Gewittersturm

Blitzableiter Berlin - und keiner wird verletzt

Ein Gewittersturm hat in Tegel mehrere Straßen regelrecht verwüstet. Wie durch ein Wunder kam trotzdem niemand zu Schaden.

Eingerissene Mauern, entwurzelte Bäume, abgetragene Schornsteine – am Tag nach dem nächtlichen Gewittersturm sah es in Teilen des Reinickendorfer Stadtteils Tegel chaotisch aus. Rings um den Brunowplatz, wie an der Gorkistraße, am Medebacher Weg und an der Veitstraße, wo der Wind drei Schornsteine umriss, hatten sich die Naturgewalten in der Nacht zu Sonnabend besonders stark ausgetobt. Auf einer Schneise von rund 250 Metern Breite hatten Sturmböen mehr als 100 Bäume umgeknickt.

„Auf meinem Wagen landete ein Baum direkt auf dem Dach. Da kann ich meiner Versicherung nur einen Totalschaden melden“, sagte Hans Jürgen Ney am Sonnabend, der seine schwarze Limousine tags zuvor am Brunowplatz unweit der Kirche geparkt hatte. „Als ich gestern nach 22 Uhr aus meinem Fenster sah, dachte ich, ich schaue in eine Waschmaschine. Der Starkregen prasselte fast waagerecht gegen die Scheiben.“ Dass ein Baum auf seinen Wagen stürzen könnte, habe er zu diesem Zeitpunkt nicht geahnt.

Eingerissene Mauern, entwurzelte Bäume, abgetragene Schornsteine – am Tag nach dem nächtlichen Gewittersturm sah es in Teilen des Reinickendorfer Stadtteils Tegel chaotisch aus. Rings um den Brunowplatz, wie an der Gorkistraße, am Medebacher Weg und an der Veitstraße, wo der Wind drei Schornsteine umriss, hatten sich die Naturgewalten in der Nacht zu Sonnabend besonders stark ausgetobt. Auf einer Schneise von rund 250 Metern Breite hatten Sturmböen mehr als 100 Bäume umgeknickt.

"Auf meinem Wagen landete ein Baum direkt auf dem Dach. Da kann ich meiner Versicherung nur einen Totalschaden melden“, sagte Hans Jürgen Ney am Sonnabend, der seine schwarze Limousine tags zuvor am Brunowplatz unweit der Kirche geparkt hatte. „Als ich gestern nach 22 Uhr aus meinem Fenster sah, dachte ich, ich schaue in eine Waschmaschine. Der Starkregen prasselte fast waagerecht gegen die Scheiben.“ Dass ein Baum auf seinen Wagen stürzen könnte, habe er zu diesem Zeitpunkt nicht geahnt.

Roland Keulloff dagegen verspürte in der Not auch Erleichterung. Eine etwa 15 Meter hohe Eiche war in der Nacht direkt neben seinen Wagen gestürzt und hatte das Auto nur um zehn bis 15 Zentimeter verfehlt. „Ich kann mein Glück kaum fassen, dass der Wagen noch ganz ist“, sagte Keulloff, der noch am gleichen Tag nach Mallorca in den Urlaub fliegen wollte.

Mehr als 20 Autos wurden allein in Tegel von entwurzelten Bäumen und herabstürzenden Ästen getroffen. Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke sprach von Schäden in Millionenhöhe. „Es grenzt an ein Wunder, dass niemand verletzt oder getötet worden ist“, sagte Wilke.

Um ein Haar hätte es Melanie Schmidt* und ihren Lebensgefährten Florian am Freitagabend böse erwischt. Ein Straßenbaum vor ihrem Mietshaus am Medebacher Weg hatte den Sturmböen nicht mehr standhalten können, kippte schräg gegen die Hausfassade und riss eine Etage darüber die Außenwände eines Balkons mit. Nur die Grundplatte des Balkons hing noch an der Fassade. „Im Fallen durchschlug der Baum die großen Scheiben des Doppelfensters im Wohnzimmer. Sie sind komplett zerborsten“, sagt Frau Schmidt. „Von der Balkontür ist die äußere Scheibe kaputtgegangen.“ Viele Möbelstücke im Zimmer sind durch herumfliegende Glasstücke beschädigt.

