Vor dem Arbeitsgericht Berlin hat am Dienstag der Prozess gegen einen ehemaligen Diplomaten wegen Ausbeutung seiner Hausangestellten begonnen. Die aus Indonesien stammende Frau, die im Haushalt des saudi-arabischen Attachés 18 Monate lang putzte, kochte und die Kinder betreute, wirft ihm vor, unter sklavenähnlichen Bedingungen beschäftigt und misshandelt worden zu sein. Sie fordert 70.000 Euro als nachträglichen Lohn und Schadensersatz. Ob noch am Dienstag ein Urteil fällt, war zunächst unklar.
Der Fall hat bereits alle arbeitsrechtlichen Instanzen durchlaufen. Arbeitsgericht Berlin und Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg wiesen die Klage der Indonesierin jeweils mit Verweis auf die Immunität ab. Dieser Schutz vor Strafverfolgung machte es unmöglich, die Vorwürfe gegen den Diplomaten zu prüfen. Das Bundesarbeitsgericht kam mit einer erwarteten Grundsatzentscheidung über die Aufhebung der Immunität nicht mehr zum Zug, weil der Attaché zwischenzeitlich ausreiste und damit die Immunität auch rückwirkend verlor. Das Arbeitsgericht kann nun erstmals die Vorwürfe prüfen.
Das Deutsche Institut für Menschenrechte, das die Klage unterstützt, schätzt die Erfolgsaussichten als gering ein, weil es schwierig sein wird, die Vorwürfe gegen den Diplomaten zu beweisen. Die Beteiligten selbst werden beim Prozess nicht anwesend sein. Der Diplomat wird von einem Anwalt vertreten. Die inzwischen wieder in Indonesien lebende Frau hatte ihre Rechtsansprüche an die Rechtswissenschaftlerin Heide Pfarr abgetreten.
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