Nach der Attacke auf einen Rabbiner in Berlin wollen mehrere Organisationen am Sonntag um 12 Uhr in Friedenau ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Man verurteile die Tat aufs Schärfste, teilten die Veranstalter mit. Mit einer Kundgebung nahe des Tatortes solle deshalb für ein friedliches Miteinander geworben werden.

Unter anderem soll bei der Veranstaltung ein großes Banner aufgestellt werden, auf dem die Teilnehmer unterschreiben und damit ihre Solidarität mit den Opfern bekunden können.

Organisiert wird die Kundgebung auf dem Grazer Platz von der SPD Friedenau und der Evangelischen Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde. Die Veranstalter rechnen mit 500 Teilnehmern. Auch Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) hat ihr Kommen zugesagt.

Der Rabbiner war am Dienstagabend von Jugendlichen vermutlich arabischer Herkunft angegriffen und schwer verletzt, seiner siebenjährige Tochter war mit dem Tode bedroht worden. Die Suche nach den Tätern dauert laut Polizei an.

„Nicht dem antisemitischen Terror beugen”

Unterdessen spricht sich der Zentralrat der Juden in Deutschland vehement gegen ein Kippa-Verzicht in der Öffentlichkeit aus. Der Generalsekretär des Zentralrates, Stephan Kramer, sagte der „Passauer Neuen Presse“, die Juden würden sich nicht „vor diesem antisemitischen Terror auf deutschen Straßen“ beugen, „egal, ob es radikale Muslime oder Neonazis sind, die uns und damit die Gesellschaft bedrohen“.

Es sei Aufgabe von Sicherheitsbehörden und Gesellschaft, sich dem Terror entgegenzustellen, sagte Kramer. Strafen sollten schneller ausgesprochen und vollstreckt werden.

Die Jüdische Gemeinde Berlin wie auch das Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg sprachen sich hingegen für den Verzicht etwa auf die traditionelle jüdische Kopfbedeckung aus: „Reinen Herzens kann ich deshalb nicht empfehlen, mit einer Kippa durch Berlin zu laufen“, sagte der Gemeindevorsitzende Gideon Joffe. Der Rektor des Rabbinerkollegs, Walter Homolka, erklärte, seinen Studenten sei geraten worden, auf der Straße eine unauffällige Kopfbedeckung zu wählen.

Keine Hinweise auf die Täter

Der überfallene Geistliche Daniel Alter war Absolvent des Geiger-Kollegs und gehörte 2006 zu den drei ersten in Deutschland nach dem Holocaust ordinierten Rabbinern. Er war am Dienstagabend im Beisein seiner sechsjährigen Tochter von mehreren mutmaßlich arabischstämmigen Jugendlichen zusammengeschlagen worden. Medienberichten zufolge trug er über der Kippa ein Basecap, das aber offensichtlich verrutschte.

Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft gab es bis zum Freitagnachmittag keine weiteren Hinweise auf die Täter und ihre Identität.

Bei dem Angriff erlitt der Geistliche einen Jochbeinbruch und wurde am Donnerstag operiert. In Friedenau, wo die Familie des Rabbiners zuhause ist, hat sich inzwischen eine Bürgerinitiative gegründet, die zur Solidarität mit dem Geistlichen aufgerufen hat und gegen Gewalt vorgehen will.

Graumann fordert mehr Engagement gegen Antisemitismus

In der Rostocker „Ostsee-Zeitung“ unterstrich Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) die Aufgabe der Politik, das friedliche Zusammenleben von Religionen zu ermöglichen. Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge sprach sich für eine Verstärkung des interreligiösen Gesprächs aus. Gleichzeitig lobte er den Zentralrat der Muslime für dessen klare Distanzierung. Damit werde kein Zweifel gelassen, „dass Gewalt sich nicht auf einen Glauben an Gott berufen kann“, sagte er dem EPD.

Zentralratspräsident Graumann forderte hingegen die muslimischen Verbände zu mehr Engagement gegen Antisemitismus auf: „Worte des Mitgefühls sind schön und ehrlich gemeint. Aber Taten wären auch wichtig.“

epd/dapd/bee