Das Paar hatte es sich auf dem Sofa bei einem Film gemütlich gemacht, als das Inferno plötzlich hereinbrach. „Normalerweise sitzen wir auf anderen Plätzen auf der Couch, am Freitag haben wir gemeinsam auf einer Seite gesessen. Das war unser Glück“, berichtete Melanie Schmidt. Die unbenutzte Seite des Sofas wird durch die Splitter und Scheibenstücke regelrecht aufgeschlitzt. „Wir sind sofort von der Couch aufgesprungen und aus dem Zimmer gerannt.“ Als das Paar auf den Balkon sieht, kam der nächste große Schreck. „Der gesamte Schutt des zerstörten Balkons von der Wohnung über uns lag auf unserem Balkon“, sagt der Freund der Wohnungsmieterin.

Extreme Gewitterzelle

Thomas Globig vom Wetterdienst Meteomedia sprach von einer extrem „giftigen Gewitterzelle, die praktisch aus dem Nichts“ entstanden war und sich urplötzlich und heftig über dem Berliner Norden entladen hatte. Besonders die „Downfalls“ oder Fallwinde genannten Sturmböen mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern hätten die schweren Schäden verursacht. Zu einem Tornado sei es nach seinen Erkenntnissen aber nicht gekommen, so Globig.

Die Regenmengen, es wurden bis zu 20 Liter pro Quadratmeter gemessen, seien dagegen eher im durchschnittlichen Bereich für ein Sommergewitter anzusiedeln, so der Meteorologe am Sonnabend. Am Abend zuvor war Globig noch optimistisch gewesen und hatte vermutet, dass die von der Prignitz heranziehende Gewitterfront nördlich von Berlin vorbeiziehen würde.

Das mag auch Erika Schulz gedacht haben, die durch das Unwetter wie viele ihrer Nachbarn vorübergehend obdachlos wurde. Sie wohnt in einem großen Mietshaus an der Gorkistraße 22 in Tegel. Das Flachdach des Hauses war vom Gewittersturm auf einer Fläche von 600 Quadratmetern angehoben worden und in den Hof gestürzt. „Es ging alles unglaublich schnell. So einen Gewittersturm habe ich mein ganzes Leben nicht erlebt. Das ganze Haus hatte gewackelt, ich hatte große Angst und bin nur froh, dass ich heil aus dem Haus gekommen bin“, sagte Frau Schulz, als sie am Sonnabendvormittag einige persönliche Gegenstände aus ihrer Wohnung abholte.

Weil das Mietshaus derzeit unbewohnbar ist, kam Erika Schulz, wie ihre Nachbarn, vorläufig im nahe gelegenen Hotel Am Borsigturm unter. In dem benachbarten Einkaufszentrum hatte der Sturm eine große Werbetafel von einer Fassade gerissen. Vor dem Restaurant „Fisherman's“ am Eisenhammerweg rissen Windböen eine 100-jährige Eiche um.

Auch der S-Bahn-Verkehr war Freitagabend im Berliner Norden zum Teil erheblich gestört. So musste die Linie S1 zwischen den Bahnhöfen Schönholz und Waidmannslust für Stunden gesperrt werden, nachdem Bäume auf die Gleise gestürzt waren. „Wir mussten einen Ersatzverkehr mit Bussen einrichten. Noch in der Nacht konnte der Fahrbetrieb wieder aufgenommen werden“, so Bahnsprecher Gisbert Gahler. Auch auf den S-Bahn-Linien 2 und 25 sei es zu Unterbrechungen gekommen.

* Name geändert