Die zweifache Turn-Olympiasiegerin Karin Büttner-Janz ist als Ärztin vom Klinikkonzern Vivantes in Berlin entlassen worden. Die Medizinerin erhielt mit der fristlosen Kündigung auch Hausverbot, wie Vivantes-Sprecherin Kristina Tschenett am Dienstag sagte. Die Staatsanwaltschaft ermittele gegen Büttner-Janz sowie weitere Beschuldigte wegen Verdachts auf Abrechungsbetrug, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen stünden noch ganz am Anfang. Vivantes habe Unterlagen zur Verfügung gestellt.
Mit den Angaben beider Sprecherinnen wurden Informationen des RBB bestätigt. Für die Entlassung Ende März gebe es aber andere Gründe als die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, sagte Tschenett. Nähere Angaben machte sie nicht. Büttner-Janz war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Laut RBB will sie sich in der kommenden Woche äußern. Nach Informationen des Senders soll das Vertrauensverhältnis zwischen Büttner-Janz und der Vivantes-Geschäftsführung schon seit geraumer Zeit auch aus anderen Gründen gestört gewesen sein. Mehrfach sollen sich Mitarbeiter über den autoritären Führungsstil der früheren Spitzensportlerin beschwert haben.
Die prominente Ostdeutsche und weltweit anerkannte Orthopädin, die ein Patent für eine künstliche Bandscheibe hat, wurde im Februar 60 Jahre alt. Bei den Olympischen Spielen in München 1972 holte die DDR-Turnerin Gold am Stufenbarren und beim Pferdsprung. Sie erkämpfte 17-mal Edelmetall bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften und ist damit die erfolgreichste deutsche Turnerin. Nach der sportlichen Karriere folgte die medizinische. Seit 2005 trägt Büttner-Janz auch den Professoren-Titel. Zuletzt leitete die Spezialistin die beiden orthopädischen Vivantes-Kliniken in Friedrichshain und am Urban in Kreuzberg.
Weitere Ermittlungen
Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt seit Anfang des Jahres auch in anderen Fällen wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug gegen den landeseigenen Klinikkonzern Vivantes. Wie zuletzt bei den DRK-Krankenhäusern und den privaten Helios-Kliniken sollen ärztliche Leistungen falsch abgerechnet worden sein. Die Klinikleitung um Vivantes-Chef Joachim Bovelet hatte im Dezember vergangenen Jahres und im Januar zwei entsprechende Selbstanzeigen bei der Berliner Staatsanwaltschaft gestellt.
Als erster großer Betrugsfall waren im Juni 2010 die Vorgänge bei den DRK-Kliniken bekannt geworden. Damals durchsuchten 150 Polizeibeamte und die Berliner Staatsanwaltschaft den Firmensitz in Wilmersdorf, die großen drei Kliniken in Berlin, die ambulanten Behandlungszentren und Wohnungen. Es soll ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden sein, drei leitende Mitarbeiter wurden verhaftet.
dpa/ij/mim





