Fall Jonny K.

Fünfter Alex-Schläger stellt sich - Festnahme am Flughafen

Bundespolizisten haben Bilal K. noch auf dem Rollfeld in Tegel verhaftet. Nun ist noch einer auf der Flucht: Der Hauptverdächtige Onur U. ist noch in der Türkei, wird aber nicht ausgeliefert.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Der fünfte von insgesamt sechs Tatverdächtigen der tödlichen Prügelattacke auf Jonny K. am Alexanderplatz hat sich der Polizei gestellt. Wie jetzt bekannt wurde, haben Beamte der Bundespolizei Bilal K. am Sonnabend um 21.30 Uhr im Flughafen Tegel noch auf dem Rollfeld verhaftet. Nach Angaben von Polizeisprecher Maik Gauer wurde der Gesuchte anschließend Zielfahndern des Landeskriminalamtes übergeben.

Der 24-Jährige war am Abend in Begleitung eines Anwalts mit einer Maschine der Fluggesellschaft Germania aus Ankara kommend in Berlin eingetroffen. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten zuvor Kenntnis von der Rückkehr des Mannes, der sich nach der Tat Mitte Oktober vorigen Jahres vermutlich über Griechenland in die Türkei abgesetzt hatte. Noch am Sonntag sollte K., der als einer von zwei Haupttätern gilt, der Haftbefehl verkündet werden.

Damit befindet sich nur noch der 19 Jahre alte Tatverdächtige Onur U. auf der Flucht. Erst am Mittwoch vergangener Woche hatte die Staatsanwaltschaft Berlin Anklage gegen die vier mutmaßlichen Mittäter erhoben. Den jungen Männern wird neben gefährlicher Körperverletzung die Beteiligung an einer Schlägerei vorgeworfen, durch die der Tod eines Menschen verursacht worden ist.

Darüber hinaus wird Osman A. (19) und Melih Y. (21) Körperverletzung mit Todesfolge zur Last gelegt. Beide Beschuldigten seien nach den Ermittlungsergebnissen hinreichend verdächtig, Jonny K. mit Tritten und Schlägen getötet zu haben, heißt es in der Anklageschrift. „Die genannten drei Anklagepunkte gelten auch für den jetzt verhafteten Bilal K.“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Sonntag.

Schwester von Jonny K. erleichtert

Berlins Innensenator Frank Henkel(CDU) sagte zu dem Ermittlungserfolg: „Ich bin sehr erfreut, dass die Polizei einen weiteren mutmaßlichen Täter festnehmen konnte.“ Dies sei auch ein wichtiges Zeichen an die Familie des Opfers. Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) erklärte, es sei gut, dass jetzt fünf von sechs Tatverdächtigen gefasst werden konnten.

Erleichtert äußerte sich auch Tina K., die Schwester des Opfers, über die Verhaftung. „Ich bin froh, dass der Mann sich endlich gestellt hat nach so langer Zeit und nicht weiter versteckt hält“, sagte sie der Berliner Morgenpost.

Die 28-Jährige gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass auch der noch flüchtige OnurU. in absehbarer Zeit „nach Berlin zurückkommt und sich wie ein Mann“ der Justiz stellt. Schließlich habe er dies doch schon vor einigen Monaten gegenüber Medien angekündigt.

Europäischer Haftbefehl gegen flüchtigen Onur U.

Nach dem 19-jährigen Onur U. wird mit deutschem und europäischem Haftbefehl gefahndet. Da der 19-Jährige aus Wedding auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, wird er von den dortigen Behörden nicht nach Deutschland ausgeliefert. Tina K., deren Freund Kaze C. bei dem Gewaltexzess von den Schlägern ebenfalls schwer verletzt worden war, will im Strafprozess als Nebenklägerin auftreten. Ein Prozesstermin steht aber noch nicht fest.

Der 20-jährige Jonny K. aus Spandau war in den frühen Morgenstunden des 14. Oktober 2012 ohne konkreten Anlass von den Beschuldigten brutal niedergeschlagen und rücksichtslos getreten worden. Die Folgen der Prügelorgie waren so schwer, dass Jonny K. einen Tag später in der Charité in Mitte an schweren Hirnblutungen starb, ohne zuvor das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Die brutale Attacke auf offener Straße hatte Entsetzen ausgelöst und eine bundesweit geführte Diskussion über Jugendgewalt ausgelöst. Innerhalb kurzer Zeit wurde am Alexanderplatz in Mitte eine mobile Wache installiert und die Polizeipräsenz deutlich erhöht.