Angesichts des drohenden Lehrkräftemangels sollen an Berliner Schulen mehr junge Lehrer aufgenommen werden. Der Senat erhöht die Zahl der Referendare um 500 auf 2700 Plätze. In den Jahren 2014 und 2015 soll es jeweils 250 junge Lehrkräfte zusätzlich an den Berliner Schulen geben. Das sei so in den derzeitigen Haushaltsverhandlungen vereinbart worden, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Dienstag nach der Senatssitzung.
Zusätzlich gibt es 200 berufsbegleitende Referendariatsplätze für sogenannte Quereinsteiger aus anderen Berufen. Sie sollen Mangelfächer wie Mathematik oder Biologie unterrichten.
Damit reagiert die Senatorin auf die wachsenden Schülerzahlen. In den kommenden acht Jahren braucht Berlin nach neuen Berechnungen der Bildungsverwaltung 12.665 zusätzliche Vollzeit-Lehrer. Das sind 2000 mehr als in den bisherigen Prognosen berechnet. Pro Kalenderjahr werden von den 2200 Referendaren 1000 Absolventen fertig, gebraucht werden künftig pro Jahr aber 1400 bis 2000 neue Lehrer.
Gewerkschaft GEW will junge Lehrer in Berlin halten
Bisher muss Berlin etwa die Hälfte der Bewerber für ein Referendariat ablehnen, weil nicht genügend Plätze an den Berliner Schulen vorhanden sind. Die jungen Lehrer müssten dringend gehalten und dürften nicht in andere Bundesländer geschickt werden, forderte deshalb die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW).
Der GEW macht auch eine andere Entwicklung Sorge: Das Interesse der jungen Pädagogen aus anderen Bundesländern an einem Referendariat in Berlin geht deutlich zurück. Das zeigt die Antwort der Senatsbildungsverwaltung auf eine Kleine Anfrage des Piraten-Abgeordneten Martin Delius.
Demnach gab es im August vergangenen Jahres insgesamt 1115 Bewerber für ein Referendariat, davon 684 aus anderen Bundesländern. Im August 2011 waren es noch 904 Bewerber, 2010 lag die Zahl der externen Bewerber bei 959. Auch bei den zweiten Einstellungsterminen jeweils im Februar ist die Tendenz ähnlich. Hier sank die Zahl der Bewerber aus anderen Bundesländern in den vergangenen zwei Jahren von 827 auf 653. Auch wenn Berlin für junge Lehrer immer noch attraktiv ist, so ist der Bewerber-Rückgang für die GEW und den Senat jedoch ein Alarmsignal. Denn der Wettbewerb unter den Bundesländern um die jungen, ausgebildeten Lehrer ist groß.
Seit 2004 kein Beamtenstatus für Berliner Lehrer
Anders als in den meisten anderen Bundesländern erhalten Lehrer in Berlin seit 2004 keinen Beamtenstatus mehr. Trotz eines höheren Einstiegsgehalts haben sie auf die gesamte Lebensarbeitszeit dadurch ein geringeres Einkommen.
Florian Bublys, Sprecher der Initiative „Bildet Berlin“ in der GEW, begrüßte am Dienstag zwar die Anhebung der Referendariatsstellen, forderte aber gleichzeitig bessere Bedingungen für Berliner Pädagogen. „Sonst bildet Berlin für viel Geld junge Lehrer aus, die dann in andere Bundesländer abwandern“, warnte Bublys.
Die Bildungsverwaltung sieht die Lage an den Berliner Schulen positiv: Insgesamt sollen in diesem Jahr 1439 Lehrer eingestellt werden. Davon seien noch 234 Stellen zu besetzen. „Für viele dieser offenen Stellen laufen schon die Einstellungsverfahren“, sagte Scheeres. Bewerbungsgespräche würden auch während der Sommerferien noch stattfinden. Auch für die Mangelfächer in den Naturwissenschaften und Englisch konnten laut Bildungsverwaltung schon 313 von 360 offenen Stellen besetzt werden. Darunter sind 24 Quereinsteiger. Etwa ein Drittel der Bewerber komme aus anderen Bundesländern. „Ich gehe davon aus, dass die Schulen im August mit einer hundertprozentigen Ausstattung in das Schuljahr starten können“, sagte Bildungssenatorin Scheeres.




