Mit massiver Präsenz will die Berliner Polizei am Freitag ein Aufeinandertreffen von linken und rechtsextremen Demonstranten im Berliner Süden verhindern. Linke Gruppen haben für den Abend eine Demonstration in Rudow unter dem Motto „Zeit zu handeln – kein Platz für Nazis“ angemeldet. Auch die NPD wollte dort ursprünglich marschieren. Inzwischen haben sich die Rechtsextremisten allerdings dazu entschlossen, nach Marienfelde auszuweichen.

Der Aufruf zu der Demo der Linken erfolgte auch unter dem Eindruck der tödlichen Schüsse vor dem Krankenhaus Neukölln. Dabei war der 22-jährige Burak B. getötet worden, zwei weitere junge Männer, ein Araber und ein Russe, überlebten nur dank einer Notoperation. In der linken Szene wurde spekuliert, dass die Tat einen fremdenfeindlichen Hintergrund gehabt haben könnte. Bestätigt wurde diese These von der Polizei jedoch nie. Burak B. wird am heutigen Freitagnachmittag beigesetzt. Zu der Trauerfeier in der Sehitlik-Moschee werden mehrere Tausend Teilnehmer erwartet.

Die linke Szene will ab 17.30 Uhr vom U-Bahnhof Lipschitzallee über die Wutzkyallee, den Zwickauer Damm, die Köpenicker Straße und die Waltersdorfer Chaussee zum U-Bahnhof Rudow ziehen. Dabei werden etwa 300 Teilnehmer erwartet. Unklar ist nach Einschätzung der Behörden allerdings, ob tatsächlich so viele kommen. Möglich sei es auch, dass viele Linke stattdessen nach Marienfelde ziehen, um sich dort dem Aufmarsch der NPD entgegenzustellen, hieß es.

Anlass der Veranstaltung sind die seit Jahren stetig zunehmenden Aktivitäten rechter und rechtsradikaler Gruppen im Süden Neuköllns. Aktiv sind dort neben Angehörigen der NPD und ihrer Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) auch Mitglieder aus dem Milieu der „freien Nationalisten“, die als besonders aggressiv und gewaltbereit gelten.

Auch der um 18.30 Uhr startende Aufzug der NPD steht unter dem Motto „Zeit zu handeln“, verbunden noch mit der Aufforderung „Kriminelle Ausländer raus“. Die Partei rechnet mit 100 Teilnehmern. Die geplante Route führt von der Marienfelder Allee durch die Hildburghauser Straße, den Tirschenreuther Ring, die Waldsassener Straße und den Luckeweg zurück zum Ausgangsort.

Gabriele Schöttler (SPD), die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, wandte sich gegen den NPD-Aufmarsch: „Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg steht für Weltoffenheit und Toleranz. Aufmärsche, wie von der NPD geplant, sind nicht erwünscht.“