Die East Side Gallery ist 1,3 Kilometer lang. Einst Teil der grauen Mauer mit abschreckender, ja, tödlicher Wirkung, hat sie ihren Horror verloren, seit sie nicht länger Grenze und von Künstlern bunt bemalt ist. Und in voller Länge sind deren Gedenkmotive auch nicht mehr existent, seit am Ostbahnhof, an der O2 World und am Osthafen Lücken gerissen und Teile versetzt wurden.

Das hat Touristen nicht davon abgehalten, an die Mühlenstraße zu pilgern. Ein weiteres Loch in der Gallery wird sie davon nicht abhalten. Weil sie eine Attraktion ohnegleichen bleibt; quasi ein Pflichtprogramm nach den Gedenk- und Mahnstätten an der Bernauer Straße und am Checkpoint Charlie.

So groß scheint die Empörung nicht zu sein

Warum also jetzt die Empörung, die übrigens so groß angesichts der Zahl der Demonstranten vor Ort auch nicht zu sein scheint? Das hat wohl vor allem damit zu tun, dass der Bauherr Luxuswohnungen errichten will. Der hat seit 2005 ein Baurecht, nicht einmal die ansonsten zur Pingeligkeit neigende Denkmalschutzbehörde hatte Einwände, und sogar das alternativlastige Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat seinen Segen gegeben.

Da liegt der Verdacht nicht fern, dass der Protest wohl ausgeblieben wäre, hätte der Unternehmer statt großzügige nur soziale Wohnungen bauen wollen. Und dass nun plötzlich auch die Parteien ihr Herz für die „Rettung“ der East Side Gallery entdecken, bleibt angesichts des jahrelangen Vorlaufs wenig glaubwürdig.

Die innere Spaltung der Stadt weiter mildern

Die Stadt braucht Investoren. Wer sich hier engagieren will, muss sich auf rechtliche Zusagen verlassen können. Und wer redet eigentlich davon, dass mit der „Maueröffnung“ ein weiterer Brückenschlag zwischen Ost und West verbunden ist? Ohne die zu brechende Lücke wären die Planungen für die Fußgänger- und Fahrradbrücke über die Spree hinfällig.

Sie wird die Menschen in Friedrichshain und Kreuzberg einander näher bringen, damit die latente innere Spaltung der Stadt weiter mildern. Selbst bunte Mauern trennen. Brücken verbinden.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von X, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.