Unwetter-Folgen

Regenwasser legt in ganz Berlin Ampeln lahm

Stellenweise fielen in der Nacht zu Sonntag in Berlin in einer Stunde 23 Liter Regen pro Quadratmeter. Zu viel für Straßen und Ampelanlagen.

Mehr als 8000 Blitze in einer Nacht, hundert umgeknickte Bäume und blockierte Bahnstrecken: Das Wochenende werden die Berliner Feuerwehrleute so schnell nicht vergessen. In den Nächten von Freitag bis Sonntag mussten sie fast 400 Mal ausrücken. In der Nacht zu Sonnabend verursachte ein Gewittersturm große Schäden. Eine Nacht später überflutete Starkregen zahlreiche Keller. Es herrschte Ausnahmezustand in der Hauptstadt – verletzt wurde dabei nach ersten Erkenntnissen aber niemand. In Brandenburg blieb es dagegen vergleichsweise ruhig.

Allein in Marzahn fielen in der Nacht zu Sonntag stellenweise 23 Liter Regen pro Quadratmeter in einer Stunde, berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Potsdam. In Dahlem wurden 22 Liter gemessen. Besonders ungewöhnlich war die schnelle Abfolge der Blitze über der Hauptstadt. Allein in der Zeit von 22 Uhr bis 4 Uhr zählte der DWD 8135 Blitze in Berlin und dem nahen Umland.

Einer dieser Blitze entlud sich gegen 3 Uhr in Nacht auf dem Gelände der Berliner Verkehrsleitzentrale, teilte ein Sprecher der Landesmeldestelle mit. Die Folge: Die Zentrale war von der Energieversorgung stundenlang abgeschnitten. Direkte Auswirkungen auf den Verkehr in den frühen Morgenstunden gab es zwar nicht. Die Zentrale konnte danach allerdings nicht auf die wasserbedingten Ausfälle von Hunderten Ampeln in ganz Berlin reagieren.

A100 für mehr als vier Stunden gesperrt

Dort, wo es keine Ampeln gibt, sah es nicht besser aus: Die Stadtautobahn A100 in Tempelhof musste am Morgen in Richtung Norden für mehr als vier Stunden komplett gesperrt werden. Auf mehr als 1000 Quadratmetern standen Wasser und Schlamm bis zu 20 Zentimeter hoch auf der Straße, so eine Sprecherin der Polizei. In Richtung Süden konnte der Verkehr bis zum Mittag nur auf einer Spur rollen.

Neben etlichen Fehlwarnungen von Brandschutzanlagen gab es außerdem zwei Brände nach Blitzeinschlägen. Der Dachstuhl eines Einfamilienhauses in Tempelhof brannte aus. Schuld an dem Chaos sind Ausläufer des Tiefdruckgebietes „Lisa“, das am späten Samstagabend aus dem Südwesten herangezogen war.

In der Nacht zuvor war Tegel betroffen

Begonnen hatten die Unwetter aber schon Samstagnacht im Norden der Stadt mit einem Gewittersturm in Tegel. In einer Schneise von gut 250 Metern Breite wurden mehr als 100 Bäume teilweise entwurzelt. Mindestens 20 Autos wurden unter umgestürzten Bäumen begraben – es entstand ein Millionenschaden. Anwohner und andere Augenzeugen beschrieben den Sturm als Tornado, der durch die Straßen gefegt sei.

Der Sturm wehte unter anderem drei Schornsteine vom Dach eines Wohnhauses in der Veitstraße. „Die Trümmer durchschlugen das Dach des Hauses und krachten in die darunterliegenden Geschosse“, berichtete ein Feuerwehrsprecher. Einige hundert Meter weiter in der Gorkistraße wurde das 600 Quadratmeter große Dach eines Wohn- und Geschäftshauses komplett abgedeckt. Das Gewitter war am späten Freitagabend von Spandau aus über den Norden Berlins gezogen.

Auch die Bahnstrecke Berlin-Hamburg war am Freitagabend lahmgelegt worden, weil entwurzelte Bäume zwischen Brahlstorf und Schwanheide im Landkreis Ludwigslust-Parchim (Mecklenburg) auf die Oberleitungen stürzten. Mehrere Züge – darunter drei ICE – mussten gestoppt werden.

Die Unwetter des Wochenendes seien auch auf die Überhitzung in Berlin zurückzuführen, so ein DWD-Meteorologe. Bis zu 32 Grad zeigte das Thermometer am Freitag. Am Samstag war es vielerorts knapp 30 Grad warm.