Minutenprotokoll

Demonstrationen zur Walpurgisnacht bleiben friedlich

Mit Demos in Wedding und Schöneweide begann die Walpurgisnacht in Berlin. Tausende protestierten friedlich, es gab kaum Zwischenfälle. Das Protokoll der Aktionen.

Nach den Demonstrationen am Abend zum 1. Mai in Berlin spricht die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) von der ruhigsten Walpurgisnacht seit Jahren. Der Einsatzverlauf lasse als Vorbote der mehr als 20 Veranstaltungen am 1. Mai auf mehr Friedlichkeit hoffen, sagte der Landesvorsitzende der DPolG Berlin, Bodo Pfalzgraf, am Mittwoch.

Zu den Demonstrationen vor Beginn der Walpurgisnacht sind deutlich mehr Menschen gekommen als zuvor angenommen. 1000 Menschen waren in Schöneweide erwartet worden, um gegen Rechts zu demonstrieren, 3000 kamen. Der Protest hier blieb weitgehend friedlich, von 23 Festnahmen und vier Verletzten Polizisten war bis Mitternacht die Rede.

In Wedding demonstrierten rund 1000 statt der erwarteten 500 Menschen gegen soziale Ausgrenzung und Rassismus. Hier wurde bis Mitternacht nur ein einziger Zwischenfall gemeldet.

Das Protokoll der Aktionen vor Beginn des 1. Mai:

14.30 Uhr: 300 Menschen bei Antikapitalistischer Walpurgisnacht

In Wedding haben sich nach Veranstalterangaben rund 300 Menschen zu einer „Antikapitalistischen Walpurgisnacht“ versammelt. Rund um den S-Bahnhof Gesundbrunnen protestierten sie gegen steigende Mieten und soziale Ausgrenzung. Der Veranstalter hat 500 Teilnehmer angemeldet.

17.45 Uhr: Demo gegen Rechts in Schöneweide

Mehrere hundert Demonstranten haben sich in Schöneweide zu einem Protest gegen Rechts versammelt. Das Bündnis „Gemeinsam gegen Nazis“ spricht von 1500 Teilnehmern, die Polizei von etwa 600. Die Polizei ist mit einem starken Aufgebot vor Ort. Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeipräsident Klaus Kandt verschaffen sich am Ort des Protests einen Überblick.

19.45 Uhr: 1000 Polizisten im Einsatz in Wedding

In Wedding sind rund 500 Menschen noch auf der Kundgebung zur „Antikapitalistischen Walpurgisnacht“. Teilnehmer der nachfolgenden Demonstration gegen Rassismus kommen allmählich hinzu. Auch hierzu werden 500 Demonstranten erwartet. Die Polizei ist mit rund 1000 Einsatzkräften am Ort.

19.55 Uhr: 3000 Demonstranten in Schöneweide, einzelne Festnahmen

Zu der Demonstration gegen Rechts in Schöneweide sind nach Angaben der Polizei rund 3000 Teilnehmer gekommen - mehr als ursprünglich erwartet. Laut Polizei war die Demonstration mit 1000 Teilnehmern angemeldet. „Bisher ist es insgesamt friedlich“, sagte Berlins Vize-Polizeipräsidentin Magarete Koppers zu diesem Zeitpunkt der Berliner Morgenpost vor Ort. Es habe allerdings einzelne Festnahmen und Platzverweise gegeben - vor allem wegen Verstößen gegen das Vermummungsverbot.

20.21 Uhr: Einsatz von Pfefferspray in Schöneweide

In Schöneweide ist es zu einem Einsatz von Pfefferspray gekommen. Nach Einschätzung des Morgenpost-Reporter vor Ort blieben die Proteste zu diesem Zeitpunkt aber weitgehend friedlich. Es kam laut Polizei zu sechs vorübergehenden „Freiheitsentziehungen“: Von Demonstranten wurden die Personalien aufgenommen.

20.32 Uhr: Entspannte Stimmung in Wedding

Unter die Demonstranten in Wedding haben sich viele Jugendliche gemischt, die wohl nicht geplant hatten, zu demonstrieren. Die Stimmung ist entspannt.

20.48 Uhr: Demonstration beginnt

750 Menschen beginnen in Wedding die Demonstration unter dem Motto „Nimm was dir zusteht“ gegen Gentrifizierung und Rassismus. Entgegen erster Angaben begleiten nicht 1000, sondern rund 800 Polizisten den Zug. Der Weg führt von der Badstraße bis zum U-Bahnhof Seestraße. Die Polizei erwartet, dass die Teilnehmerzahl auf der Route noch steigt. Nach Einschätzung des Morgenpost-Reporters ist bisher alles weitgehend friedlich.

21.03 Uhr: Polizei hält sich im Hintergrund

Bei der Demonstration in Wedding skandieren die Demonstranten Parolen wie „Ganz Berlin hasst Sarrazin“ und tragen Transparente mit der Aufschrift „Gegen soziale Ausgrenzung“ oder „Berlin zurückerobern“. Die Polizei hält sich demonstrativ im Hintergrund. Während Antikonflikt-Teams den Zug ganz nah begleiten, halten sich Polizei-Beamte in schwerer Ausrüstung weit entfernt von den Demonstrationsteilnehmern.

