East Side Gallery

Contra Abriss - Die Mauer verträgt keine Löcher mehr

In die East Side Gallery darf keine 22 Meter breite Lücke geschlagen werden. Bei der Mauer geht es um Geschichte, sagt Andreas Abel.

Foto: Florian Schuh / dpa

Wie geht Berlin mit seinem historischen Erbe um? Die East Side Gallery ist das längste original erhaltene Stück der Berliner Mauer. Nun soll erneut eine Lücke in dieses einzigartige Zeitzeugnis geschlagen werden – gleich 22 Meter breit. Viele Berliner macht das wütend, man kann sie verstehen.

Dass die bunt bemalte Mauer dadurch vermutlich nicht weniger Touristen anziehen wird, ist ein schwacher Trost. Hier geht es nicht um Fragen der Vermarktung und Verwertbarkeit im Dienste des Fremdenverkehrs, hier geht es um Geschichte, um eine deutsche und europäische Epoche, die sich nirgendwo so manifestiert wie in Berlin.

Kein Schweizer Käse

Die 1,3 Kilometer lange East Side Gallery macht in ihrer Größe deutlich, wie die Mauer einst diese Stadt geteilt hat; die Kunstwerke sind ein Sinnbild, wie diese Teilung überwunden wurde. Die Wirkung, die von diesem Bauwerk ausgeht, lässt sich nicht herstellen, wenn es durchlöchert ist wie ein Schweizer Käse.

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Wer mit jungen Leuten spricht, die die Mauer nicht mehr aus eigener Anschauung kennen, merkt rasch, wie schwierig es ist, diesen Menschen das zu vermitteln, was damals Alltag war. Auch deshalb müssen wir das wichtige Erbe dieser Zeit kraftvoll verteidigen und schützen.

Typisch für Senat und Bezirke

Genau diese Kraft lässt die Berliner Politik vermissen. Ja, es gibt einen rund 20 Jahre alten (!) Bebauungsplan, der geltendes Recht schafft. Und ja, das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat versucht, den Grundstückseigentümern, die dort bauen wollen und nun auf ihre Zufahrt pochen, ein kommunales Ersatzgelände anzubieten.

Doch Finanzsenator Nußbaum hat dies nicht unterstützt. Und was passiert nun? Nichts. Das ist typisch für das Zusammenspiel von Senat und Bezirken. Der Wille, ein Problem nicht nur zu benennen, sondern auch zu lösen, ist nicht erkennbar. Stattdessen wird wieder einmal der Schwarze Peter hin- und hergeschoben. Das überzeugt nicht.

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