Wurde Ihnen schon mal ein Fahrrad geklaut? Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Fast 330.000 Räder haben im vergangenen Jahr unfreiwillig den Besitzer gewechselt, wie die Kriminalitätserhebung des Versicherungsportals geld.de ermittelt hat.
Und die meisten Diebstähle gab es in Berlin: 26.000 Fahrräder wurden in der Hauptstadt gestohlen. Zum Vergleich: In Hamburg waren es 13.500, in Köln rund 8000.
Bezogen auf die Einwohnerzahl sind jedoch weniger die Metropolen betroffen. Die absolute Hochburg der Fahrraddiebstähle ist laut Studie Münster – eigentlich hat der Ort in Westfalen eher den Ruf einer fahrradfreundlichen Universitätsstadt. Auf 100.000 Einwohner kamen 2011 rund 1800 gestohlene Fahrräder. Das liegt fast 180 Prozent über dem Durchschnitt von Großstädten und bedeutet, dass dort jeden Tag 13 Radler bestohlen werden.
Allerdings ist Münster eine der wenigen Städten, in der die Diebstahlrate rückläufig ist, im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent. In Berlin, Hamburg, Nürnberg und Gelsenkirchen haben die Studienmacher dagegen einen „explosionsartigen Anstieg“ des Delikts ausgemacht: In Nürnberg stieg die Anzahl der Raddiebstähle innerhalb von zwölf Monaten 40 Prozent, in Gelsenkirchen um 38 Prozent, in Essen um 36 Prozent. In Stuttgart und Berlin stieg die Diebstahlrate um ein Drittel. In Hannover, Freiburg und Köln um rund ein Viertel.
Selbst die diebstahlsicherste Stadt, Wuppertal, liegt mit einem Anstieg von 32 Prozent deutlich über dem Durchschnitt. Dabei wurden in der Stadt im Bergischen Land laut Studie doch 88 Prozent weniger Fahrräder geklaut als in den anderen untersuchten Städten. 2011 kamen auf 100.000 Einwohner 79 Diebstähle. Ähnlich sicher für Drahteselbesitzer sind übrigens Stuttgart, Wiesbaden, Bochum sowie Chemnitz.
Die Chance, das gestohlene Rad wiederzubekommen, ist vor allem in den Stadtstaaten gering. In Hamburg beträgt die Aufklärungsquote 3,9 Prozent, in Berlin 4,1 und in Bremen 5,6 Prozent. Im Bundesschnitt liegt die Quote bei 10,4 Prozent – ein Jahr zuvor waren es 10,3 Prozent.
Fahrrad-Diebstahlschutz empfehlenswert
Das Versicherungsportal Geld.de rät – neben einem guten Schloss – zu einem Fahrrad-Diebstahlschutz in der Hausratversicherung. Beim Bund der Versicherten sieht man das jedoch kritisch. Fahrradversicherungen fallen bei den Verbraucherschützern unter die Rubrik „unnötige Versicherungen“. Ohnehin seien Fahrräder in der Hausratversicherung mitversichert, wenn sie aus dem verschlossenen Keller oder der Wohnung gestohlen werden. Eine extra Fahrradversicherung lohne sich hingegen vor allem für Personen, die ein besonders wertvolles Fahrrad haben. Eine solchen Police springe je nach Anbieter nicht nur bei Verlust ein, sondern auch wenn hohe Reparaturkosten anfielen oder bei Unfällen.
Die zusätzliche Einbeziehung in die Hausratpolice hingegen lohne selten: Das Geld, das man als Entschädigung erhalte, sei zumeist auf ein oder zwei Prozent der Hausratsversicherungssumme begrenzt. In jedem Fall muss das Rad – selbst in Innenräumen – mit einem Schloss gesichert gewesen sein. Sonst zahlt der Versicherer nicht. Viel wichtiger als eine extra Fahrrad-Police ist in den Augen von Thorsten Rudnik, Vorstand des Bundes der Versicherten, im Schadenfall Eigentum und Wert nachweisen zu können. „Kauf- und Herstellerunterlagen zum Fahrrad und die Rahmennummer sollten immer gut aufbewahrt werden.“ Und: Fahrradfahrer sollten ihr Fahrrad stets bei der Polizei registrieren lassen – das funktioniert über die eingestanzte Rahmennummer.





