berlin startete jetzt ein Forschungsprojekt, das die Zahl der Opfer und ihre Biografien dokumentieren soll. Das Totenbuch der Grenzopfer soll ab 2016 vorliegen.