Das Berliner Kunsthaus Tacheles ist Geschichte. Nach mehrjährigem Tauziehen haben die verbliebenen Besetzer am Dienstagmorgen dem Zwangsverwalter die Schüssel übergeben. Zur Übergabe gegen 8 Uhr hatten sich rund 60 Künstler und Sympathisanten vor der Kunstruine versammelt, hinzu kamen fast genau so viele Medienvertreter.
Wie bereits zuvor von den Tacheles-Künstlern angekündigt, blieb es friedlich. Auch der Verkehr an der Oranienburger Straße war nicht beeinträchtigt. Man wolle die Berliner Polizisten nicht zum Prügelknaben machen für Versäumnisse der Politik und der Juristen, hieß es. Die Polizei war mit rund 50 Einsatzkräften vor Ort.
„Berlin hat heute verloren“, sagt Martin Reiter, der Sprecher der Tacheles-Künstler, in einer kurzen Ansprache vor dem Haus. Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit legte er den Rücktritt nahe. Die Künstler hatten nach Androhung der Zwangsräumung durch den Eigentümer HSH Nordbank Wowereit mehrfach aufgefordert, sich für den Erhalt des Tacheles einzusetzen.
Der Schließung vorausgegangen war ein jahrelanges Tauziehen, das einerseits mit Ablösegeldern für Nutzer befriedet, andererseits mit weiteren Besetzungen durch Künstler forciert wurde. Die Ateliers der verbliebenen Tacheles-Künstler sollen nun am 14. September im Neuköllner Club „Cube“ in der Rollbergstraße neu eröffnen.
Künstler hatten die Ruine 1990 vor dem Abriss bewahrt und dort ihre Ateliers eingerichtet. Das Tacheles wurde weltbekannt, fehlte bald in keinem Reiseführer mehr. Das Haus war 1909 als Einkaufspassage errichtet worden. Später nutzten es über die Zeiten die Firma AEG, die NSDAP und der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund. Seit 1998 gehörte es einer Tochter der Fundus-Gruppe. Gläubiger der inzwischen insolventen Fundus-Tochter ist die HSH Nordbank.
BMO/ap/plet














