Berliner Gericht

Jonny-K.-Prozess geplatzt - Drei Angeklagte kommen frei

Wegen eines angeblich befangenen Schöffen muss der Berliner Prozess um den Tod von Jonny K. neu angesetzt werden. Die Haftbefehle gegen drei der fünf Angeklagten werden ausgesetzt.

Foto: Soeren Stache / dpa

Der Prozess um den tödlichen Angriff auf den jungen Berliner Jonny K. ist am Montag wegen der Befangenheit eines Schöffen geplatzt. "Das Verfahren wird in Übereinstimmung aller Prozessbeteiligten ausgesetzt", teilte der Vorsitzende Richter Helmut Schweckendieck den Beschluss mit.

Das Verfahren gegen sechs junge Männer wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie gefährlicher Körperverletzung solle aber bereits an diesem Donnerstag neu starten.

Das Gericht entsprach zudem teilweise den Anträgen der Verteidigung, die Untersuchungshaft für die Angeklagten auszusetzen. Drei Angeklagte kommen nun vorerst frei. Der mutmaßliche Hauptangeklagte Onur U. und der mitangeklagte Bilal K. bleiben allerdings in Haft.

Selbst der Richter ist ratlos

Schweckendieck zeigte sich am Montag ratlos: "Ich weiß selbst nicht, wie es weitergehen soll". Anlass ist ein Interview in der Zeitung "B.Z." am Montag mit einem Schöffen in dem Prozess. Der Laienrichter versicherte am Montag aber, er habe nicht mit der Zeitung gesprochen.

"Die Kammer ist sich einig, dass der Prozess in momentaner Besetzung nicht fortgesetzt werden kann", sagte Schweckendieck vor dem Berliner Landgericht. Ein Schöffe darf ebenso wie ein Richter nicht seine Meinung zu einem laufenden Verfahren äußern.

"Es darf nicht einmal der Anschein der Befangenheit durch einen Schöffen erweckt werden", sagte Schweckendieck. "Vier Tage konstruktiver Verhandlung sind hinfällig geworden", so der Richter.

In der Vorwoche hatte der Schöffe im Prozess zudem zu einem Augenzeuge, der sich nicht äußern wollte, gesagt: "Sind Sie einfach nur feige oder wollen Sie hier das Gericht verarschen?" Daraufhin hatte die Verteidigung den Mann am bereits am vergangenen Donnerstag als befangen abgelehnt.

Keinen Ersatz-Schöffen nominiert

Über den Antrag der Verteidigung, den Schöffen auszuschließen, sollte bislang bis kommenden Donnerstag entschieden werden. Sollte das Gericht dem stattgeben, müsste der Prozess neu aufgerollt werden. Ersatzschöffen waren nicht nominiert worden.

Die Prügelattacke gegen Jonny K. hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Der 20-Jährige war in der Nacht zum 14. Oktober 2012 nahe dem Berliner Alexanderplatz geschlagen und getreten worden. Er stürzte und starb wenig später an Hirnblutungen.

Sechs junge Männer sitzen auf der Anklagebank. Ihnen werden Körperverletzung mit Todesfolge oder gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Angeklagten haben eine Verantwortung für den Tod von Jonny K. bestritten.

Richter Schweckendieck sagte, die Entwicklung sei "extrem ärgerlich". Das Verfahren sei bislang sachlich gelaufen. Zehn Verhandlungstage waren angesetzt gewesen. Bei dieser Prozess-Größenordnung werden laut Landgericht im Normalfall noch keine Ergänzungsschöffen benannt.

Anfang Juli soll der Prozess fortgesetzt werden, hieß es in einer Erklärung des Gerichtes.

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