Auch wenn die Zahl der gemeldeten Fälle bei Kindern und Jugendlichen, die in Berlin an akutem Brechdurchfall erkrankt sind, nach Behördenangaben unverändert bei 2213 liegt, hält die Senatsverwaltung für Bildung in Absprache mit den Gesundheits- und Verbraucherschutzbehörden ihre bereits am Freitag ausgesprochene Empfehlung an die Kitas und Schulen aufrecht. Danach sollen sie auf die Ausgabe von Essen des Anbieters Sodexo bis auf Weiteres verzichten.

Das gelte insbesondere, weil noch nicht abschließend geklärt ist, ob die aufgetretenen Krankheitsfälle auf das Essen dieser Catering-Firma zurückzuführen sind. Ergebnisse der Untersuchungen werden erst im Laufe dieser Woche erwartet. „Wir raten den Eltern, ihren Kindern eigenes Essen mitzugeben, falls es vor Ort keine andere Lösung gibt“, sagt der Sprecher der Bildungsverwaltung, Ilja Koschembar. In den Bezirken und auf Landesebene werde versucht, einen vorläufigen Ersatz für den Service von Sodexo zu finden. Von Horten, die aufgrund der gehäuften Krankheitsfälle in der vergangenen Woche geschlossen blieben, sei nichts bekannt.

Sodexo steht im Verdacht, für die bislang größte Magen-Darm-Epidemie in Schulen und Kitas in mehreren ostdeutschen Bundesländern verantwortlich zu sein. Die Firma vermutet, dass Zulieferer von Produkten für die Magen-Darm-Epidemie verantwortlich sind.

Kinder bringen Speisen mit

Katrin Schultze-Berndt (CDU), Bildungsstadträtin in Reinickendorf, geht davon aus, dass die am Freitag geschlossene Grundschule am Vierrutenberg in Lübars wieder öffnet und die Hortbetreuung der Kinder in den Ferien gewährleistet sei. Die Räume sind laut Schultze-Berndt desinfiziert worden. Die Essensbestellungen seien gestoppt worden, um keine Risiken einzugehen. In Absprache mit den Eltern würden die Hortbetreuer regeln, ob die Kinder ihr Essen selbst mit zur Schule brächten, es zusammen zubereitet oder eventuell von außerhalb bestellt werde. „Um eine weitere Ansteckungsgefahr auszuschließen, wünsche ich mir, dass wir bald wissen, wodurch die massenhaften Erkrankungen ausgelöst wurden“, sagte Stadträtin Schultze-Berndt am Sonntag.

Die Senatsverwaltung wollte am Montagmorgen die Berliner Schulen und Kitas über den aktuellen Sachstand und die weiteren Empfehlungen informieren. Zusätzlich würden die Einrichtungen, die eine Hortbetreuung in den Herbstferien anbieten und von Sodexo beliefert werden, direkt von der regionalen Schulaufsicht der Senatsverwaltung kontaktiert, um mit ihnen die notwendige Hilfe und die weiteren Schritte abzusprechen.

Der Landeselternausschuss (LEA) hatte von den Bezirks- und Senatsverwaltungen eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle und eine schnelle Information der Eltern gefordert. „Solange die Ursache der Erkrankungen nicht genau feststeht, muss jeder für sich entscheiden, ob sein Kind im Hort essen soll“, warnte Elternvertreterin Doris Fortwengel von der Arbeitsgruppe Schulessen im LEA. Unklar blieb am Sonntag, in wie vielen betroffenen Horten und Schulküchen spezielle Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt wurden. Die Entscheidung für solche Schritte liegt bei den bezirklichen Gesundheitsämtern.

Einrichtungen, die eine ersatzweise Essensversorgung organisieren, wird empfohlen, die Belege aufzuheben. Die Senatsschulverwaltung strebt an, eine unbürokratische Finanzierungslösung für die Ersatzversorgung vor Ort zu finden.

Zwei Sodexo-Küchen in Berlin geschlossen

Das Catering-Unternehmen Sodexo will die Berliner Schulen und Kitas jedoch künftig wieder mit Essen beliefern. „Wir haben keine Bedenken, ab Montag wieder Essen auszugeben“, sagte Sodexo-Sprecher Stephan Dürholt Morgenpost Online. Sämtliche Großküchen seien bereits desinfiziert worden.

Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung warnt allerdings auch weiterhin vor dem Verzehr des Essens, das Sodexo an rund 400 Einrichtungen in Berlin und Brandenburg ausliefert. In einem Brief an Berliner Schulen und Kitas steht: Auf das Essen von Sodexo solle vorbeugend verzichtet werden – falls es keinen anderen Ersatz gibt, sollten die Eltern ihren Kindern Essen mitgeben. Die Senatsverwaltung verbietet also die Lieferungen nicht, warnt allerdings davor, diese anzunehmen. Nun müssen die Kitas und Schulen entscheiden, ob sie das Essen annehmen oder ablehnen.

Die genaue Ursache der Krankheitsfälle, die mit Kantinenessen in Kindertagesstätten und Schulen in Verbindung gebracht werden, ist unterdessen noch immer unklar. Sodexo hatte alle Kitas und Schulen beliefert, die von dem bislang größten Krankheitsausbruch durch Lebensmittelverzehr in Deutschland betroffen waren. Auf Bitten der Behörden hatten einige Küchen des Unternehmens die Essenslieferungen eingestellt. Mittlerweile dürfe Sodexo seine Menüs aber wieder mit einigen Auflagen, wie etwa dem Verzicht auf Rohkost, in allen Bundesländern ausgeben, so Dürholt.

In Berlin und Brandenburg betreibt Sodexo 14 Küchen. Auf Veranlassung der Aufsichtsämter in den Bezirken sind allerdings zwei dieser Küchen geschlossen: die Großküchen in der Sewanstraße in Lichtenberg und in der Nimrodstraße in Reinickendorf. Ein Termin für die Wiedereröffnung ist nach Angaben des Sodexo-Sprechers noch nicht bekannt. Man sei weiterhin mit den Behörden im Gespräch, aber es sei wenig hilfreich, dass „die Ämter in unterschiedlichen Richtungen unterwegs sind“, so Dürholt. So habe ein Behördenmitarbeiter bereits Tomatenmark als Krankheitsquelle verkündet, eine andere Stelle habe dies jedoch ausgeschlossen.

Höhepunkt der Erkrankungen erreicht

Die Zahl der registrierten Infektionen war bis zum Wochenende in den betroffenen Bundesländern Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt auf 8365 gestiegen, wie das Robert-Koch-Institut in Berlin mitteilte. Der Höhepunkt des Massenausbruchs könnte damit nach Expertenmeinung aber erreicht sein.

Auch nach Einschätzung der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit nimmt die Krankheitswelle ab. Freitagnachmittag sei die Zahl der Nachmeldungen schon rückläufig gewesen. Nur sehr wenige der registrierten 2213 Berliner Betroffenen kamen in Kliniken. Nach Angaben einer Sprecherin der Senatsverwaltung waren es lediglich drei. Am Sonntag wurden keine eventuellen Neuerkrankungen erfasst, da die auch während der Herbstferien geöffneten Kitas und Schulhorte erst am Montag wieder in Betrieb seien.