Heidering

Berliner Häftlinge ziehen in Europas modernstes Gefängnis

Die ersten Berliner Häftlinge sind in die Haftanstalt Heidering verlegt worden. Doch zum Start gab es erneut eine Panne

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Der Termin der Umsetzung ist aus nachvollziehbaren Gründen geheim gehalten worden, erst nach sicherer Ankunft der Häftlinge wurde Vollzug gemeldet. Im neuen Berliner Männergefängnis Heidering nahe dem brandenburgischen Großbeeren (Teltow-Fläming) haben am Mittwoch die ersten zwölf Strafgefangenen ihre Zellen bezogen. Sie wurden aus Berliner Gefängnissen in die moderne Justizvollzugsanstalt (JVA) südlich von Berlin verlegt.

Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) sprach von „einer neuen Ära des Justizvollzuges in Berlin“. Die JVA Heidering gilt als eines der modernsten Gefängnisse Europas und soll bis zum Jahresbeginn 2014 komplett belegt sein. Sie bietet Platz für 648 Gefangene, die in den nächsten Monaten nach und nach dorthin verlegt werden sollen.

Vorgesehen ist das Gefängnis für Häftlinge, die eine Reststrafe von maximal fünf Jahren haben. Ihre Verlegung war dringend nötig geworden, weil total überalterte Haftplätze in anderen Gefängnissen der Hauptstadt nicht einmal den Mindestanforderungen entsprachen. Vor allem im Gefängnis Tegel, in dem einige Gebäude schon 115 Jahre alt sind, Hafträume geschlossen werden mussten und reif für den Abriss sind. Straftäter, die zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurden oder Sicherungsverwahrte kommen nicht in die JVA Heidering.

Die Leitung hat eine Frau

In die Errichtung und Ausstattung der JVA Heidering wurden knapp 118 Millionen Euro investiert. Wenn sie voll belegt ist, sollen dort 218 Justiz-Bedienstete arbeiten. Hinzu kommen zwölf Mitarbeiter im medizinischen Bereich sowie zwei Ärzte. Geleitet wird die ausschließlich für männliche Gefangene vorgesehene JVA Heidering von der Juristin Anke Stein. Sie war als Projektleiterin von Anfang an mit dem Bau vertraut. Davor erledigte sie Leitungsaufgaben im Gefängnis Tegel.

Thomas Goiny, der Berliner Vorsitzender des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, begrüßte die Neueröffnung der Justizvollzugsanstalt Heidering: „Sie ist die erste Haftanstalt für Berlin, die nach dem Fall der Mauer nach neuesten Maßstäben und Sicherheitsanforderungen gebaut wurde. Zudem gibt es hier eindeutig bessere Arbeitsverhältnisse für die Bediensteten.“ Bislang seien für die JVA aber erst 21 neue Stellen geschaffen worden. „Die übrigen Justizbediensteten wurden aus anderen Vollzugsanstalten abgezogen, die fehlen dort natürlich“, sagte Goiny.

Moniert wurde vom Landesvorsitzenden der Strafvollzugsbediensteten auch an der „zu frühe“ Termin: „Einerseits war sei die Inbetriebnahme dieser JVA überfällig, weil Teile der anderen Gefängnisse dringend saniert werden müssen.“ Und das betreffe nicht nur die museumsreifen Anlagen in der Teilanstalt I in der JVA Tegel, sondern auch Räumlichkeiten in der JVA Moabit. Dennoch, so Goiny, sei die JVA Heidering zu schnell bezogen worden. Es gebe noch viele Mängel – „das reicht von ineffizient genutzten Räumen, die eindeutig besser verwendet werden könnten, bis hin zu fehlenden Steckdosen.“

Ein deutliches Manko, so Goiny, sei vor allem, „dass es in dieser JVA – anders als etwa in Tegel oder Moabit – nur eine einzige Schleuse gibt“. Wie ungünstig das ist, habe sich am Mittwoch beim Erstbezug auch gleich gezeigt. „Ein Gefangentransporter hatte in der Schleuse eine Panne und hat so den Zugang total blockiert.“ Das könne gefährlich werden, wenn Rettungswagen oder Feuerwehrfahrzeuge auf das Gelände müssten. „Da wurde von den Verantwortlichen am falschen Ende gespart“, so Goiny.

Inbetriebnahme verschoben

Die Inbetriebnahme der JVA Heidering war ursprünglich sogar für Ende April geplant. Da wegen der langen Frostperiode einige Außenanlagen nicht pünktlich fertiggestellt werden konnten, musste der Termin auf Mai verlegt werden. Dann musste der Umzug der Häftlinge erneut verschoben werden, weil es Fehlalarmmeldungen am Sicherheitszaun gab.

Kritik hatte es in verschiedenen Medien zuvor schon an der Ausstattung und den großzügig anmutenden Räumlichkeiten des Gefängnisses gegeben. Die Rede war von einem „Luxus-“ oder auch „Wohlfühlknast“. So hat nach den Plänen des österreichischen Architekten Josef Hohensinn jeder Gefängnistrakt eine – natürlich vergitterte – Loggia. Eine überdachte Magistrale verbindet die Wohn- und Arbeitsbereiche. Und statt einer blickdichten Mauer – wie es sie vor den anderen Berliner Gefängnissen zu finden ist – hat die JVA Heidering 5,50 bis sechs Meter hohe Zäune.

Das Gelände des neuen Männergefängnisses hat eine Gesamtfläche von 155.000 Quadratmetern. Neben drei Wohngebäuden gibt es eine Multifunktionshalle, drei Werkhallen, ein Schul- und Verwaltungsgebäude sowie Gemeinschaftsräume, Sportplätze und eine Bibliothek. Die jeweils für einen Insassen vorgesehenen Hafträume sind einheitlich rund 10,3 Quadratmeter groß und haben zwei Fenster. Auf eine Versorgung der Hafträume mit Warmwasser wurde aus Kostengründen verzichtet. Das gibt es im Duschtrakt.