In dem Wäldchen rund um den Beerenpfuhl in Hellersdorf hüpfen Eichhörnchen von einem Baum zum anderen. In dem kleinen Gewässer tauchen Enten unter und wieder auf. Spaziergänger führen ihre Hunde aus und lassen sie herumtollen. Ein friedlicher Ort, an den nach langer Winterpause das Leben zurückgekehrt ist. Doch für einen erst wenige Tage alten Jungen gibt es dieses Erwachen nicht. Das Baby war Anfang April dort tot in eine Plastiktüte eingewickelt unter einem Baum abgelegt worden.

Der Platz war geschmückt mit Blumen, Kerzen und Plüschtieren

Mit einer Kranzniederlegung haben am Sonntagnachmittag mehr als 30 Anwohner, darunter auch viele Kinder, sowie Mitarbeiter des Kinder- und Jugendwerks „Arche“ an die abscheuliche Tat gedacht. Der Kranz war mit gelben und roten Rosen besetzt. Auf der dazugehörigen Schleife stand: „Damit kein totes Baby vergessen wird“. Der Platz der Kranzniederlegung war zum Gedenken an den gestorbenen Säugling mit Blumen, Kerzen und vielen Plüschtieren geschmückt.

„Mütter und Familien in Notlagen müssen wissen, wohin sie sich wenden können oder wer ihnen in ihrer Verzweiflung helfen kann“, sagte der Leiter der „Arche“, Bernd Siggelkow. Auch wenn seine Einrichtung, die nur wenige Meter von dem Tatort entfernt einen Treffpunkt unterhält, keine Babyklappe haben dürfe, biete sie über ein Notfalltelefon doch die Möglichkeit der schnellen Hilfe. Die Beisetzung des Säuglings wird am kommenden Dienstag auf dem Friedhof Biesdorf stattfinden.

Anteilnahme und Wut

Am späten Nachmittag des 9. April hatte eine Spaziergängerin die Babyleiche in dem Hain nahe des Uferweges gefunden. Sie rief sofort die Polizei, die das Areal daraufhin nach Spuren absuchte. Die Arbeiten der Mordkommission dauerten bis weit in die Nacht. Mit großer Anteilnahme und einer gehörigen Portion Wut im Bauch hatten Bewohner des Kiezes an dem Fundort anschließend Blumen und Kerzen niedergelegt. Der Tod des Jungen hatte die Menschen betroffen gemacht. Nach intensiven Ermittlungen konnte die Polizei wenige Tage später die 20 Jahre alte Mutter und ihren Lebensgefährten festnehmen. Das Paar hatte das Kind verhungern und verdursten lassen.