Hilfe für Bedürftige

Frost bringt Obdachlose in Berlin massiv in Not

Wegen der niedrigen Temperaturen hat der Senat die Notunterkünfte für Obdachlose verlängert. Die Bahnhofsmission bittet nun vor allem um Schlafsackspenden, fordert aber auch mehr professionelle Helfer.

Foto: Florian Schuh / dpa

Der anhaltende Frost und die verschneiten Ostertage sind eines der Hauptgesprächsthemen in Berlin. Für die Obdachlosen in der Stadt sind die Temperaturen ein besonders großes Problem. „Die Nachfrage nach Unterkünften, Mahlzeiten und warmer Kleidung bei uns ist riesig“, sagte Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission am Zoo. Die Bahnhofsmission versorgt täglich rund 600 Menschen mit dem Nötigsten, mehr als zwei Drittel von ihnen haben keine feste Unterkunft.

Puhl dankte den vielen privaten Spendern der vergangenen Wochen. Weitere Hilfen und Unterstützungen seien sehr willkommen. „Irgendwie reicht es nie“, sagte er. Und auch wenn die Winterkälte nachlasse, seien Spenden weiter unbedingt erforderlich. „Wohnungslosigkeit ist zwölf Monate im Jahr ein Problem.“ Im Moment jedoch gelte es in vielen Fällen „Überleben zu sichern und Erfrierungstod zu verhindern, aber auch darum, unseren Gästen zu zeigen: Ihr seid nicht allein auf euch gestellt.“ Diese Botschaft hatte auch ein gut besuchter Gottesdienst der Stadtmission in der Halle des Hauptbahnhofs am Karsamstag. Mehr als 500 Menschen waren gekommen. „Es war ein bewegender Gottesdienst. Bitterarme und Wohlhabende hörten zu und beteten. Oben rollten die Züge“, sagte Puhl.

Notübernachtungsplätze haben nun bis Mitte April geöffnet

Wegen der Witterungsverhältnisse hat der Senat die Kältehilfe bereits um zwei Wochen verlängert, die Notübernachtungsplätze und Nachtcafés haben nun bis Mitte April geöffnet. Gut 40.000 Euro stellt das Land für die 420 Schlafplätze zusätzlich zur Verfügung. „Wenn der Pragmatismus, den Kältetod zu vermeiden, der Maßstab ist, dann reicht diese Verlängerung erst einmal aus“, sagte Puhl. „Aber eigentlich müsste dem Staat, der Gesellschaft, die Hilfe für diese Menschen auf die Dauer mehr wert sein.“

Vor allem brauche es mehr gut ausgebildetes Personal, so Puhl. In der Bahnhofsmission freue man sich über viele engagierte Ehrenamtliche, doch gebraucht würden für die Arbeit mit Obdachlosen in Berlin auch mehr Profis. „Wir brauchen mehr Streetworker, wir brauchen psychiatrische Fachleute auf der Straße, wir brauchen Personal mit Erfahrung, mit Zeit und mit einem Netzwerk, damit die Stadt sich nachhaltiger um die Menschen kümmern kann“, sagte Puhl. Es sei vor allem ein Problem, den Übergang von der Notversorgung, wie etwa in der Bahnhofsmission, hin zu langfristiger Versorgung etwa in betreuten Wohneinrichtungen zu gestalten. „Wir haben in Berlin freie Plätze in Wohnprojekten, aber die Straßen sind voll mit Wohnungslosen.“ Für individuelle Betreuung der oftmals psychisch kranken Menschen sei einfach Fachwissen und Erfahrung nötig, um „auch einem hilflosen Menschen mit Schizophrenie, einer Psychose und vier Promille“ beim Zugang zu den Versorgungssystemen zu helfen.

4000 Schlafsäcke werden gebraucht

Akut braucht die Bahnhofsmission derzeit vor allem wieder Schlafsäcke. 4000 Stück verteilen die Helfer am Zoo jährlich. Wenn die Kältehilfe und das Angebot von Notschlafplätzen ausläuft, rechnet Puhl wieder mit einer erhöhten Nachfrage. Ebenfalls ein akutes Problem sei die Sauberkeit der Bahnhofsmission. „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wären es 10.000 Euro für die Reinigung in diesem Jahr“, sagte Puhl. Täglich werde die Bahnhofsmission gut zwei Stunden lang geputzt, nötig wären bei 600 Gästen am Tag mindestens drei. „Wer sehen möchte, was mit den Spenden passiert, ist herzlich eingeladen, bei uns auf einen Kaffee vorbei zu kommen.“