Monika Lüke

Frühere Amnesty-Chefin ist Berlins Integrationsbeauftragte

„Fürsprecherin“ – das will Berlins neue Integrationsbeauftragte für Migranten sein. Sie will aber auch kritische Themen ansprechen.

Der Berliner Senat hat Monika Lüke als neue Integrationsbeauftragte ernannt. Die frühere Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland werde eine gute Ansprechpartnerin für die Menschen mit ausländischen Wurzeln sein, sagte die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat (SPD), am Dienstag. Die 43-Jährige werde zudem Fragen der Integration, Partizipation und Flüchtlingsfragen voranbringen. Wegen anderer Verpflichtungen werde Lüke ihr Amt erst zum 1. November antreten.

Lüke sagte, sie verstehe ihre Rolle als „Fürsprecherin“ der hier lebenden Migranten. Dabei werde sie auch kritische Themen in der Integrationspolitik ansprechen. Zudem wolle sie als Türöffnerin agieren, damit mehr Menschen aus dem Ausland nach Berlin kommen und bleiben könnten. So müssten etwa bessere Strukturen in der Ausländerbehörde und den Bezirken geschaffen werden.

Lüke tritt die Nachfolge von Günter Piening an, der den Posten Ende Juni nach neun Jahren aufgegeben hatte. Ihre Ernennung hatte im Vorfeld für Verstimmungen im Landesbeirat für Integration gesorgt, weil sich die Interessenvertreter übergangen fühlten.

Kolat betonte, dass der Beirat laut Gesetz kein Mitspracherecht habe. Um Missverständnisse auszuräumen, werde es an diesem Freitag ein Treffen geben. Dabei soll Lüke auch vorgestellt werden. Bei einer vorangegangenen Anhörung waren die meisten Vertreter nicht gekommen.

Um ressortübergreifend gestalten zu können, werde Lüke auch als Abteilungsleiterin für Integration in ihrer Behörde arbeiten. „Das ist eine Querschnittsaufgabe“, sagte die Senatorin. So werde sich Lüke besonders um die Themen Bildung, Gesundheit oder Wirtschaft kümmern. Die Doppelfunktion habe sich bereits unter Piening bewährt, der etwa an einem Arbeitsmarktkonzept für Migranten mitgewirkt habe.

Anders als ihr Vorgänger habe sie keine Bedenken, ihre Aufgabe unter einem rot-schwarzen Senat wahrzunehmen, sagte Lüke. Piening hatte seinen Rücktritt damit begründet, dass er Differenzen bei der Integrationspolitik unter einer Koalition aus SPD und CDU befürchte.

„Mich beschäftigt derzeit vor allem das Schicksal der älteren Migranten“, sagte Lüke zu ihren Zielen. Dabei ginge es etwa um Fragen der Pflege. „In Friedrichshain, Kreuzberg und Mitte sind mittlerweile 30 Prozent der Migranten über 55 Jahre alt.“

Die 43-Jährige habe sich im Auswahlverfahren aufgrund ihrer Kompetenz und Erfahrungen gegen 62 weitere Bewerber durchgesetzt, so Kolat. Lüke war zuvor auch für die Evangelische Kirche in Deutschland sowie die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit tätig.