Der Mordfall Christin R. aus Berlin-Lübars nimmt immer grausamere Ausmaße an. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, wurde bereits am Dienstag auch die Mutter des Ex-Freundes und mutmaßlichen Auftraggebers Robin H. in Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern) an ihrem Arbeitsplatz verhaftet. Die 55 Jahre alte Bankangestellte sei dringend verdächtig, Christin R. bereits am 9. April mit einem Messer angegriffen und am Rücken verletzt zu haben, weil sie die Pferdewirtin töten wollte, so Polizei und Staatsanwaltschaft. Außerdem soll sie in die Pläne zur Ermordung der 21-Jährigen eingebunden gewesen sein.
Demnach soll die Mutter des Ex-Freundes im gemeinsamen Wohnhaus im brandenburgischen Friesack (Havelland) dem Opfer ein langes Messer in den Rücken gestochen haben. Laut einem Polizeisprecher lieferten sich die beiden Frauen im Anschluss einen blutigen Kampf, den die Ältere schließlich aufgab. Die junge Frau kam mit Schnittverletzungen auf eine Intensivstation. Die 55-Jährige habe damals angegeben, einen Blackout gehabt zu haben.
Das Tatmotiv war jedoch offenbar Geld. Laut den Ermittlern waren bereits zum damaligen Zeitpunkt insgesamt sieben Lebensversicherungen auf Christin R. abgeschlossen worden. Das Geld - insgesamt etwa 2,1 Millionen Euro - wäre im Fall ihres Todes an Robin H. ausgezahlt worden. Bislang war nur eine Lebensversicherung in Höhe von 245.000 Euro bekannt. Nach der Messerattacke im April war die Polizei noch nicht von einem Mordmotiv ausgegangen, weil sie damals noch nichts von den Lebensversicherungen wusste. Mit dem Geld wollte Robin H. sich offenbar einen eigenen Reiterhof aufbauen.
Ein Auftragsmörder für 1000 Euro
Der 23-jährige Robin H. sitzt bereits in Untersuchungshaft. Nachdem ein weiterer Mordanschlag mit K.o.-Tropfen fehlgeschlagen war, soll er für 1000 Euro einen Mörder angeheuert haben. Den Ermittlungen zufolge soll er die 21-Jährige zum Tatort gelockt und abgelenkt haben, damit der Mörder sich an sein Opfer anschleichen und es umbringen konnte. Nach Angaben von Ermittlern hat der Springreiter bislang nur seine Anwesenheit am Tatort eingeräumt.
Die Leiche der erwürgten jungen Frau war am 21. Juni 2012 nahe dem Freibad Lübars entdeckt worden. Die Polizei ging zunächst von einer Beziehungstat aus. Erst später sei das perfide Ausmaß des Verbrechens im gutbürgerlichen Reitermilieu klar geworden, hatten Ermittler gesagt. Drei mutmaßliche Komplizen, darunter der mutmaßliche Auftragsmörder (21), waren in Nordrhein-Westfalen festgenommen worden. Sie haben Geständnisse abgelegt.
Die Polizei hat bislang drei Gesellschaften gefunden, bei denen Verträge abgeschlossen worden waren. Vor und nach der Messerattacke wurden Verträge unterschrieben. Zu Lebzeiten muss, zumindest den Regeln nach, die junge Frau von den Versicherungen gewusst haben. Der Abschluss einer Lebensversicherung ist laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zwar durch andere Personen, aber nur mit der Unterschrift der versicherten Person möglich. Bis zu einer Versicherungssumme von 250 000 Euro sei ein vereinfachtes Verfahren möglich, bei dem der Versicherte Fragebögen zu seiner Gesundheit ausfüllen müsse, sagte Referentin Simone Schuchert. Sei die Summe höher, seien Arztbesuche und Bescheinigungen nötig. Im Falle der jungen Frau wäre aufgrund der Gesamtsumme mindestens bei einer Versicherung das aufwendige Verfahren nötig gewesen. Das Bundeskriminalamt sucht europaweit nach weiteren Versicherungsabschlüssen.
dpa/sei


