Bereits 70 Fälle

Betrügerische Handwerker in Berlin unterwegs

Dachdeckerkolonnen haben ältere Berliner Hausbesitzer mit vermeintlich günstigen Angeboten betrogen. Erst wollten sie 500, dann 14.000 Euro.

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Mehrere betrügerische Dachdeckerkolonnen sind in Berlin seit Anfang des Jahres unterwegs. In mindestens 70 Fällen standen Handwerker in den vergangenen Monaten unangemeldet vor der Tür, boten sehr günstige Sanierungsarbeiten an, verlangten jedoch nach Abschluss der Arbeiten einen deutlich höheren Preis, wie eine LKA-Sprecherin am Freitag sagte. Die Handwerkskammer Berlin warnt, dass die Betrüger nach den Unwettern der vergangenen Wochen nun noch verstärkt unterwegs sein könnten, um Sturmschäden zu vermeintlichen Schnäppchenangeboten zu reparieren.

„Wir vermuten, dass es sich nicht nur um eine Gruppe handelt“, sagte die LKA-Sprecherin. Die Betrüger seien jedoch meist auf ähnliche Weise vorgegangen. Zunächst klingelte ein einzelner, sehr gepflegt auftretender Mann an der Tür oder sprach den Hausbesitzer direkt im Garten an. Kam ein Vertrag zustande, begannen drei weitere Männer direkt mit den Arbeiten. Die Baumaterialien hatten sie bereits mitgebracht.

Dachdecken für 500 Euro

In einem Fall wurde einem Hauseigentümer so versprochen, das Dach seines Einfamilienhauses für 500 Euro zu decken. Ein schriftlicher Vertrag wurde nicht aufgesetzt. Nach Abschluss der Arbeiten verlangten die Handwerker plötzlich die Summe von 14.000 Euro, wie die Sprecherin berichtete.

Besonders ältere Menschen seien auf diese Weise übers Ohr gehauen worden. Zahlten die Betroffenen nicht, wurde ihnen mit Gewalt gedroht. In manchen Fällen seien die Arbeiter handgreiflich geworden. Durch die Drohungen hätten die Betroffenen meist keinen anderen Ausweg gesehen, als doch noch zu zahlen: „Das ging so weit, dass die Täter den Hauseigentümer selbst zu einem Geldautomaten fuhren, um das Geld dort gleich in Empfang zu nehmen“, berichtete die LKA-Sprecherin. Sie schätzte, dass die Zahl noch viel höher sein könnte, viele Geschädigte sich aber nicht trauen würden, den peinlichen Vorfall zu melden.

Wie ein Sprecher der Berliner Handwerkskammer sagte, sind die reisenden Dachdecker vornehmlich im Sommer unterwegs. Er riet Hausbesitzern, keinen Auftrag spontan an der Haustür zu unterschreiben oder sich durch angeblich neue Technologien oder vermeintlich günstige Preise blenden zu lassen.