Nach den massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen von 8356 Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland ist jetzt das hochansteckende Norovirus nachgewiesen worden. In Sachsen sind 16 Fälle bekannt geworden, in Thüringen bislang sieben.

Das teilten das Dresdner Sozialministerium und das Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz in Thüringen am Sonnabend mit. Die Thüringer Behörden gehen davon aus, dass es noch andere Ursachen für die gehäuften Erkrankungen geben muss. Das Robert Koch-Institut (RKI) wollte dazu keine Einschätzung geben. „Wir müssen nicht jedes Laborergebnis kommentieren“, sagte Sprecherin Susanne Glasmacher in Berlin.

Von der Erkrankungswelle sind in fünf ostdeutschen Bundesländern fast 7000 Schüler und Kindergartenkinder sowie einige Pädagogen betroffen. Die Einrichtungen wurden alle von demselben Caterer beliefert. In den meisten Fällen verlief die Krankheit ohne größere Komplikationen. Nur wenige Patienten mussten stationär behandelt werden. Das Norovirus führt zu Durchfall und Erbrechen und geht oft mit Schmerzen, Übelkeit und Fieber einher.

Eine Expertengruppe von Bund und Ländern sucht unterdessen weiter nach dem Auslöser der Epidemie. Einen gesicherten Nachweis eines Erregers gebe es noch nicht, sagte der Sprecher des Bundesverbraucherministeriums, Holger Eichele.

Zahl der Fälle in Berlin leicht gestiegen

Die Zahl der gemeldeten Fälle bei Kindern und Jugendlichen, die in Berlin an akutem Brechdurchfall erkrankt sind, hat sich laut Berliner Senat im Laufe des Freitags leicht auf 2213 Fälle erhöht. Bei den 37 hinzu gekommenen Fällen handelt es sich ausschließlich um Nachmeldungen von Erkrankungen des vergangenen Donnerstags, hieß es weiter. Betroffen seien die bereits bekannten 82 Einrichtungen, davon 58 Schulen, 22 Kitas und zwei weitere Einrichtungen. Die Bezirke Spandau und Neukölln seien nach wie vor nicht betroffen.

Die gemeldeten Krankheitsverläufe seien weiterhin leicht, teilte der Senat mit. Im Regelfall sei eine Genesung binnen ein bis zwei Tage erfolgt. Sekundärinfektionen seien bislang nicht beobachtet worden, so dass aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse davon ausgegangen werde, dass keine Ansteckungsgefahr von den Erkrankten ausgeht.

Berliner Labor-Ergebnisse erst am Montag

In Berlin dauert die Suche nach dem Auslöser derweil noch an. Im Landeslabor Berlin-Brandenburg etwa würden am Sonnabend und Sonntag Proben ausgewertet, sagte Berlin Gesundheitsstaatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) am Sonnabend im RBB-Inforadio. Untersucht werden müssten 37 Lebensmittel- und 30 Tupferproben, fügte die Staatssekretärin hinzu. Mit Ergebnissen sei erst Anfang der Woche zu rechnen.

Da alle in Berlin betroffenen Kitas und Schulen von dem unter Verdacht stehenden Caterer beliefert worden seien, liege es nahe, dass der Ausbruch der Krankheit „lebensmittelbedingt“ sei, fügte Demirbüken-Wegner hinzu. Es gelte aber, die Laborergebnisse abzuwarten.

Feuerwehr meldet Verdachtsfälle

Bei der Berliner Feuerwehr sind unterdessen alle Wachen von der medizinischen Leitung angewiesen worden, neue Verdachtsfälle und Einlieferungen in Kliniken durch die Rettungsdienste zu melden. Nach Angaben der Feuerwehrleitzentrale sind aber weder am Freitag noch in der Nacht und am Sonnabendvormittag weitere Fälle bekannt geworden.

In ganz Deutschland wurden bislang rund 7000 Krankheitsfälle gemeldet, davon in Berlin etwa 2200 und in Brandenburg rund 1700. Um die Aufklärung voranzutreiben, haben der Bund und die betroffenen Länder eine gemeinsame Ermittlungsgruppe gebildet.

Unter Leitung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurde eine Bund-Länder-„Task-Force“ eingerichtet, die mit den Gesundheitsbehörden die Aufklärung vorantreiben will. Das Bundesernährungsministerium hat einen internen Krisenstab eingerichtet. Die Aufklärung der Waren- und Lieferströme möglicherweise betroffener Lebensmittel werde auch über das Wochenende mit Hochdruck fortgesetzt, hieß es.

Die Berliner Gesundheitsämter beraten Betroffene auch am Wochenende. Eine Übersicht mit allen Telefonnummern:

Charlottenburg-Wilmersdorf: +49 (172) 3630 380 und +49 30 9029 16 0 20

Friedrichshain-Kreuzberg: +49 (30) 9029 8836 8

Lichtenberg: +49 (175) 2674 353

Marzahn-Hellersdorf: +49 (30) 9029 3363 1

Mitte: +49 (30) 9018 3320 8

Neukölln: +49 (30) 9023 9128 0

Pankow: +49 (30) 9029 5286 2

Reinickendorf: +49 (30) 9029 4505 6

Spandau: +49 (30) 9027 9403 1

Steglitz-Zehlendorf: +49 (30) 9029-9362 4

Tempelhof-Schöneberg: +49 (170) 5655 142

Treptow-Köpenick: +49 (30) 9029 7475 4

dapd/dpa/bee