10.14 Uhr: Jan Stöß redet - Die Polizeigewerkschaft demonstriert

Polizeikräfte stehen vor dem Estrel Hotel an der Sonnenallee in Neukölln, um den Landesparteitag zu bewachen. Drinnen redet Jan Stöß. Er sagt, dass der Mietspiegel ein Instrument sei, das funktioniere, um die Mietsteigerungen im Zaum zu halten. „Allerdings wird Berlin mehr Wohnungen bauen müssen“, so Stöß. Damit ist er gleich bei einem der Top-Themen in Berlin.

Unterdessen demonstriert vor dem Gebäude die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin gegen SPD-Vorstöße für ein Pfeffersprayverbot. Etwa 20 Mitglieder verteilen Handzettel mit Informationen zum Reizgas an die Delegierten.

Überraschend wurde die GdP dabei von etwa 30 Gegendemonstranten gestört, die sich für das Verbot aussprachen. Dennoch konnte die Gewerkschaft nach eigenen Angaben ihre Handzettel verteilen. Die Berliner Jusos fordern, den Einsatz von Pfefferspray grundsätzlich zu verbieten. „Die Verwendung von Pfefferspray ist bereits jetzt gesetzlich ausreichend reguliert“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Michael Purper. Er gehe davon aus, dass die Delegierten das Anliegen verstanden haben. „Wir wollen klar machen, dass wir Pfefferspray als Hilfsmittel für die tägliche Arbeit benötigen“, so Purper.

10.17 Uhr: Stöß nennt Merkel „Kanzlerin der Vermieter“

Dann haut Stöß in seiner Rede auf Angela Merkel ein. Diese sei die Kanzlerin der Vermieter und Investoren. „Wir brauchen aber einen Kanzler der Mieter - und das kann nur Peer Steinbrück sein.“ Die Delegierten im Saal klatschen laut.

10.24 Uhr: Redner Stöß wirbt für den BER

Stöß kündigt an, einen gesetzlichen und flächendeckenden Mindestlohn einführen zu wollen. Damit knüpft er an die Tradition der einstigen Arbeiterpartei SPD an, die in diesem Jahr 150 Jahre alt wurde. „Wir wollen eine Rente und Arbeit, von der man leben kann“, sagt er. Begeisterter Applaus brandet auf. Dann lobt er Berlin: „Manchmal vergessen wir, in was für einer großartigen Stadt wir leben.“

Natürlich geht es heute auch um den Flughafen. Stöß beruhigt seine Genossen: „Wenn der BER eröffnet, wird Tegel geschlossen.“ Er fordert die SPD-Mitglieder auf, im Bundestagswahlkampf „um jede einzelne Stimme zu kämpfen“. Deutschland und Berlin bräuchten den Regierungswechsel von Schwarz-Gelb zu Rot-Grün, „denn nur die SPD steht für den Kampf für eine freie, gerechte und solidarische Gesellschaft“, so Stöß. Als wichtigste Wahlkampfthemen nannte Stöß die Wohnungs- und die Arbeitspolitik. „Wir wollen Wohnraum, der bezahlbar ist, und Arbeit und eine Rente, von der man leben kann.“

10.32 Uhr: „Berlins Erfolg ist auch unser Erfolg“

Stöß lobt Klaus Wowereit, während dessen Regierungszeit Berlin zu einer freien, spannenden und weltoffenen Metropole geworden sei. „Der Erfolg Berlins ist auch unser Erfolg“, so Stöß. Berlin stehe in der ganzen Welt für Toleranz und für Freiheit. „Wir lassen uns nicht kleinreden, wie du die Stadt seit 2001 zum Besseren verändert hast“, sagte Stöß mit Blick auf das Flughafen-Debakel, für das auch Wowereit als langjähriger Vorsitzender des Aufsichtsrates mitverantwortlich gemacht wird.

10.34 Uhr: Stöß betont Bedeutung der Parteien für die Demokratie

Am meisten Beifall erntet Jan Stöß mit dem wohl wichtigsten Satz seiner Rede: „Ohne Parteien gibt es keine Demokratie“, sagt er.

10.58 Uhr: Gratulation an den Berliner Landesverband

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück spricht. Er gratuliert der Berliner SPD, dass sie bei den Kandidaten 50 Prozent Frauenanteil hat. Das wolle er bei seinem Kompetenzteam auch schaffen. „Denn die tatsächliche Gleichberechtigung hinkt hinter der gesetzlichen zurück“, so Steinbrück.

11.12 Uhr: Steinbrück kritisiert Berlin-Bashing

Peer Steinbrück sagt, dass er mittlerweile einen festen Wohnsitz in Berlin habe. Er wohne im Wedding und habe „die Schnauze voll von all dem Berlin-Bashing aus dem Rest Deutschlands“.

11.25 Uhr: Steinbrück ist für Schwarz-Gelb - beim Fußball

Steinbrück entdeckt einen schwarz-gelben Schal eines Dortmund-Fans im Saal. „Das ist der einzige Fall, wo ich für Schwarz-Gelb bin“, sagt er. Der bekennende Fußball-Fan freut sich offenbar bereits auf das Finale der Champions League in London, wo die Bundesligisten Bayern München und Borussia Dortmund aufeinandertreffen.

