Halbjahresbilanz

Zahl der Einbrüche in Berlin um 13 Prozent gestiegen

Vor allem Einfamilienhäuser und Villen sind bei den Einbrechern beliebt. Innensenator Frank Henkel kündigt umfangreiche Maßnahmen an.

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Die Kriminalitätsrate in Berlin sinkt, doch besonders bei einem Verbrechen zählt die Polizei immer mehr Fälle: Im ersten Halbjahr 2012 hat es 12,9 Prozent mehr Einbrüche gegeben als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. 5919 Einbrüche in Wohnungen und Einfamilienhäuser hat die Berliner Polizei in der ersten Jahreshälfte registriert, 675 Fälle mehr als im ersten Halbjahr 2011. Und schon die Kriminalstatistik des Vorjahres wies ein dramatisches Plus bei der Zahl der Einbrüche aus.

„Wir beobachten seit einigen Jahren einen signifikanten Anstieg bei Einbrüchen in Wohnungen und Einfamilienhäuser“, sagte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) im Gespräch mit der Morgenpost Online. Besonders drastisch ist nach Angaben Henkels der Anstieg bei der Zahl der Einbrüche in Einfamilienhäuser und Villen. Hier stieg die Fallzahl um 47,2 Prozent an, ein Plus um 391 auf 1219 Fälle. Insgesamt am häufigsten wurde mit 4700 Fällen in der ersten Jahreshälfte in Wohnungen eingebrochen, hier beträgt das Plus allerdings nur 284 Fälle oder 6,4 Prozent. Im Ganzen sei die Kriminalität in Berlin im ersten Halbjahr dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jedoch um 2,7 Prozent zurückgegangen, sagte Henkel.

„Nach unseren Erkenntnissen haben wir es vor allem mit Tätergruppen aus Osteuropa zu tun, die international arbeiten und hoch professionalisiert sind“, sagte Henkel über die Hintergründe der Einbrüche. Die Banden hätten Kontaktpersonen in der Stadt, die Tatgelegenheiten auskundschaften würden. „Dann begehen sie die Straftaten, und sobald sie Beute gemacht haben, sind sie wieder aus Berlin verschwunden“, so Henkel weiter. Die Polizei spricht daher von „reisenden Tätern“. Ihre hohe Mobilität macht es der Polizei so schwer, sie zu fassen.

Aufklärung vor Ort im Kiez

Die Anstrengungen der Strafverfolgungsbehörden müssen nach Ansicht Henkels intensiviert werden. Der Senator widersprach aber dem Eindruck angesichts der immer weiter steigenden Einbruchszahlen, die Polizei sei gegenüber den „reisenden Tätern“ machtlos. Die Polizei solle aber einen weiteren Schwerpunkt ihrer Arbeit dem Thema widmen, sagte Henkel. Der Informationsaustausch der Behörden müsse verbessert werden, auch über die deutschen Grenzen hinaus. „Zudem sind wir dabei, die Kräfte in Polizei und Staatsanwaltschaft zu bündeln.“

Auch aufseiten der Prävention will Henkel künftig stärker ansetzen, damit den Tätern weniger Angriffsfläche geboten wird. Der Senat werde demnächst beschließen, die im Moment kostenpflichtige Präventionsberatung durch die Polizei wieder kostenfrei anzubieten. Das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden, lasse sich durch einfache technische Mittel minimieren. Auch soll es den Berlinern leichter gemacht werden, die Aufklärungsarbeit der Polizei in Anspruch zu nehmen. „Mein Ziel ist es, die Beratung nicht mehr nur zentral anzubieten, sondern gerade mit dem Blick auf ältere Menschen vor Ort in die Kieze zu gehen“, sagte Henkel.

„Risiko gen null“

Eine Arbeitsgruppe von Experten soll außerdem nach „effektiven und bezahlbaren“ Präventionsmaßnahmen suchen. Daran sollen in dem Gremium nach dem Willen des Senators nicht nur Fachleute der Polizei arbeiten, sondern auch Vertreter von Versicherungen, der Justiz und der Forschung. Auch ein neues kriminologisches Forschungsprojekt solle „Impulse für Verbesserungen“ liefern.

Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sind die Ankündigungen Henkels, gerade im Bereich der Präventionsarbeit neue Schwerpunkte zu setzen, „Ausflüchte“. „Die Sparpolitik bei den Sicherheitsaufgaben macht die Polizei immer handlungsunfähiger“, sagte der Berliner GdP-Geschäftsführer Klaus Eisenreich am Sonnabend. So müssten seit Monaten Beamte des Polizeivollzugsdienstes beim Objektschutz aushelfen, anstatt Streife fahren zu können. Die auch für Abschreckung erforderliche Präsenz im Stadtbild könne die Polizei nicht mehr sicherstellen, so Eisenreich. Und wenn ein Einbruch gemeldet werde, dauere es oft zu lang, bis Beamte vor Ort sein könnten. „Die Täter wissen, ihr Risiko entdeckt zu werden, tendiert gen null“, so der Gewerkschafter.