Brandschutz-Mängel

Senat und Bezirke versäumen Schul-Sanierungen

An vielen Schulen in Berlin gibt es Mängel beim Brandschutz. Doch um diese zu beseitigen, wären rund 20 Millionen Euro nötig.

Foto: Michael Brunner

Brandschutz für Schulen ist teuer. So müssen etwa in Pankow noch rund 9,47 Millionen Euro ausgegeben werden, um den Standards der Brandsicherheit gerecht zu werden. Bildungsstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) erklärt den hohen Kostenaufwand unter anderem damit, dass viele alte Schulgebäude im Bezirk unter Denkmalschutz stehen und somit „jede neue Brandschutztür besonders teuer“ sei.

Das Pankower Carl-von-Ossietzky-Gymnasium ist so ein Fall. Dort fehlen laut Schulleiter Bernd Schönenberger noch etliche Brandschutztüren. „Da redet aber der Denkmalschutz mit, deshalb sind die Kosten für diese Türen sehr hoch“, sagt der Schulleiter. Er sei froh, dass es in einem Flügel der Schule bereits vollständig neue Türen gebe. Auch eine neue Alarmanlage habe die Schule inzwischen.

Noch teurer als die Brandschutztüren sei allerdings die Löschwassereinspeisung für die Feuerwehr. Diese Leitung müsse im Treppenhaus der Schule verlegt werden. Doch dafür sei zurzeit kein Geld da.

Die Ossietzky-Schule ist kein Einzelfall. Wie aus der Beantwortung einer kleinen Anfrage des grünen Politikers Özcan Mutlu hervorgeht, sind an sehr vielen Berliner Schulen Brandschutzmängel zu verzeichnen. Für deren Beseitigung sind nach Angaben der Bezirke rund 20 Millionen nötig.

Verheerende Folgen

Viel mehr Geld für Brandschutzmaßnahmen braucht beispielsweise auch die beliebte Spandauer Martin-Buber-Sekundarschule. Schulleiter Lutz Kreklau sagt, dass sie als Schule mit künstlerischem Profil großen Wert auf die Gestaltung der Schulflure legen würden. „Ein Bilderrahmen, der den neuesten Sicherheitsstandards entspricht, kostet aber das Fünffache von dem eines normalen Rahmens.“ Für fünf solcher Rahmen habe er kürzlich rund 1000 Euro ausgeben müssen. Auch die sachgerechte Lagerung der Theaterkulissen und Kostüme sei ein Problem, sagt Kreklau. „Es gibt natürlich Spezialschränke dafür, doch die können wir uns finanziell gar nicht leisten.“

An der Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule in Neukölln ist kürzlich ein solcher Spezialschrank für Chemikalien angeschafft worden. „Der Bezirk hat uns kurzfristig die notwendigen 6000 Euro zur Verfügung gestellt, die ein solcher Schrank kostet“, sagt Schulleiter Robert Giese. Giese kritisiert, dass die Schulen gar nicht genug Geld hätten, um allen EU-Richtlinien in Sachen Brandschutz nachzukommen. Sein Kollege Lutz Kreklau teilt diese Kritik. „Manche Anforderungen sind einfach nicht umzusetzen“, sagt er. So müsste er jedes Jahr alle Kabel prüfen, die es in seiner Schule gibt. „Bei 200 Räumen ist das gar nicht zu leisten.“ Dafür bräuchte er zusätzliches Personal, so Schulleiter Kreklau.

Wie verheerend ein Brand in einer Schule wüten kann, zeigte sich im Februar 2008. Damals war an der Moabiter Gotzkowsky-Grundschule ein Feuer ausgebrochen. Der Brand zerstörte Klassenzimmer in vier Etagen. Dass es in diesem Fall nur bei Sachschäden geblieben ist, hatte damit zu tun, dass der Brand an einem Wochenende ausgebrochen war und sich niemand in dem Schulgebäude befunden hatte.