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TU Berlin stellt Professoren nur noch befristet ein

Die Technische Universität Berlin setzt verstärkt auf jungen Wissenschaftlernachwuchs: Professorenstellen werden künftig nur noch befristet besetzt. Zudem führt die Uni ein neues Laufbahnmodell ein.

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Die Technische Universität Berlin macht sich auf in die Zukunft. Um neue Impulse setzen zu können und wissenschaftlichem Nachwuchs einen Karriere-Pfad im Hause zu eröffnen, werden erstmals in Berlin Professorenstellen nur noch befristet besetzt. Sind die Leistungen nicht zufriedenstellend, kann der Forscher seinen Lehrstuhl nach sechs Jahren wieder verlieren. Im günstigen Fall können Wissenschaftler, die sich bewährt haben, aber in die normale Struktur aufrücken und dann auch nach dem üblichen Tarif W 3 mit rund 6500 Euro monatlich besoldet werden.

Als Reaktion auf den Schrumpfprozess seit 1998 und die Exzellenzinitiative, bei der die TU anders als die beiden anderen großen Berliner Universitäten FU und HU zwar mit einzelnen Clustern gewann, aber nicht den Status einer Elitehochschule erreichte, haben sich die Charlottenburger ein Zukunftskonzept für 2013 bis 2020 verordnet. „Es war Zeit, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen“, sagte TU-Präsident Jörg Steinbach. Zuvor hatten mit dem Akademischen Senat und dem Kuratorium die höchsten Uni-Gremien das Papier ohne Gegenstimmen angenommen.

Großes Augenmerk liegt auf den Berufungen für neu zu besetzende Professuren. Die TU hat nach dem Abbau von fast der Hälfte ihrer Hochschullehrer über die vergangenen 15 Jahre noch 276 Lehrstühle. Von diesen werden 112 in den nächsten sieben Jahren neu besetzt. Steinbach hat sich dabei an erfolgreichen Exzellenzuniversitäten wie Heidelberg oder den beiden Münchner Unis zu einem neuen Laufbahnmodell inspirieren lassen, das anfangs von einigen Hochschullehrern nach Worten des Präsidenten „aggressiv bekämpft“ wurde. Erstmals in Berlin soll der Ruf auf eine TU-Professur nicht mehr bis zur Emeritierung aus Altersgründen erfolgen.

„Hungrige, junge Leute“

Stattdessen sollen junge Spitzenwissenschaftler, für die es bisher nur die außerhalb der regulären Strukturen angesiedelten Juniorprofessuren gibt, die Möglichkeit erhalten, sich für reguläre Lehrstühle zu qualifizieren. Sie werden zunächst nur nach den Stufen W 1 (circa 4000 Euro/Monat) oder W 2 besoldet, bekommen aber so viele wissenschaftliche Mitarbeiter oder eine Laborausstattung wie ein regulärer W-3-Professor. „Wir haben viele junge, hungrige Leute, die sich durchsetzen wollen“, sagte Steinbach. Mit eigenen Projekten bekämen die jungen Leute die Chance, die Forschung in einigen Bereichen neu auszurichten. Der Uni-Präsident nannte in diesem Zusammenhang die Geo-Ingenieure und die Lebensmitteltechnologie.

Mit der Perspektive, in spätestens zwölf Jahren zum ordentlichen Professor aufzurücken, könne man dem eigenen Nachwuchs auch etwas anbieten, sagte Steinbach. Jede zehnte Professorenstelle soll nach dem neuen System besetzt werden, was bedeutet, dass in den nächsten Jahren fast jede dritte Berufung nach dem Laufbahnmodell erfolgt. Für die TU sei das „eine Palastrevolution: Damit brechen wir Krusten auf“.

Der Präsident gab zu, dass andere Hochschulen den Spitzenleuten wohl schon innerhalb dieser Zeit Stellen anbieten könnten. Man durchbreche aber die bisher im deutschen Wissenschaftssystem verankerte Logik, dass Nachwuchsforscher die eigene Universität verlassen müssten, um anderswo Professor zu werden. Das habe man getan, um die Besetzung nach „Seilschaften“ zu unterbinden. Inzwischen seien die Möglichkeiten der Qualitätskontrolle aber so weit etabliert, dass objektive Kriterien herangezogen werden könnten, um die Leistungen eines Wissenschaftlers zu messen.

Die TU nutzt dazu 13 forschungsrelevante Parameter wie eingeworbenes Fördergeld oder die Zahl der Publikationen sowie acht an der Lehre orientierte wie die Zahl der betreuten Abschlüsse. Diese Kriterien werden dann nach Fächern gewichtet und mit Punkten versehen. Mit diesem System habe er einen ziemlich genauen Überblick über seine Professoren, sagte Steinbach. „Wir haben junge Kollegen, die in einem Jahr mehr leisten als der eine oder andere etablierte Kollege in vier oder fünf Jahren.“

TU will das Thema Gesundheit ausbauen

Die TU hat sich mit dem Forschungskonzept auch auf sechs Schwerpunkte für Forschung und Lehrer verständigt. Etabliert sind bereits Materialforschung und Design, Infrastruktur und Mobilität, Energie und Ressourcenmanagement sowie Entwicklung von Software und Kommunikationssystemen. Kräftig ausbauen will die Universität das Thema Gesundheit und „Cyber-Physical-Systems“. Zwischen forschender Medizin und den Natur- und Ingenieurwissenschaften gebe es „unendlich viele Schnittstellen“, sagte Steinbach. Und der Einfluss des Internets auf die reale Welt und auf Produktionsprozesse sei unter dem Schlagwort Industrialisierung 4.0 ein zentrales Zukunftsthema.

Um die TU fit zu machen und den fast 32.000 Studierenden besseren Service zu bieten, soll die Verwaltung komplett modernisiert und mit neuer IT versorgt werden. Bisher seien die Anforderungen an die gut 2000 Verwaltungs- und anderen Mitarbeiter immer gestiegen. Allein die Umstellung auf Bachelor und Master habe im Vergleich zum früher fünfjährigen Diplomstudium die Zahl der Immatrikulationsvorgänge, Abschlussarbeiten und Zeugnisse verdoppelt. Heute müssten die gleichen Mitarbeiter 165 Millionen Euro Fördergeld verwalten, die 2006 noch 60 Millionen Euro bewältigt hätten.

Die TU sucht nun einen Software-Anbieter, der mit der Universität als Entwicklungspartner ein IT-System für die gesamte Hochschule aufsetzen kann. Das sei kompliziert, sagte der Präsident. „Die Prozesse sind verschlankbar.“