Nach den Magen-Darm-Erkrankungen mehrerer Tausend Schüler, darunter etwa 600 in Berlin, tappen die Behörden weiter im Dunkeln. Es sei noch nicht bekannt, was die Durchfallerkrankungen verursacht habe, sagte der Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Jürgen Thier-Kundke, am Freitag. Es lägen noch keine Untersuchungsergebnisse vor. Für die Vermutung, dass das Schulessen für die Erkrankungen verantwortlich sei, gebe es „noch keine konkreten Beweise“, betonte Thier-Kundke.

Mehr als 4000 Schülern in Sachsen, Thüringen, Berlin und Brandenburg sind erkrankt. Es besteht der Verdacht auf Noroviren. Viele Schulen blieben vorsichtshalber geschlossen.

In Berlin sind nach Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung von Freitagvormittag aus bislang fünf Bezirken rund 600 Erkrankungsfälle gemeldet worden. Dabei handelt es sich um Reinickendorf, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf. Vorsorglich seien alle 39 Berliner Aufnahmekrankenhäuser und der Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr von der Senatsgesundheitsverwaltung über das Geschehen informiert worden. In Brandenburg sind rund 1100 Kinder erkrankt.

Betroffene haben Erbrechen und Durchfall

Das in Rüsselsheim ansässige Catering-Unternehmen Sodexo wies den Vorwurf zurück, dass verunreinigtes oder verdorbenes Essen die Krankheitsfälle hervorrief. „Weniger als fünf Prozent der insgesamt von uns belieferten Schulen sind von den Erkrankungen betroffen“, sagte Sodexo-Sprecher Stephan Dürholt am Freitag. Die Firma beliefert einen Großteil der Schulen mit Essen, an denen Kinder derzeit unter schweren Magen-Darm-Erkrankungen leiden. Erste Ergebnisse aus Labors, die Lebensmittelproben untersuchen, sollten am Freitagmittag vorliegen.

Die Betroffenen litten unter Erbrechen und Durchfall. Einige von ihnen mussten stationär behandelt werden. Berichte, wonach auch in Sachsen-Anhalt eine Häufung von Magen-Darm-Krankheiten bei Schulkindern aufgetreten sei, wies das Gesundheitsministerium des Landes am Freitag zurück. „Uns sind bisher keine Fälle bekannt“, sagte ein Sprecher.

Die bislang gemeldeten Erkrankungen verliefen laut RKI weitgehend glimpflich. Bei einzelnen Betroffenen sei das Norovirus nachgewiesen worden. Inzwischen ist auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eingeschaltet. Einem Sprecher zufolge verschafft sich die Behörde gegenwärtig einen Überblick.

Caterer verschärft Hygienemaßnahmen

Den Angaben des sächsischen Gesundheitsministeriums zufolge ist mit einer bundesweiten Ausbreitung zu rechnen. In Chemnitz seien inzwischen vorsorglich zwei Gymnasien geschlossen worden, in denen sich Krankheitsfälle häuften. Nun werde geprüft, an welche Einrichtungen das Essen geliefert wurde. Auch in Brandenburg fiel in einigen Schulen des Landes am Freitag der Unterricht aus. Alle betroffenen Einrichtungen wurden offensichtlich von der Firma Sodexo beliefert.

Es liege nahe, dass es sich um eine lebensmittelbedingte Erkrankung handele, sagte die RKI-Sprecherin. Sodexo-Sprecher Stephan Dürholt wies dies zurück. „Wir vermuten, dass es sich um eine Noro-Virus-Welle handelt, mit der wir nichts zu tun haben“, betonte er. „Der Grund dafür, dass fast alle Kinder Essen aus unseren Küchen gegessen haben, ist einfach, dass wir gerade in Deutschland sehr viele Schulen beliefern. Wir hoffen, dass es allen Kindern ganz schnell wieder besser geht.“ Das Unternehmen kündigte umfangreiche Laboruntersuchungen und verschärfte Hygiene-Maßnahmen an.

Behörden ordnen Desinfektion der Produktionsstätte an

Zuvor hatte das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen mitgeteilt, dass am Dienstag – als das womöglich kontaminierte Essen ausgeliefert wurde – drei bis vier Menüs auf dem Speiseplan des im Verdacht stehenden Unternehmens aufgeführt gewesen seien. Welches davon die Erkrankungen verursacht habe, sei noch unklar. Es handele sich offenbar um eine einmalige Verunreinigung.

Die Behörden haben allerdings bereits eine zusätzliche Reinigung und Desinfektion der Produktionsstätte angeordnet, wie es weiter hieß. Zudem seien amtliche Lebensmittelproben der Menüs sowie Proben aus dem Unternehmen dem Thüringer Landesamt für Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz in Bad Langensalza zur Untersuchung übergeben worden. Diese werden nun auf mögliche Krankheitserreger untersucht. Die Ergebnisse wurden für Freitagmittag erwartet.

dpa/dapd/sei