Berlin Trend

Jeder Zweite will keine Neubauten auf Tempelhofer Feld

Fast die Hälfte der Berliner ist gegen den Bau von Wohnungen auf dem Flugfeld. Vor allem Jüngere lehnen die Pläne des Senats ab. Das ergab eine Umfrage.

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Die Berliner sind über die Zukunft der größten innerstädtischen Freifläche der Stadt unterschiedlicher Ansicht: Eine knappe Mehrheit von 49 Prozent ist dagegen, auf dem Tempelhofer Feld Wohnungen zu errichten. Sie lehnen jegliche Bebauung des ehemaligen Flughafengeländes ab. 45 Prozent der Berliner sprechen sich dafür aus, am Rand des Areals Wohnbauten zu errichten.

Das ergab der Berlin Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-„Abendschau“. Infratest Dimap befragte dafür zwischen dem 12. und 15. April 1001 wahlberechtigte Berliner.

Das Ergebnis dürfte die Initiatoren des Volksbegehrens bestätigen, die das Tempelhofer Feld in seiner derzeitigen Gestalt erhalten wollen und sich gegen dort geplante Bauvorhaben wenden. Sie gaben Anfang des Jahres 28.000 Unterschriften für ihr Anliegen ab und nahmen damit die erste Hürde zum Volksentscheid.

Am Dienstag lehnte der Senat das Volksbegehren ab und sprach sich für neue Wohnungen auf dem Tempelhofer Feld aus. Nun muss das Abgeordnetenhaus beraten. Folgen die Parlamentarier dem Senat, haben die Initiatoren die Möglichkeit, 170.000 Unterschriften zu sammeln, um einen Volksentscheid zu erzwingen.

Flughafen Tempelhof bewegt die Berliner

Der ehemalige Flughafen Tempelhof mit seiner riesigen Freifläche bewegt die Berliner. So geben nur zwei Prozent der Befragten an, sie interessiere die Zukunft des Tempelhofer Feldes nicht. Die Ablehnung der geplanten 4700 Wohnungen am östlichen und nördlichen Rand des Geländes, die zwei städtische Wohnungsbaugesellschaften sowie die Genossenschaft Ideal derzeit prüfen, ist im Westteil der Stadt etwas größer als in den östlichen Bezirken.

Das mag an der räumlichen Nähe zu Tempelhof liegen. Jüngere Berliner lehnen die Bebauung des Feldes in deutlich größerer Zahl ab als ältere Menschen. Auch Frauen sprechen sich eher gegen Neubauten an diesem Ort aus, Männer sind mehrheitlich (49 zu 44 Prozent) für die Wohnungen.

CDU-Anhänger mehrheitlich für Bebauung des Feldes

Differenziert ist das Bild auch bei den Parteien: 54 Prozent der CDU- und 56 Prozent der Linke-Anhänger wünschen sich neue Wohnungen auf dem Tempelhofer Feld. In beiden Parteien will aber auch eine starke Minderheit (CDU: 42 Prozent, Linke: 37 Prozent) das freie Feld.

Die Wählerschaft der SPD ist gespalten – je 47 Prozent sprechen sich für beziehungsweise gegen den Wohnungsneubau in Tempelhof aus. Die Anhänger der Piraten votieren knapp, die der Grünen mit 61 Prozent deutlich gegen die Baupläne.

Jeder Dritte befragte Berliner von Mieterhöhungen betroffen

Auch andere Bauvorhaben in Berlin beschäftigen die Berliner: So sprechen sich 60 Prozent dagegen aus, den ehemaligen Todesstreifen an der East Side Gallery zu bebauen. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) verweist angesichts derartiger Widerstände gegen Neubauvorhaben darauf, dass die Stadt zusätzliche Wohnungen benötige, um den Anstieg der Mieten zu bremsen.

Auch die Befragten im Berlin Trend bestätigen, dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt zugespitzt habe. 36 Prozent geben an, dass bei ihnen in den letzten zwölf Monaten die Kaltmiete erhöht worden sei oder demnächst steigen solle. 60 Prozent sagen, sie seien bisher persönlich nicht betroffen und erwarteten das auch nicht für die kommenden zwölf Monate.

Die Schwierigkeiten, in Berlin eine preiswerte Wohnung zu finden, sind erheblich. Jeder dritte Berliner berichtet von entsprechenden Problemen beim Wohnungswechsel. 66 Prozent der Befragten geben an, auf sie treffe die Aussage „Ich hatte zuletzt Schwierigkeiten, eine neue Wohnung zu finden“ nicht zu.