Öffentlicher Dienst

Tausende Lehrer und Erzieher protestieren am Alexanderplatz

Die möglicherweise entscheidende Tarifrunde steht bevor. Da erhöhen die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst nach einmal Druck - mit Warnstreiks und Demonstrationen. Besonders sind Kitas und Schulen.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Einen Tag vor der dritten Verhandlungsrunde für den öffentlichen Dienst der Länder sind Lehrer, Erzieher und Beschäftigte von Berlins Ämtern ganztägig in Warnstreik getreten. Am Vormittag versammelten sich nach Veranstalterangaben rund 12.000 Beschäftigte zu einer Kundgebung am Alexanderplatz - in der Mehrzahl angestellte Pädagogen. Damit wurden die Erwartungen der Gewerkschaften übertroffen, die ursprünglich mit 8000 Demonstranten gerechnet hatten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Gewerkschaft Verdi hatten ebenfalls Beschäftigte der Hochschulen, der Bürgerämter, Jobcenter, Ordnungsämter, der Parkraumbewirtschaftung oder der Finanzämter zu den Protesten aufgerufen.

Der Ausstand sollte Schulen, Jobcenter und Landesbehörden in beiden Bundesländern teilweise lahmlegen. Damit soll Druck auf die Arbeitgeber gemacht werden. Verdi und die GEW fordern unter anderem 6,5 Prozent mehr Gehalt.

Der Verhandlungsführer der Länder, Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD), sieht Chancen, in der dritten Verhandlungsrunde in Potsdam an diesem Donnerstag nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen. Er sagte dem Radiosender MDR Sachsen-Anhalt, er könne sich Stufenmodelle mit einer längeren Laufzeit vorstellen. Der Forderung von 6,5 Prozent mehr Geld lehnte Bullerjahn aber erneut ab. Auch in Sachsen und Nordrhein-Westfalen setzten am Mittwoch Angestellte der Länder ihren Warnstreik fort.

Unter den Demonstranten in Berlin herrschte vor allem Wut und Frustration. Karola König aus dem Eigenbetrieb Kita am Planufer in Kreuzberg sagte, alle ihre Kollegen seien zur Demo gekommen, die Kita sei geschlossen. „Wir sind alle wütend und sauer!“, so König. „Wir haben die Eltern im Voraus informiert – einige sind heute sogar mit uns hier. Die Eltern unterstützen uns – sie stimmen zu, dass wir für unserer Rechte kämpfen müssen.“

Auch die 41 Jahre alte Erzieherin Christiane Berger ist wütend. „Es geht um die Qualität und die Anerkennung unserer Arbeit“, sagte sie. „Wir wollen funktionierende Schulen und Kitas, dafür müsse entsprechende Bedingungen geschaffen werden. Der Nachwuchs bleibt aus, weil die Ausbildungen unter unfairen Bedingungen vonstatten gehen.“