Berliner Zoos

Zoo-Mitarbeiter legen erstmals Arbeit für höhere Löhne nieder

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Isabell Jürgens

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Weil andere Tierparks wesentlich mehr bezahlen, haben die Mitarbeiter des Tierparks und des Zoologischen Gartens mit der Forderung nach höheren Löhnen nun erstmalig in ihrer Geschichte gestreikt.

Den Besuchern des Zoologischen Gartens wurde am Sonntag am Eingang auf dem Hardenbergplatz ein ganz besonderer Empfang bereitet. Sie wurden von einem freundlichen Mann im Gorillakostüm begrüßt. Dieser war jedoch nicht als Werbeträger für den Zoo im Einsatz, sondern um für Verständnis für die Beschäftigten zu werben.

Sie haben erstmals in der Geschichte des Tierparks und des Zoologischen Gartens ihre Arbeit niedergelegt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hatte die Beschäftigten zwischen 12 und 14 Uhr zu einem Warnstreik aufgerufen. Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich rund 100 der 430 Mitarbeiter an der Aktion.

Die Tierpfleger, Gärtner, Handwerker und sonstigen Mitarbeiter des Zoos hatten Plakate mitgebracht, auf denen Parolen wie „Blaszkiewitz und Thöne zahlen miese Löhne“, oder „Wir wollen nicht nur unsere Tiere, sondern auch unsere Kinder füttern“ zu lesen waren. Ver.di fordert in den Tarifverhandlungen 6,7 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Bislang gab es drei Tarifverhandlungsrunden, zuletzt am 30. April. „Die Arbeitgeberseite habe mit einer Erhöhung der Entgelte von jeweils 1,5 Prozent für 2013 und 2014 kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt“, so Ver.di- Streikführer Jürgen Stahl. Daher habe man sich entschieden, zum ersten Streik in der Geschichte des 1844 eröffneten Zoologischen Gartens aufzurufen. Die Forderung der Gewerkschaft laute unverändert: 6,7 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten.

Andere Zoos zahlen besser

Unter den Streikenden war am Sonntag auch Tierpfleger Carsten Schwend. Der 34-Jährige ist seit 1994 Tierpfleger. Seine Schützlinge, die Nashörner und Tapire, waren beim Streik ganz dicht bei ihm: „Das Nashorngehe ist gleich hinter dem Eingang, wahrscheinlich wundern sich die Tiere über die Lautsprecherdurchsagen und den Trillerpfeifenlärm“, so Schwend.

Sonst aber, versichert der Tierpfleger, würden seine Dickhäuter vom Streik nichts merken. „Ich habe die heute morgen ganz normal gefüttert und ihren Stall ausgemistet“, sagt Schwend. Er opfere seine Mittagspause und werde die versäumte Arbeit in der Futterküche später nachholen. „Ich liebe meine Arbeit und die Tiere, aber mit einem Bruttogehalt von 2060 Euro ist es schwierig, eine vierköpfige Familie durchzubringen“, sagte Schwend. Ihre Forderung sei mehr als angemessen. „In anderen Zoos, etwa in Hamburg, Hannover oder Leipzig verdienen die Tierpfleger etwa 300 bis 400 Euro brutto mehr“, sagt er.

So wie Schwend geht es nach Auskunft der Gewerkschaft fast allen Mitarbeitern im Zoo und im Tierpark. Im Schnitt verdiene ein Tierpfleger, wenn er ausgelernt hat, 1200 bis 1300 Euro netto im Monat. Ein Obertierpfleger erhält 1600 Euro netto; arbeitet er alle Sonntage im Monat durch, sind es bis zu 1800 netto – das aber erst nach jahrzehntelanger Betriebszugehörigkeit.

Zoo-Besucher äußern Verständnis für Protest

Die Zoo-Besucher äußerten überwiegend Verständnis für den Protest der Beschäftigten. „Ich wäre auch bereit, mehr Eintritt zu zahlen“, sagte Anja Nowak aus Pankow. Mit der Familienkarte zahlte sie 22 Euro Eintritt für sich und vier Kinder. „Ein Besuch im Legoland in Mitte oder auch im Kino wäre sehr viel teurer geworden“, sagte die 36-Jährige. Für Zoo-Geschäftsführerin Gabriele Thöne, die die Kundgebung auf dem Hardenbergplatz aufmerksam verfolgte, sind Preiserhöhungen jedoch keine Option. „Die Preise müssen marktgerecht und für alle Berliner erschwinglich sein“, so Thöne. Die Eintrittskarte für Erwachsene kostet 13 Euro.

Während der Zoologische Garten in Tiergarten, der als der artenreichste Zoo der Welt gilt, aufgrund seiner zentralen Lage und den vielen Touristen ohne die Unterstützung des Landes auskommt und sogar Gewinne einfährt, ist der Betrieb des Tierparks in Friedrichsfelde immer noch ein Verlustgeschäft. Für dieses Jahr betrage das Defizit voraussichtlich knapp eine Million Euro. Für Zoo- und Tierpark gelte jedoch ein gemeinsamer Tarifvertrag. Gewerkschafter Stahl kündigte an, man werde hartnäckig bleiben. „Das ist mit Sicherheit nicht unsere letzte Aktion gewesen“, sagte er am Ende der Kundgebung.