Der große Protest ist bislang ausgeblieben. Die meisten Besucher des Großen Tiergartens in Berlin-Mitte halten sich an das Grillverbot, das seit Beginn des Jahres 2012 gilt. Nur in wenigen Fällen mussten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes bisher eingreifen – wahrscheinlich auch deshalb, weil das kühle und windige Wetter bisher nicht zum langen Aufenthalt im Freien verlockt hat. Auch das Müllaufkommen ist wesentlich geringer als in den Vorjahren. Bislang hat das Bezirksamt Mitte rund 300.000 Euro pro Jahr bezahlt, um die Abfälle der Besucher zu entsorgen.
Mittes Stadtrat für öffentliche Ordnung, Carsten Spallek (CDU), hat am Donnerstag eine erste Bilanz des Grillverbots gezogen: Am 17. März hatten zwei Familien ein Grillfeuer entzündet. Am Wochenende vom 24. und 25. März trafen die Kontrolleure auf fünf Grillplätze. Am 1. April, im Rahmen des Volkstages der arabischen Staaten, waren sechs Grillfeuer entzündet worden. In allen Fällen hätten die Familien das Feuer gelöscht, als sie von den Kontrolleuren aufgefordert wurden. Einige hätten sich sogar entschuldigt, so der Stadtrat. Deeskalation und Gespräche seien das Ziel des Ordnungsamtes bei den Kontrollen im Tiergarten – diese Strategie soll weiter verfolgt werden. Ein Bußgeld wird zunächst nur verhängt, wenn die Kontrolleure auf Wiederholungstäter treffen. Die Außendienstmitarbeiter werden bei den Kontrollen auch von Beamten des Polizeiabschnittes 34 begleitet. Außerdem ist an Wochenenden ein Infostand des Ordnungsamtes im Tiergarten aufgebaut, an dem die Mitarbeiter mit Besuchern über die neuen Regeln sprechen. Fast 15 Jahre lang war Grillen auf einer ausgewiesenen Fläche zwischen John-Foster-Dulles- Allee und Straße des 17. Juni erlaubt. Mitarbeiter des Ordnungsamtes mussten bei ihren Rundgängen dennoch im Einzelfall kontrollieren, ob die Grillgeräte zulässig und richtig aufgestellt waren.
Zur aktuellen Bilanz von Stadtrat Spallek gehört auch, dass derzeit wesentlich weniger Abfälle im Tiergarten zurückbleiben. In den Sommermonaten der vergangenen Jahre mussten bis zu acht Tonnen Müll pro Woche entfernt werden. Zehn Gärtner des Bezirksamtes waren damit beschäftigt. Jetzt sind es etwa zwei Tonnen Müll pro Woche, die von zwei Mitarbeitern beseitigt werden können. Die anderen Gärtner kümmern sich nun wieder um Bäume, Rasen und Sträucher. Das Ordnungsamt hat festgestellt, dass das Grillverbot weitere Folgen hat. Früher seien Besucher mit ihrem Auto oft bis in den Tiergarten gefahren, um auszuladen, oder hätten in zweiter Reihe auf der Straße des 17. Juni geparkt, so Stadtrat Spallek. Derzeit komme das kaum noch vor.
Carsten Spallek kündigte aber auch drastische Einsparungen im Bereich der Grünflächen an. Etwa 2,5 Millionen Euro weniger als im Vorjahr stehen zur Verfügung. Neue Blumen, Sträucher und Bäume wird das Amt vorerst nicht mehr finanzieren. Auch die Kosten für das Wasser in den Planschen sind im Haushaltsentwurf 2012/2013, der im Mai beschlossen werden soll, nicht mehr eingeplant. Spallek sucht deshalb Sponsoren. Weil eine Haushaltssperre gilt, kann das Bezirksamt keine neuen Aufträge vergeben. Das werden Berliner und Touristen bemerken, die am Wochenende an Uferpromenaden in Mitte spazieren. Diese Wege seien bislang sonnabends und sonntags von externen Firmen gereinigt worden, sagte Spallek. Diese Reinigung kann derzeit nicht neu ausgeschrieben werden.



