Gefährliche Attacken

Zahl der Hundebisse ist in Berlin stark gesunken

Die Zahl der Angriffe von Hunden auf Menschen hat im Jahr 2009 in Berlin stark abgenommen. Dies hat die Senatsverwaltung für Gesundheit am Mittwoch mitgeteilt. Die positive Entwicklung ändert aber nichts daran, dass die Hauptstadt ein riesiges Problem mit ihren Vierbeinern hat.

Foto: picture-alliance / dpa

Der Berliner Senat hat am Mittwoch seine "Hundebeißstatistik" für das Jahr 2009 veröffentlicht. Diese besagt, dass sowohl die Zahl der Angriffe von Hunden auf Menschen als auch die der Kämpfe von Hunden untereinander stark abgenommen hat.

Die Senatsverwaltung für Gesundheit beantwortete damit eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Claudia Hämmerling (Grüne). Laut dem Bericht wurden 478 Menschen im Jahr 2009 von Hunden gebissen oder "gefahrdrohend angesprungen". 2008 waren es mit 716 noch deutlich mehr Fälle. Bei Kämpfen untereinander bissen sich die Vierbeiner im Jahr 2009 418 Mal blutig (2008: 514 Fälle).

Trotz der positiven Entwicklung hat die Hauptstadt allerdings ein gewaltiges Problem mit ihren Hunden. Evamarie König, Sprecherin des Tieramts Berlin, sagte: "Bei uns werden so viele Hunde wie noch nie abgeladen, wir bleiben auf den armen Tieren sitzen." Manche Rassehunde, die auf einer Verbotsliste des Senats für Kampfhunde stehen, "versauern über Jahre, obwohl sie völlig unauffällig sind".

Wegen dieser Schicksale ist der Tierschutzverein Berlin-Brandenburg "für die komplette Abschaffung der Rasseliste", die in Berlin seit 2004 besteht. Laut der Liste müssen die Besitzer bestimmten Hunderassen in der Öffentlichkeit grundsätzlich Maulkorb und Leine anlegen. Außerdem müssen sich die Halter selbst einer Eignungsprüfung unterziehen. 2005 betrug die Quote der sogenannten Listenhunde im Tierheim noch 9,4 Prozent, heute liegt sie bei 50 Prozent. Aktuell leben im Tierheim Berlin 320 Hunde, obwohl die Anlage nur für etwa 250 Tiere ausgelegt ist. Viele fristen dort jahrelang ihr Dasein.

Zurzeit stehen noch zehn Rassen auf der Liste: Pitbull, Bull Terrier, Tosa Inu, Bullmastiff, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Mastiff und gefährliche Mischlinge. Die "normalen" Mischlinge liegen in der Beiß-Tabelle 2009 mit 57 Vorfällen auf Platz zwei, Rang eins besetzt der Deutsche Schäferhund mit 79 Attacken, Rottweiler werden mit 30, Dobermänner mit 22, Boxer mit 18 und Golden Retriever mit 13 Vorfällen registriert. Keine der erfassten Klagen über direkte Angriffe gegen Menschen betrafen Windhunde, Pekinesen, Yorkshire Terrier und Maltesern.

Nicht nur wegen Biss-Angriffen sorgen die Hunde immer wieder für Gesprächsstoff. Nach dem Abtauen von Eis und Schnee sind auch die hässlichen Hinterlassenschaften der Vierbeiner freigelegt worden. Allerdings müsste diese Belästigung, zumindest der Statistik zufolge, auch seltener auftreten. Denn im Vorjahr nahm der Senat nur noch für 105.177 Tiere die Hundesteuer ein, 2008 waren es noch 108.784 gemeldete Tiere.

Die Abgeordnete Hämmerling und Tierheim-Sprecherin König wiesen beide darauf hin, dass die Zahl der in Berlin gehaltenen Hunde auch wegen sozialer Nöte der Besitzer sinkt. Viele können sich die Steuern, das Futter und die Tierarzt-Kosten einfach nicht mehr leisten.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.