Statistik

Berliner Hunde bissen 2011 deutlich häufiger zu

Im vergangenen Jahr registrierten die Berliner Behörden 704 Fälle, in den Menschen durch Hundebisse verletzt "gefahrdrohende" angesprungen wurden. Meistens allerdings sind nicht die sogenannten Kampfhunde das Problem.

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Die Zahl der Hundeattacken auf Menschen ist in Berlin deutlich gestiegen. Insgesamt registrierten die Behörden im vergangenen Jahr 704 Fälle, in denen Menschen durch Hundebisse verletzt oder „gefahrdrohend angesprungen“ wurden. Das ist ein Plus von 44 Angriffen im Vergleich zum Vorjahr, so das Ergebnis einer Umfrage unter den zwölf Bezirksämtern. Die meisten Angriffe gab es mit 85 in Mitte.

Mit insgesamt 32 gemeldeten Attacken gingen die wenigsten Fälle auf die sogenannte Kampfhunde zurück. 2010 waren es 26. In Berlin gelten zehn Rassen als gefährlich und dürfen nur unter strengen Bedingungen gehalten werden. Allein von den vier als besonders gefährlich geltenden Rassen soll es mehr als 7000 Tiere geben. Die Dunkelziffer dürfte aber viel höher sein.

Nach Angaben der Bezirke griffen Hunde im vergangenen Jahr insgesamt 525 Mal ihre eigenen Artgenossen an. In 46 Fällen waren Listenhunde involviert. Die meisten Keilereien unter Hunden gab es in Steglitz-Zehlendorf mit 70 Angriffen.

Unterdessen stößt das rund sieben Jahre alte Berliner Hundegesetz mit seiner Rasseliste immer mehr auf Kritik. Experten monieren, dass die Hunde zu Unrecht gebrandmarkt werden und verweisen auf jährliche Bissstatistiken. Dort belegen Mischlinge regelmäßig den ersten Platz, gefolgt vom Schäferhund und kleineren Tieren wie den Dackel.

Die Verbraucherschutzverwaltung mahnt indes, dass die Tierschützer den Anteil der jeweiligen Rassen an der Gesamtzahl der Hunde unberücksichtigt ließen. Mischlinge stellten den größten Anteil an der Gesamtpopulation und träten darum auch häufiger in Erscheinung.

"Problem sitzt am anderen Ende der Leine"

Für den Chef des Berliner Tierschutzvereins, Wolfgang Apel, veranschaulichen die Zahlen, dass das tatsächliche Problem am anderen Ende der Leine sitzt. „Rasselisten haben bisher zu keinem Rückgang von Beissvorfällen geführt – eher im Gegenteil, wie man anhand der Umfrage sieht“, sagte er.

Die Liste könnte bald Vergangenheit sein. Die Fraktionen im Abgeordnetenhaus sind über die Abschaffung weitgehend einig. Dafür ist ein verbindlicher „Hundeführerschein“ für die meisten Halter im Gespräch. Bislang ist dieser nur für Besitzer von Listenhunden zwingend. Über die genaue Ausgestaltung gibt es unterschiedliche Vorstellungen. So könnte der Führerschein etwa nur für Halter von Tieren mit einer bestimmten Schulterhöhe gelten.

Die Grünen haben schon einen Gesetzentwurf erarbeitet, der derzeit mit Interessenverbänden diskutiert wird. Für die Hunde-Expertin der Grünen, Claudia Hämmerling, kommt es vor allem auf das Wissen um die richtige Haltung an. Sie stellt sich eine zwingende Sachkundeprüfung vor. Das trifft auf die Zustimmung der Tierschützern. „Auch in den eigenen vier Wänden muss man einiges als verantwortungsvoller Hundehalter beachten“, so Apel. „Daher befürworten wir die Einführung eines „Halter-TÜV“ - zugunsten der Tiere und der Menschen.“