Stasi-Ausstellung

Trick macht Sonderöffnung zu Ostern möglich

Das Bildungszentrum über Stasi-Akten in Berlin-Mitte kann auch zu Ostern besucht werden. Vereinsmitglieder springen für Sonderöffnungszeiten ein.

Foto: Glanze

Aus Gästen werden Gastgeber: Am langen Osterwochenende öffnen und betreuen Mitglieder des Vereins "Antistalinistische Aktion" (Astak) das Bildungszentrum der Stasiunterlagen-Behörde (BStU) in der Zimmerstraße in Berlin-Mitte. So wird die kleine, aber sehenswerte Ausstellung genau zwischen den beiden Touristenmagneten Checkpoint Charlie und Topographie des Terrors auch an den vier besucherstarken Tagen von Karfreitag bis Ostermontag fürs Publikum zugänglich sein.

Die ungewöhnliche Einladung hat Roland Jahn persönlich ausgesprochen, der als Bundesbeauftragter für die Hinterlassenschaft des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) Hausherr der Ausstellung ist. "Wir sind Dienstleister für die Gesellschaft", sagt der ehemalige DDR-Oppositionelle und spätere langjährige ARD-Journalist: "Also sollen und wollen wir unser Angebot dem Publikum zu den Zeiten machen, zu denen es am stärksten nachgefragt wird." Nach den Erfahrungen der ersten 14 Monate dieser Ausstellung sind die Wochenenden die besucherstärksten Tage.

An Sonntagen war das Bildungszentrum ursprünglich ganz geschlossen. Erst auf Initiative Jahns im Jahr 2011 hat sich das geändert: Er bat auf einer Personalversammlung die BStU-Mitarbeiter, gelegentlich freiwillig und mit vollen Sondervergütungen die Betreuung zu übernehmen. Auf diese Weise kamen auch sonst mit anderen Aufgaben beschäftigte Behörden-Angehörige in direkten Kontakt mit dem interessierten Publikum, was vielfach positiv wahrgenommen wurde. Das Engagement wurde und wird natürlich voll auf die tarifliche Arbeitszeit angerechnet. Jahn selbst ging mit gutem Beispiel voran: Wiederholt war er selbst an Sonntagen in der Ausstellung und bot zusätzlich in dem perfekt sanierten Gründerzeitbau Bürgersprechstunden an - ein Angebot, das viele einst vom MfS verfolgte Berliner und Besucher gern annahmen.

Doch auf freiwilliger und ungeregelter Basis konnte die Öffnung der Ausstellung arbeitsrechtlich nur ausnahmsweise funktionieren. Notwendig ist eine formelle Dienstvereinbarung zwischen Behördenleitung und Personalrat. Nach längeren Beratungen einigten sich beide Seiten. Jedoch machte die Vertretung der rund 1600 BStU-Angestellten zur Bedingung für eine solche Vereinbarung, dass das lange Osterwochenende ausgenommen bleiben müsse. Ohne betreuendes Personal jedoch hätte die Ausstellung geschlossen bleiben müsste.

"Ich durfte unsere Vereinbarung über die Öffnung an anderen Sonntagen nicht gefährden", sagte Jahn Morgenpost Online: "Um aber dennoch den Besuchern über Ostern die Möglichkeit zu geben, unsere Ausstellung anzuschauen, habe ich die Astak gefragt, ob ihre Mitarbeiter einspringen können." Jahn war unzufrieden, weil der Personalrat sich "gesperrt" habe. Also suchte er eine pragmatische Lösung, wie er es auch in zahlreichen anderen Fragen getan hat - meist mit Erfolg.

Die Astak half gern. "Wir haben ein Kooperationsabkommen mit der BStU", erklärt Jörg Drieselmann, der als Geschäftsführer das Stasi-Museum des Vereins im ehemaligen MfS-Sitz in Lichtenberg leitet. Bis Anfang 2011 hatte zwischen BStU und Astak jahrelang konfrontative Stimmung vorgeherrscht; das hat sich freilich mit Jahns Amtsantritt ins positive Gegenteil verkehrt. Seit Januar 2012 betreiben die beiden so unterschiedlichen Einrichtungen - die Antistalinistische Aktion ist eine Bürgerinitiative und die BStU eine Bundesbehörde - die Interimsausstellungen im sanierten Haus 1, dem Sitz des früheren MfS-Chefs Erich Mielke, gemeinsam. Derzeit arbeiten sie sogar zusammen an der geplanten neuen Ausstellung.

Jahns Einladung an die Astak und ihre fachlich bestens qualifizierten Mitarbeiter setzt diese Kooperation fort und fördert zugleich die allgemeine Zusammenarbeit im Bereich der DDR-Aufarbeitung. Hier sieht Jahn auch die Rolle des Bildungszentrums Zimmerstraße in der Zukunft: An der wichtigsten "Geschichtsmeile", über die jedes Jahr viele hunderttausende Touristen laufen, könnte dieser Ort ein "Anker" sein für die verschiedenen Dokumentationen und Gedenkstätten zu Staatssicherheit, SED-Diktatur und Grenzregime in Berlin.

Bildungszentrum der Stasiunterlagen-Behörde (BStU), Berlin-Mitte, Zimmerstraße 90, An Ostern 2012 täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt frei, Katalog 12 Euro