21.21 Uhr: Vereinzelte Feuerwerkskörper auf Dächern gezündet

Der Zug biegt von der Pankstraße ab. Die Polizei hatte vorab bei der Festlegung der Route darauf bestanden, dass möglichst viele Nebenstraßen genutzt werden, um den Verkehr nicht all zu sehr zu behindern. In der Wiesenstraße halten sich einige Menschen auf den Dächern auf und zünden zwei Mal Pyrotechnik. Die Demonstranten fordern immer wieder Anwohner auf, sich dem Zug anzuschließen, doch kaum jemand reagiert darauf.

21.40 Uhr: Zwischenkundgebung und Zwischenbilanz in Wedding

Von den Bewohnern des alternativen Wohnprojekts an der Schererstraße wird der Demonstrationszug gefeiert. Bewohner stehen auf dem Balkon und haben Wunderkerzen und Leuchtfeuer in den Händen. An der Ecke Schererstraße/Adolfstraße findet eine Zwischenkundgebung statt. Die bisherige Bilanz der Zwischenfälle: Zwei Mal wurde auf Dächern Pyrotechnik gezündet, zwei Mal würden Böller gezündet, die Polizei musste bislang nicht eingreifen.

21.48 Uhr: 750 Menschen im Mauerpark versammelt

Die Polizei spricht mittlerweile von 1000 Demonstrationsteilnehmern in Wedding. Aus dem Mauerpark meldet sie 750 Menschen, die sich traditionell zur Walpurgisnacht versammelt haben.

22.07 Uhr: dpa meldet rund 20 Festnahmen in Schöneweide

Bei der Demonstration gegen Rechts in Schöneweide sind rund 20 Menschen festgenommen worden, wie die Nachrichtenagentur dpa vom Polizei-Einsatzleiter Andreas Suhr erfuhr. Ihnen werde Vermummung, Sachbeschädigung und Landfriedensbruch vorgeworfen, sagte Suhr. Vereinzelt flogen Flaschen gegen Polizisten. Der Einsatzleiter sprach dennoch von einer weitgehend ruhigen Lage.

22.09 Uhr: Zug durch Nebenstraßen ohne Zwischenfälle

Der Zug ist in die Müllerstraße eingebogen und auf dem Weg zum U-Bahnhof Seestraße. Sicherheitskräfte zeigen sich erleichtert, da in den weniger beleuchteten Nebenstraßen mehr hätte passieren können.

22.16 Uhr: Ganz plötzlich ist Schluss

„So das war‘s, danke dass Ihr da wart!“, ertönt es über das Megafon. Ganz plötzlich ist Schluss. Die Demonstration in Wedding ist beendet. Noch gibt es keine Erkenntnisse über Festnahmen im Verlauf der Demonstration.

22.33 Uhr: Polizei zählt noch - Koppers „sehr zufrieden“

Bei der Demonstration in Schöneweide hat es nach der bisherigen Auszählung der Polizei 23 Festnahmen und vier verletzte Polizisten gegeben. Davon seien drei Beamte nur leicht verletzt und eine Polizistin vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden, sagte Berlins Vize-Polizeipräsidentin Magarete Koppers. Bei der Polizistin sei jedoch keine schwere Verletzung festgestellt worden. Koppers zeigte sich „sehr zufrieden mit dem überaus friedlichen Verlauf“.

22.40 Uhr: Rollt der Ball noch?

Zwölf Polizisten stehen am Rand der beendeten Demonstration in Wedding um einen Mann herum – aber nicht um ihn einzukesseln: Alle starren auf sein Handy, die Beamten wollen wissen wie das Champions-League-Halbfinale von Dortmund gegen Real Madrid ausgegangen ist.

22.46 Uhr: Demonstration löst sich endlich auf

Trotz wiederholter Aufforderung der Polizei an die Demonstranten, nach Hause zu gehen, haben sich die meisten eine halbe Stunde lang nicht von der Straße wegbewegt. Doch nun löst sich die Menge endlich auf. Bislang gibt es keine Berichte über Festnahmen, aber auch keine offizielle Bestätigung.

22.50 Uhr: 1500 Menschen noch in Schönweide vor der Bühne

In Schönweide sind weiterhin 1500 Menschen auf der Straße und folgen dem Konzert, das Teil des Protests gegen die angekündigte Demonstration Rechtsextremer ist.

22.53 Uhr: Flaschen gegen Bankfenster

Nach Ende der Demonstration in Wedding ist es in der Nazarethkirchstraße zu einem Zwischenfall gekommen: Gegen die Scheibe einer Bank flogen Flaschen, durchschlugen diese jedoch nicht.

23.24 Uhr: Walpurgisnachtfeiern gehen zu Ende

Auch in Schöneweide löst sich die Menschenmenge auf, 500 sind noch am Konzertort. Den Mauerpark verlassen nun ebenfalls viele Menschen.

0.00 Uhr: Der 1. Mai beginnt

Zahlreiche Berliner werden sicher noch die gesamte Nacht hindurch die Walpurgisnacht feiern. Auch die Polizei bleibt verstärkt im Einsatz.