Mauer-Abriss

Investor will an der East Side Gallery weiterbauen

Der Teilabriss der East Side Gallery wird am Montag fortgesetzt, da ist sich der Investor sicher. Für Sonntag sind neue Proteste angekündigt

Trotz aller Proteste soll der Teilabriss der Berliner Mauer-Galerie zu Wochenbeginn weitergehen. "Am Montag werden die Arbeiten fortgeführt", sagte der Bauherr des geplanten Hochhausprojektes auf dem Areal an der Spree, Maik Uwe Hinkel, der Zeitung "B.Z.".

Er befürchte nicht, dass sein Bauprojekt noch scheitert. "Denn wir besitzen die Genehmigung und denken, dass das Gebäude Berlin gut tut."

Die Bürgerinitiative "East Side Gallery retten" will an diesem Sonntag ab 14 Uhr für den Erhalt des längsten noch erhaltenen Abschnitts der Berliner Mauer demonstrieren. Der künstlerisch bemalte Betonwall wird in nahezu jedem Berlin-Reiseführer als historische Sehenswürdigkeit gewürdigt.

Abrissstopp erzwungen

Demonstranten hatten am Freitag den vorläufigen Stopp eines Teilabrisses erzwungen. Auf dem früheren Todesstreifen zwischen der damaligen Hinterlandmauer und Spree sollen Luxuswohnungen entstehen, ein Mauerdurchbruch soll den Zugang zu dem Wohnprojekt schaffen. Zudem ist dort eine Brücke über die Spree geplant.

Mitglieder der Bürgerinitiative standen schon am frühen Sonnabendmorgen an der East Side Gallery, um auf möglicherweise anrückende Bauarbeiter aufzupassen. Der Abriss ging aber nicht weiter, wie ein Initiativen-Sprecher berichtete.

Indessen haben sich an der Online-Petition der Mauer-Aktivisten für den Erhalt der East Side Gallery mehr als 50.000 Menschen beteiligt.

Kran reißt Mauerteil heraus

Am Freitag hatten aufgebrachte Künstler und Bürgerinitiativen den Erhalt der East Side Gallery gefordert. Trotzdem riss ein Kran ein bemaltes Stück aus der Mauer heraus, gegen Mittag wurden die Arbeiten aber eingestellt.

"Ich schäme mich gerade, ein Berliner zu sein", machte Robert Muschinski von der Initiative "Mediaspree versenken!" seinem Ärger Luft. Berlin verkaufe sich und seine Geschichte, meinen entsetzte Künstler, die nach dem Mauerfall den grauen Betonwall auf 1,3 Kilometern Länge bemalt hatten.

Streit sorgt international für Aufsehen

Die Lücke in der East Side Gallery sorgte auch in der internationalen Presse für Aufsehen. Medien wie die britische Tageszeitung "The Guardian", der Fernsehsender "BBC" oder die "Los Angeles Times" berichteten auf ihren Webseiten über den Streit an der Spree.

Die "BBC" sprach am Freitag von einem der berühmtesten Kunstwerke Berlins, das durch Bauunternehmen bedroht sei. Die "Los Angeles Times" veröffentlichte ein Foto von Demonstranten und Polizisten vor der Mauer und einen Text in der Rubrik "Bilder der Woche".

"Mr. Gorbachev, tear down this wall to build luxury apartment blocks" (Reißen sie die Mauer nieder, um luxuriöse Appartement-Blöcke zu bauen), schrieb eine Leserin auf der Webseite des "Guardian". Sie wandelte damit einen Appell des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan 1987 an den sowjetischen Parteichef ab.

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