Rückgang

Nur 61 Berliner haben im vergangenen Jahr Organe gespendet

2011 ist die Zahl der Organspender auf 61 zurückgegangen. 1050 Berliner warten derzeit auf eine lebenswichtige Transplantation.

Foto: Reto Klar

In Berlin werden immer weniger Organe gespendet. Im Jahr 2011 stellten nur noch 61 Berliner nach ihrem Tod die Organe für Transplantationen bereit, im Jahr davor waren es noch zehn mehr. Dagegen warten 1050 Berliner auf eine Organspende. „Leider geht die Spendenbereitschaft in den letzten Jahren zurück“, sagt Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) im Interview mit Morgenpost Online. „Die Missbrauchsfälle in Göttingen und Regensburg tragen natürlich auch dazu bei, dass das Misstrauen bei den Menschen wächst.“

Den 61 Spendern wurden im vergangenen Jahr insgesamt 207 Organe entnommen, 102 Nieren, 57 Lebern, 21 Herzen, 20 Lungen und sieben Bauchspeicheldrüsen. Die Ursachen für den Rückgang führen Experten auf eine verbesserte medizinische Versorgung zurück. „Die Zahl der Unfalltoten ist in Berlin extrem niedrig“, sagt der ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei. Außerdem hätten sich die Therapieverfahren bei Schlaganfall und Hirnblutung in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Einen wichtigen Grund stellt nach Ansicht Freis auch die hohe Ablehnungsquote der Angehörigen dar, die nach dem Tod eines Patienten über die Organspende entscheiden müssen, wenn sich der Verstorbene nicht zuvor zur Spende bekannt hat. „40 bis 50 Prozent der Angehörigen lehnen eine Organspende ab“, sagt Frei.

Deswegen unterstützen die Berliner Transplantationszentren die Aktion der Bundesregierung, ab November alle Krankenversicherten anzuschreiben und auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen. „In erster Linie geht es darum, die Angehörigen zu entlasten“, sagt Frei. Nach dem Willen der Bundesregierung soll sich jeder Erwachsene ein Mal pro Jahr mit dem Thema befassen. „Ich finde es wichtig, dass jeder Einzelne für sich die Möglichkeit hat, darüber zu Hause nachzudenken“, sagt Gesundheitssenator Czaja. „Und wenn die Entscheidung in dem einen Jahr noch zu schwer fällt, dann ist es gut, dass die Krankenkassen in regelmäßigen Abständen erneut informieren.“

Informationen zum Organspendeausweis

Berlin wird die Aktion des Bundes gezielt unterstützen. Im vergangenen Jahr gab es dazu eine Kooperation mit dem Landessportbund, in diesem Jahr will der Senat gezielt Menschen mit türkischen Wurzeln ansprechen. „Die Aufklärung spielt natürlich eine zentrale Rolle bei dieser wichtigen Frage“, sagte Czaja. „Allerdings erfordert die Entscheidung, ob jemand Organspender sein möchte oder nicht, auch die Bereitschaft, sich mit der eigenen Endlichkeit zu befassen.“

Jeder hat die Möglichkeit, sich jederzeit einen Organspendeausweis auszustellen. Informationen darüber gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, im Internet (www.organspendeausweis.org) oder unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 90 40 400. Es besteht die Möglichkeit, der Organ- und Gewebespende generell zuzustimmen, mit Einschränkungen, oder sich dagegen auszusprechen. Bei einer generellen Zustimmung können neben den Organen auch Gewebe wie Herzklappen, Hornhaut, Haut oder Knochen entnommen werden.

Im Juli hatte der Skandal um manipulierte Organvergaben in Göttingen und Regensburg die Transplantationspraxis in Verruf gebracht. In Berlin gab es nach Angaben der Gesundheitsverwaltung bei Nachprüfungen keine derartigen Verdachtsfälle. Um das Vertrauen in die Transplantationsmedizin wiederherzustellen, will Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ein Register für Transplantationsärzte schaffen, die durch Verstöße aufgefallen sind. „Mir ist wichtig, dass Ärzte, die erwiesenermaßen gegen Gesetze oder Regeln verstoßen haben, die Konsequenzen zu spüren bekommen“, sagte Bahr dem Magazin „Der Spiegel“.