Nach der Magen-Darm-Erkrankungswelle bei Kindern wird in den meisten Küchen des Caterers Sodexo am Montag wieder Kantinen-Essen produziert. Nur in Berlin bleiben auf Wunsch des Senats zwei Küchen geschlossen, wie Unternehmenssprecher Stephan Dürholt am Sonntag sagte. „Die Herbstferien dort entschärfen die Situation für uns allerdings etwas.“ Betroffen sind die Großküchen in der Sewanstraße in Lichtenberg und in der Nimrodstraße in Reinickendorf. Das Unternehmen hat in der Region Berlin/Brandenburg allerdings 14 Küchen.

Während es von Sodexo noch am Freitag hieß, das Unternehmen sehe sich nicht für die Erkrankungswelle verantwortlich, sagte Dürholt nun: „Es hat sich mittlerweile herausgestellt, dass, soweit wir es alle wissen, tatsächlich nur Kinder betroffen sind, die von uns beliefert worden sind.“ Dementsprechend intensiv seien die internen Untersuchungen.

„Wir haben einige Dinge verändert; etwa unsere gesamten Küchen grundsätzlich desinfiziert. Wir haben eine sehr, sehr große, fast schon detektivische Kette in Gang gesetzt – um sämtliche Unterlagen, Lieferscheine und Lieferwege zu untersuchen und wirklich alles auszuschließen“, sagte Dürholt.

Mit den Behörden gemeinsam sei eines schon festgestellt worden: „An unseren Produktionsprozessen und hygienischen Arbeitsweisen liegt es nicht. Da ist überhaupt nichts beanstandet worden – und wir sind sehr, sehr intensiv untersucht worden.“ Wenn die Erkrankungswelle tatsächlich mit den Essenslieferungen im Zusammenhang stehe, sei davon auszugehen, dass es an einem zugelieferten Produkt liege.

Krankheitswelle ebbt ab

Nach Mahlzeiten in Schulen und Kindertagesstätten waren mit Stand vom Sonntag mindestens 8365 Jugendliche und Kinder sowie einige Erwachsene in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erkrankt. Die Ursachen der Erkrankungen sind aber noch nicht geklärt.

Mit 2800 Fällen wurden die meisten Erkrankungen in Sachsen registriert, wo am Montag 19 vorübergehend geschlossene Schulen wieder geöffnet werden. 2415 Fälle waren im Land Brandenburg gemeldet, 2213 laut RKI in Berlin, 887 in Thüringen, 50 in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern kein Fall.

Die Welle der Brechdurchfall-Erkrankungen ebbt allerdings ab. Das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtete am Sonntag, der Höhepunkt der gemeldeten Fälle sei bereits am vergangenen Mittwoch und Donnerstag erreicht worden.

Das für Ernährung zuständige Bundesministerium geht davon aus, dass es „nach den vorliegenden Zahlen deutliche Anzeichen für Entspannung gibt.“ Dies sagte Ministeriumssprecher Holger Eichele. Betroffen waren 342 Schulen und Kindergärten.

Task-Force eingerichtet

Die Experten der eigens eingerichteten Task-Force untersuchten vor allem Proben von Essenslieferanten, prüften die Speisepläne und Lieferwege und werteten Laborergebnisse aus. Dabei gab es am Wochenende erste Anhaltspunkte: In Sachsen und Thüringen wurde das hochansteckende Norovirus in einigen Fällen als Erreger nachgewiesen. Es führt zu Durchfall und Erbrechen und geht oft mit Schmerzen, Übelkeit und Fieber einher.

Im Verdacht haben die Gesundheitsbehörden auch die Bakterienart Bacillus cereus, wie Jürgen Ziegenfuß, Abteilungsleiter im Landesamt für Lebensmittelsicherheit in Thüringen, sagte. Das Bakterium bildet Gifte (Toxine) aus, die hitzebeständig sind. In Thüringen wurde der Erreger seit Ausbruch der Krankheitswelle in zwei Laborproben nachgewiesen. „Für eine belastbare Aussage ist das aber zu dünn“, sagte Ziegenfuß am Sonntag.

Das RKI berichtete, als „mögliche Auslöser sind Norovirus oder Toxine von toxinbildenden Bakterien (z.B.: Staphylococcus aureus, Bacillus cereus, Clostridium perfringens) in Betracht zu ziehen.“ Human- und Lebensmittelproben würden weiter untersucht.

Der Verlauf der meisten Erkrankungen sei „kurz und unkompliziert“, berichtete das RKI. „Es besteht kein Hinweis auf eine nennenswerte Anzahl von Sekundärinfektionen.“ Deshalb gehen die Behörden davon aus, dass die Erkrankungen zumeist nicht ansteckend sind. Bisher mussten 23 Personen stationär in eine Klinik.

dpa/sei