Sie ist das mutige Mädchen, das den Bundespräsidenten um Hilfe bat: Sadaf Walizada (12), die mit ihrer Familie vermutlich nach Afghanistan zurückkehren muss, erhält Hilfe von ihren Mitschülern, die erst durch die Berliner Morgenpost von der schwierigen Lage der Zwölfjährigen erfahren hatten.

Die Klasse 5b der Kiepert-Schule im Berliner Ortsteil Marienfelde (Bezirk Tempelhof-Schöneberg) hat nun ihrerseits einen Brief an den Bundespräsidenten geschickt. Darin heißt es: „Wir als Klasse wollen nicht, dass Sadaf zurückmuss, weil sie große Angst davor hat!“ Der Asylantrag der Familie Walizada war abgelehnt worden, obwohl sie aus einer krisengeschüttelten Region stammt.

Sadaf Walizada hatte Aufmerksamkeit erregt, als sie vor einigen Wochen spontan Joachim Gauck ansprach, der zu einem Festakt das ehemalige Auffanglager für DDR-Flüchtlinge in Marienfelde besuchte. Dort traf er auch auf 600 Migranten und Flüchtlinge, die heute dort auf ein neues Leben warten.

Der Appell der Schüler an Gauck: „Bitte leiten Sie unseren Brief an die richtige Stelle weiter!“ In dem Brief drücken sie Bewunderung für die Leistungen ihrer Mitschülerin aus, die seit zwei Jahren mit ihren Geschwistern und ihren Eltern in dem Wohnheim neben der Schule lebt. Das Lernen mache ihr Spaß, sie könne sehr gut deutsch sprechen und schreiben. „Das bewundern wir alle sehr, denn sie ist ja noch nicht lange in Deutschland.“ In Afghanistan könne sie als Mädchen vielleicht gar nicht mehr in die Schule gehen, so die Schüler. Außerdem habe sie viele Freunde gefunden. „Die ganze Klasse mag sie sehr.“

Eine Lehrerin hatte die guten Leistungen des Mädchens bestätigt; in kürzester Zeit habe sie es vom Sprachkurs in den regulären Unterricht geschafft, in einigen Fächern sei sie inzwischen besser als einige Muttersprachler. Das Kollegium unterstütze das Mädchen und ihre Familie. Die Walizadas werden inzwischen von einem Anwalt vertreten – die Integrationsleistung der Kinder kann wichtig sein für ein Bleiberecht.

pvs