Obdachlose

Große Berliner spenden Kleidung und Schuhe in Übergröße

Der Klub Langer Menschen übergab Kleidung und Schuhe an die Bahnhofsmission am Zoo. Dort braucht man dringend Sachen in Übergröße.

Foto: Massimo Rodari

Im Winter vor drei Jahren war ein Mann in die Bahnhofsmission am Zoo gekommen, der statt Schuhen Handtücher an seinen Füßen trug. Einrichtungsleiter Dieter Puhl erinnert sich: Er habe den Mann angesprochen. Ein Wohnungsloser. „Er sagte mir, er besitze keine passenden Schuhe mehr.“

Der Mann hatte Schuhgröße 53, eine Übergröße. Puhl telefonierte die Berliner Kleiderkammern ab, aber niemand habe passendes Schuhwerk gehabt. Übergrößen werden selten gespendet. „Dabei suchen wir dringend danach für etwa 100 unserer regelmäßigen Gäste“, so Puhl.

Am Mittwochmorgen traf er sich deshalb in der Bahnhofsmission mit Vertretern des „Klubs Langer Menschen Berlin“. Klub-Beirat Robert Stevens – 41 Jahre alt, 2,20 Meter groß, Schuhgröße 54 – und vier weitere der insgesamt etwa 150 Mitglieder hatten acht Plastiktüten mit besonders großen Geschenken dabei: gebrauchte Kleidung und gut erhaltene Schuhe in großen Größen.

„Um Klubmitglied werden zu können, müssen Frauen mindestens 1,80 Meter, Männer mindestens 1,90 Meter groß sein“, so 1,88-Meter-Frau Silke Bährens. Auch sie hatte Schuhwerk aussortiert, darunter ein Paar gefütterter roter Wildlederstiefel. „Frauen wollen ja keine Männerschuhe tragen, abgesehen davon, dass die meistens ohnehin nicht passen, weil wir einfach schmalere Füße haben“, war sie überzeugt.

Heute gibt es Läden und Onlineshops für große Menschen

Früher sei es sehr schwierig gewesen, passende Kleidung zu finden, erinnerte sich Robert Stevens. „Meine Mutter musste mir Hosen nähen, ich hatte Probleme, Schuhe für meine Größe zu finden oder Möbel. Für mein erstes Paar Lederschuhe habe ich 300 D-Mark bezahlt.“

Mittlerweile gebe es einige spezialisierte Läden und Onlineshops, die nicht einmal unbedingt besonders teuer seien, „manchmal gibt es Schuhe schon für 50 Euro“, so Stevens. „Im Klub geben wir uns Tipps, wo es was gibt, wie man was auf die Schnelle umnähen oder umbauen kann oder wo günstig Maßanfertigungen angeboten werden.“

Puhl hatte den zwei Köpfe größeren Stevens vor einigen Tagen am Bahnhof Zoo gesehen und angesprochen. Daraufhin hatte der im Klub Langer Menschen um Kleider- und Schuhspenden geworben. Denn für manche Menschen sind schon 50 Euro für ein neues Paar Schuhe zu viel. „Vielleicht fühlen sich ja mehr lange Menschen in Berlin motiviert, zu uns in den Klub zu kommen und auch etwas zu spenden“, hofft Stevens.

Selbst gestrickte Socken in Übergröße

Die Nachfrage ist groß genug. In der Bahnhofsmission am Zoo werden täglich etwa 650 Menschen betreut, darunter viele Wohnungslose, aber auch gestrandete Reisende. Jedes Jahr, so Puhl, zählten er und seine Leute etwa zehn Prozent mehr Menschen ohne Obdach.

85 Ehrenamtliche, alle zwischen 15 und Ende 70 Jahre alt, helfen, damit auf Gäste in den geheizten Räumen Wärme im doppelten Sinne wartet: Außer einem Dach über dem Kopf gibt es hier immer etwas zu essen und zu trinken, Kontakte zu anderen Menschen und im Notfall auch Wechselkleidung oder ein Bett für die Nacht.

Bei ihrem Besuch zeigten sich die „langen Berliner“ beeindruckt von der christlichen Sozialarbeit. Und von den riesigen blauen Wollsocken, die Puhl am Ende noch hervorkramte: „Hat eine Spenderin selbst gestrickt – in Übergröße.“