Sprengstofffund

Rohrbomben bei 1-Mai-Demonstration waren zündfähig

Bei der Demonstration am 1. Mai in Kreuzberg hat die Polizei drei Sprengsätze entdeckt. Hinweise auf ein Attentat hatte es nicht gegeben.

Schockierende Wendung bei der Bilanz des diesjährigen 1. Mai in Berlin: Bei der „Revolutionären 1.-Mai-Demonstration“ am Abend des Feiertages vor einer Woche hatte die Polizei drei Rohrbomben gefunden. Die Sprengsätze wurden offenbar nicht gezündet, sind nach Ansicht der Polizei aber grundsätzlich funktionsfähig gewesen und hätten laut Einschätzung der Experten bei einer Detonation zu Schwerverletzten im Umkreis von bis zu 20 Metern führen können.

Bisher war in der Rückschau auf den 1. Mai von der Berliner Polizei und der Politik vor allem der Trend zu einem überwiegend friedlichen Verlauf gelobt worden – auch wenn die abendliche Demonstration mit mehr als 10.000 Teilnehmern nach Ausschreitungen vorzeitig aufgelöst worden war. Nun müsse die Bewertung der sogenannten 18-Uhr-Demonstration neu erfolgen, sagte Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.

Die Sprengsätze seien an drei verschiedenen Orten entlang der Strecke in Kreuzberg von drei verschiedenen Polizeieinheiten gefunden worden, hieß es. Die Beamten hätten die Sprengsätze zunächst nicht als solche erkannt, sondern für einfache Pyrotechnik gehalten. Erst später sei festgestellt worden, dass es sich um baugleiche Rohrbomben handele. „Wären diese vor Ort erkannt worden, es wären sofort Entschärfer hinzugezogen worden“, sagte Koppers. „Außerdem hätten wir dann mit relativer Sicherheit den Aufzug sofort beendet.“

Die Hintergründe der Tat sind der Polizei noch unklar. Hinweise auf einen derartig geplanten Anschlag habe es im Vorfeld nicht gegeben, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Auch warum die Bomben ungezündet weggeworfen wurden, ist nicht klar. „Vielleicht aus Angst vor Kontrollen oder wegen plötzlich aufkeimender Skrupel“, sagte Koppers.

Bei den Bomben handelt es sich nach Angaben der Polizei um drei Rohre aus Aluminium von etwa 40 Zentimeter Länge und 2,5 Zentimeter Durchmesser. Gefüllt waren die Rohre mit einer Chlorat-Zucker-Michung, als Zünder diente eine einfache Zündschnur. „Nach Meinung unserer Experten ist so eine Mischung schon einmal erfolgreich für Anschläge benutzt worden“, sagte Koppers. Nun will das Landeskriminalamt die Sprengsätze nachbauen und ihre Gefährlichkeit testen.

Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte Morgenpost Online, die Rohrbomben hätten „terroristischen Charakter“. „Das ist das klassische Vorgehen von Terroristen und hat mit den bisherigen 1.-Mai-Demonstrationen nichts zu tun.“ Der Politiker betonte, der Vorfall müsse sehr ernst genommen werden. „Schließlich leben die Täter unter uns, und wir haben keine Garantie, dass sich dieses Handeln nur auf den 1. Mai beschränkt.“ Bosbach forderte, das Bundeskriminalamt mit dem Fall zu betrauen.