Obdachlosenhilfe

Ein warmer Platz für die Nacht in Berlin

Die lang anhaltende Frostperiode macht vor allem den Obdachlosen zu schaffen. Der Verein Berliner helfen e.V. unterstützt die Kältehilfe mit weiteren 5000 Euro.

Foto: Massimo Rodari

Es gibt wohl kaum einen Berliner, der nicht den Frühling herbeisehnt. Wer aber gar kein eigenes Zuhause hat, den trifft der nicht enden wollende Winter besonders hart. Um die in der Stadt lebenden Obdachlosen wenigstens vor den eiskalten Nächten zu schützen, hat der Senat weitere Gelder zur Verfügung gestellt, sodass die Notübernachtungseinrichtungen der Stadtmission, der Gebewo und weiterer Träger bis zum 15. April 2013 geöffnet bleiben. Für die Verpflegung der Wohnungslosen reicht das Geld aber nicht aus. Berliner helfen, der Verein der Berliner Morgenpost, unterstützt deshalb die Notübernachtungen der Stadtmission mit weiteren 5000 Euro, gespendet von den Lesern der Berliner Morgenpost. Im Februar hatten die Obdachlosenärztin Jenny de la Torre, die Ambulanz der Caritas, der Verein Straßenkinder und die Stadtmission bereits 30.000 Euro aus der Kältehilfe-Spendenaktion erhalten.

Offiziell endete die Berliner Kältehilfe, ein Zusammenschluss kirchlicher und freier gemeinnütziger Träger, am 31. März. „Aber es ist einfach noch zu kalt, bei uns herrscht jede Nacht großer Andrang“, berichtet Isabel Otzowski, Leiterin der Notübernachtung der Stadtmission in der Johanniterstraße in Kreuzberg. 55 Schlafplätze stehen dort zur Verfügung. Einfache Matten in einem großen, geheizten Raum. Auch Waschgelegenheiten sind vorhanden.

Andrang in den Notübernachtungen

Ab 21 Uhr ist Einlass, aber wer einen Platz bekommen möchte, stellt sich schon lange vorher an. „Leider müssen wir auch Menschen abweisen. Die versuchen wir in anderen Einrichtungen unterzubringen“, sagt Isabel Otzowski. Wer eingelassen wird, bekommt heißen Tee, eine warme Suppe, manchmal auch frisches Obst und Gemüse. Ein Teil der Lebensmittel wird von der Berliner Tafel geliefert, der Rest muss durch Spenden finanziert werden. Wenn das Bezirksamt der Finanzierung zustimmt, soll die Zahl der Übernachtungsplätze noch aufgestockt werden, solange die Kälte anhält.

Auch der Kältebus der Berliner Stadtmission, der nachts durch die Stadt fährt, um Obdachlose in die Notunterkünfte zu bringen oder an ihren Schlafstellen zu versorgen, wird weiter im Einsatz bleiben. Leider ist er gestern mit einem Motorschaden liegen geblieben, Mercedes hat schnelle Reparatur versprochen.

Viele ehrenamtliche Helfer

Es gibt keine offiziellen Zahlen, wie viele Menschen in Berlin auf der Straße leben. Die Schätzungen schwanken zwischen 600 und 1000, dazu kommen noch etwa 9000 Menschen, die in Wohnheimen, Übergangshäusern und betreuten Wohneinrichtungen untergebracht sind. Ein großer Teil der Obdachlosen kommt aus Osteuropa, aus Lettland, Litauen, Polen und Rumänien, wo es kaum Hilfsangebote wie in Berlin gibt. Für viele von ihnen ist die ersten Anlaufstelle die Bahnhofsmission am Zoo. „500 bis 600 Menschen versorgen wir pro Tag“, erzählt Mitarbeiter Ralf Sponholz. Das funktioniert vor allem durch die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Eine ist Anna-Louise Buchmann aus Neu-Westend. „Ich bin durch die Morgenpost auf die Idee gekommen, hier mitzumachen“, erzählt sie. Nun steht sie hinter dem Küchentresen und schmiert Leberwurststullen „extra dick“. Um 14 Uhr gibt es Mittagessen, das muss vorbereitet werden.

Viktoria und Mike sortieren im Flur säckeweise Kleiderspenden. 50 große Tüten sind seit dem Morgen abgegeben worden. Die 15- und 17-jährigen Schüler helfen während der Osterferien in der Bahnhofsmission, putzen, machen Küchendienst und nehmen Spenden entgegen. „Ohne die Hilfe der Berliner ginge das alles nicht“, sagt Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission. Und die wird auch weiterhin gebraucht: Sehr willkommen sind Lebensmittel wie Kaffee, Kräutertee, H-Milch und Zucker. Die Sachen können jederzeit in der Jebensstraße hinter dem Bahnhof Zoo abgegeben werden.

Spenden für die Kältehilfe bitte an:

Berliner helfen e.V.

Stichwort: Kältehilfe

Spendenkonto 55, BLZ 100 205 00

Bank für Sozialwirtschaft