Die Berliner S-Bahn befördert mittlerweile mehr Fahrgäste als vor dem Krisenausbruch im Jahr 2009. Wenn es um Pünktlichkeit geht, bleibt die Tochter der Deutschen Bahn aber noch weit hinter ihren Vorgaben und Zielen zurück. Auch die Zahl der Zugausfälle ist aus Sicht des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) noch viel zu hoch.
Nach VBB-Angaben wurden 2012 in den S-Bahn-Zügen 395 Millionen Kunden gezählt. Das waren 1,8 Prozent mehr als vor den Krisenjahren 2009 bis 2011.
„Wir konnten nicht nur Fahrgäste zurückgewinnen, die wir in den Krisenjahren verloren hatten, sondern auch einige hinzugewinnen“, sagte S-Bahnchef Peter Buchner am Dienstag.
Nach seinen Angaben profitierte sein Unternehmen allerdings von allgemein steigenden Fahrgastzahlen im Öffentlichen Nahverkehr und zwei Sondereffekten aufgrund von Bauarbeiten: Aus Potsdam seien wegen der Sperrung der Regionalbahnstrecke viele Pendler auf die S-Bahn umgestiegen und in Berlin viele Fahrgäste der U-Bahn-Linie 6, die zwischen Friedrichstraße und Französische Straße unterbrochen ist.
In keinem Monat Pünktlichkeit eingehalten
VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz sprach von einer Stabilisierung des S-Bahn-Verkehrs. Nach seinen Worten konnte die Bahntochter im vergangenen Jahr aber in keinem Monat die vertragliche Zusicherung von 96 Prozent Pünktlichkeit ihrer Züge einhalten.
Zudem seien vier Prozent aller Fahrten komplett ausgefallen – so viele wie seit 2003 nicht mehr. Franz räumte allerdings ein, dass die Bahntochter nicht für alle Ausfälle verantwortlich sei. Er verwies unter anderem auf viele Notarzteinsätze und Kabeldiebstähle, die dem Unternehmen zu schaffen machten.
Derzeit setzt die S-Bahn im täglichen Berufsverkehr im Durchschnitt 519 Viertelzüge aus jeweils zwei Wagen ein. Vor der Krise waren es 546 gewesen. „Die übrigen Züge brauchen wir, wenn der Hauptstadtflughafen in Schönefeld in Betrieb geht“, sagte Buchner.
Vertraglich mit den Ländern Berlin und Brandenburg vereinbart sind eigentlich 562 Viertelzüge. Buchner machte aber deutlich, dass er nicht daran glaubt, diese Vorgabe eines Tages einhalten zu können.
Aktuell werden nach Angaben der Bahn und des VBB in Berlin 97,2 Prozent der bestellten Verkehrsleistung gefahren, in Brandenburg 100 Prozent. Laut Buchner verkehren inzwischen mit Ausnahme der S45 wieder alle S-Bahn-Linien mit der ursprünglichen Zuglänge. Wann die zu Beginn der S-Bahn-Krise im Sommer 2009 eingestellte Linie S85 (Waidmannslust-Grünau) wieder fährt, ist weiterhin offen. Dem Senat ist es bisher lieber, die dafür benötigten Züge in Reserve zu halten, um andernorts Lücken im täglichen Betrieb schließen zu können.
dpa/sei





