Die Berliner gehen optimistisch in die Zukunft. Bei einer repräsentativen Umfrage für den „Glücksatlas“ gab ein Drittel der Befragten an, dass es ihnen in den nächsten fünf Jahren besser oder viel besser gehen wird. 47 Prozent der Befragten glauben, dass es ihnen ähnlich gut geht wie jetzt. Nur 15 Prozent glauben, dass es ihnen in den nächsten fünf Jahren schlechter oder viel schlechter gehen wird.

Die Untersuchung zum „Glücklichsein“ basiert auf den Daten des sozio-ökonomischen Panels, das seit 1984 regelmäßig rund 11.000 Haushalte befragt, einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vom Frühjahr 2012 sowie einer Befragung von TNS Emnid in 13 deutschen Großstädten unter 3900 jeweils repräsentativ ausgesuchten Bewohnern. Auftraggeber ist die Deutsche Post.

Vergleich von 13 Großstädten

Die Studie umfasst 13 Großstädte und 19 Regionen. Im direkten Vergleich schätzen die Berliner das Freizeit- und Kulturangebot, schlechter schneiden die Themen Haushalt, öffentliche Verwaltung und allgemeine Sicherheitslage ab.

73 Prozent der Berliner sagten, dass sie insgesamt zufrieden mit dem Leben in der Hauptstadt seien. So wie die Freundinnen Franzi Fahr, Studentin, und Julia Rudolf, Modejournalistin. Sie sitzen auf der Wiese im Volkspark Friedrichshain und genießen die warme Spätsommersonne.

Sie sind glücklich mit sich und ihrem Leben. „Berlin mit den vielen grünen Parks ist ein wunderbarer Ort zum Leben, Lieben und Arbeiten“ – das sagen nicht nur die beiden jungen Frauen. Die Naherholungsmöglichkeiten finden laut Studie 77 Prozent der Berliner besonders gut. Auch das Kulturangebot ist mit einem Zufriedenheitswert von 85 Prozent deutlich besser als der Bundesdurchschnitt.

Allerdings gibt es auch Kritikpunkte. Unzufrieden sind die Berliner mit der Qualität der öffentlichen Verwaltung und der schwierigen Haushalts- und Finanzlage. Weitere Hemmnisse auf dem Weg zum Glück sind außerdem vor allem das fehlende Zusammengehörigkeitsgefühl.

Hamburger am zufriedensten

Außerdem glauben viele Berliner, in ihrer Stadt nicht sicher zu sein. Nur 84 Prozent fühlen sich bei diesem Punkt an der Spree gut aufgehoben – und damit deutlich weniger als der Bundesdurchschnitt von 91,4 Prozent.

Im Vergleich mit anderen Großstädten liegt die Hauptstadt mit einem Zufriedenheitswert von 73 Prozent nur auf einem hinteren elften Platz. Bei den westdeutschen Städten sind nur in Köln und Essen die Menschen noch weniger glücklich mit der Lebensqualität, so die Studie.

Am zufriedensten sind im bundesweiten Vergleich die Hamburger. Der Grund dafür ist laut Studie das hohe Einkommensniveau. Doch auch in Düsseldorf und Dresden lebt es sich recht angenehm – diese Städte belegen die Plätze zwei und drei.

Berlin vor Brandenburg

Der Glücksatlas spiegelt auch die persönliche Zufriedenheit im Vergleich mit 18 Regionen. Bei der Frage nach der eigenen Lebensqualität belegt Berlin demnach den 15. von 19 Plätzen.

In Brandenburg sind die Menschen noch weniger zufrieden – und nehmen damit den 17. Platz ein. Auf den letzten Plätzen liegen schließlich Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Die geringste Zufriedenheitswertung – im Vergleich zu Restdeutschland – gibt es beim Familienleben und der persönlichen Gesundheit. Auffällig ist auch ein soziales Problem: Die Berliner vertrauen mit 57 Prozent ihren Mitmenschen weniger als der Durchschnittsdeutsche mit 58, 8 Prozent.

Gleichzeitig interessieren sich die Berliner aber überdurchschnittlich mit 48 Prozent für die Politik. Die Arbeitszufriedenheit liegt dagegen fast auf dem Niveau des Bundesdurchschnitts – und das, obwohl es überdurchschnittlich viele Beschäftigte mit geringem Einkommen gibt.

Wirtschaftlicher Erfolg mach zufrieden

Ein möglicher Grund: Laut Studie verzeichnet Berlin trotz aller strukturellen Probleme in den vergangenen Jahren einen signifikanten Beschäftigungszuwachs.

Der anhaltende wirtschaftliche Erfolg Deutschlands und auch Berlins ist nach Angaben des Freiburger Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen, der die Studie mit erstellt hat, auch einer der Gründe für die anhaltende Zufriedenheit der Menschen trotz der Unsicherheiten durch die Euro-Krise.

Mit dem Durchschnittswert von sieben Punkten liegt Deutschland im internationalen Vergleich im oberen Drittel, während in den von der Krise besonders betroffenen Ländern Griechenland, Spanien und Portugal die Lebenszufriedenheit gesunken sei, führte der Wissenschaftler von der Universität Freiburg aus.

Die wichtigsten Glücksbringer in Deutschland seien aber Gesundheit, Partnerschaft und der Kontakt zu Freunden. Beim Vertrauen in die Demokratie liegen die Zufriedenheitswerte der Menschen hingegen unterhalb jener der allgemeinen Lebenszufriedenheit.