11.48 Uhr: Steinbrück rechtfertigt Steuererhöhungen

Ein Grund, warum er für Steuererhöhungen sei, sei die Verschuldung des Staates, die man nicht der kommenden Generation aufbürden könne, sagte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Ein weiterer Grund sei die Bildung. Er hob vor allem die berufliche Bildung hervor, denn „nicht das ganze Land muss akademisiert werden“. Der dritte Grund sei die Infrastruktur, die in Deutschland verfalle. Zudem müsse die Energiewende finanziert werden. Hier sagt er Konflikte mit der Bevölkerung voraus, da keiner die Stromleitungen vor seinem Haus haben wolle. "Aber der Strom muss ja transportiert werden."

12.08 Uhr: Ursula Engelen-Kefer lobt Steinbrück

Die ehemalige DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer tritt im roten Jacket auf die Bühne und lobt Steinbrück. Dieser habe die Glaubwürdigkeit, die es brauche, um zu einem gerechten Steuersystem zu kommen. Gleichzeitig warnte sie vor „Armut durch Arbeit“. Minijobs müssten eingeschränkt werden, so Engelen-Kefer.

12.30 Uhr: Nun reden die Mitglieder

Jetzt kommen die Parteimitglieder zu Wort. Stöß sitzt neben Wowereit und Steinbrück auf dem Podium. Ein Redner mahnt Steinbrück, das Thema EU-Bürgschaften nicht zu vernachlässigen. Er sorge sich wegen der Euro-Krise.

13.06 Uhr: Jetzt wird gewählt

Nun werden die grünen Wahlzettel in die Urnen geworfen für die Plätze auf den Landeslisten. Die Nervosität im Saal steigt. Manche vertreiben sich die Zeit bis zur Auszählung mit Schnitzel und Kartoffelsalat.

13.12 Uhr: Die ersten Ergebnisse kommen

Platz 1 auf der Liste: 77 Prozent für Eva Högel, das hat gereicht, ist aber nicht wirklich gut. Högl übernimmt die Spitzenposition von Bundestags-Vize-Präsident Wolfgang Thierse, der nach 23 Jahren im Bundestag nicht wieder kandidiert. „Ihr bekommt von mir 100 Prozent Einsatz für die SPD und die Berliner Bürger“, hatte die Juristin vorher versprochen.

13.21 Uhr: Überraschende Gegenkandidaturen

Bei Platz 3 gibt es überraschend zwei Gegenkandidaturen. Gegen Mechthild Rawert schicken die großen Kreisverbände des Westens ihre Kandidatinnen ins Rennen: Ülker Radziwill aus Charlottenburg und Ute Finckh-Krämer aus Steglitz-Zehlendorf.

13.38 Uhr: Swen Schulz erhält 97 Prozent

Platz 2 geht an Swen Schulz mit absolut beeindruckenden 97 Prozent. Sein Kreisvorsitzender Raed Saleh klatscht begeistert. Kommentar des Gewinners: „Boah, das ist der Hammer.“

14.21 Uhr: Mindrup kämpft für erschwingliche Mieten

Um Platz 4 bewirbt sich Klaus Mindrup aus Pankow. Sein Hauptanliegen sind erschwingliche Mieten für sozial Schwache.

14.30 Uhr: Fotos mit Klaus Wowereit

Begehrtestes Fotomotiv des Tages ist Klaus Wowereit. Immer wieder kommen Leute zu ihm, um für Bilder zu posieren.

14.39 Uhr: Mechthild Rawert auf Platz 3

Platz 3 geht mit etwas über 50 Prozent an Mechthild Rawert. Das ist ganz ordentlich, da es zwei Gegenkandidaten gab.

14.42 Uhr: Vom Gastarbeiter-Kind zur VW-Referentin

Um Platz 5 bewirbt sich Cansel Kiziltepe. Sie hat sich als Kind einer Gastarbeiter-Familie in Kreuzberg zur Referentin bei VW hochgearbeitet, wo sie volkswirtschaftliche Analysen erstellt. Sozialer Aufstieg und faire Chancen liegen ihr am Herzen, auch vor dem Hintergrund dieser Biografie.

15.05 Uhr: Mindrup auf Platz 4

Auf Platz 4 wird Klaus Mindrup mit einer ordentlichen Zwei-Drittel-Mehrheit gewählt.

15.18 Uhr: Cansel Kiziltepe – die aufstrebende Kandidatin

Platz 5 geht mit 83 Prozent an Cansel Kiziltepe. Damit hat sie gute Chancen, im Herbst in den Bundestag einzuziehen. Kiziltepe ist eine der aufstrebenden Kandidaten in der SPD.

15.45 Uhr: 64 Prozent für Fritz Felgentreu

Platz 6 geht an Fritz Felgentreu mit 64 Prozent. Der Lateinlehrer freut sich.

15.52 Uhr: Das Champions-League-Finale lockt

Delegierte und Gäste zieht es nach Hause. Die ersten verlassen den Saal, denn der Kampf um die spannendsten Listenplätze ist entschieden. Ganz offensichtlich waren einige Fußballfans im Saal, denn wer heute zu lang redete, wurde auch mit Blick auf das Champions-League-Finale zur Eile gemahnt. Die Redner hielten sich daran.