Verdächtige Briefe

Verwirrter jagt Wahlleuten Schrecken ein

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Am Sonntag wird das neue Staatsoberhaupt von der Bundesversammlung gewählt. Wenige Tage vor der Abstimmung hat ein 36-Jähriger aus Karlsruhe an Wahlmänner und -frauen Briefe mit weißem Pulver verschickt. Es entpuppte sich zum Glück als harmloser Sand.

Schreckmomente bei zahlreichen Wahlleuten für die Bundespräsidentenwahl. Während Joachim Gauck sich am Mittwoch im Berliner Abgeordnetenhaus vorstellte, erhielten viele Wahlmänner und -frauen verdächtige Briefe, aus denen beim Öffnen ein weißes Pulver oder Metallkügelchen herausrieselten. Solche Briefe gingen unter anderem auch bei Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der Berliner SPD-Bundestagsabgeordneten Eva Högl ein.

Nach der ersten Aufregung gab es später Entwarnung: Bei dem weißen Pulver handelte es sich nicht um gefährliche Anthrax-Erreger oder chemische Kampfstoffe, sondern um Sand. Zudem enthielten die Umschläge Gutscheine für Mc-Donald's-Restaurants. Bundesweit gingen am Mittwoch solche Briefe ein, darunter im Wahlkreisbüro von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) in Dresden, Münchens Oberbürgermeister Michael Ude und in Büros von Wahlleuten in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen.

Auch der Absender war schnell identifiziert: Die Briefe hatte ein 36-Jähriger aus Karlsruhe geschickt – und seinen Namen auf die Briefe geschrieben. „Über die Motivation des Mannes, der bereits psychisch auffällig geworden und der Polizei bekannt ist, kann derzeit keine Aussage getroffen werden“, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft in Karlsruhe. Er habe bereits mehrfach Briefe mit seltsamen Inhalten verteilt.

Eine Gefahr habe zu keinem Zeitpunkt bestanden. Mit dem Inhalt sei aber bei Empfängern der Eindruck einer möglichen Gefahr erweckt worden. Deshalb bestehe der „Anfangsverdacht der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten und der Bedrohung“, hieß es.

Der neue Bundespräsident wird am Sonntag von der Bundesversammlung gewählt. Der ehemalige Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, ist der Kandidat von CDU, CSU, SPD, FDP und Grünen. Die Linken haben die ehemalige Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld nominiert, der allerdings kaum Chancen eingeräumt werden. Die Wahlleute der Berliner Piraten kündigten an, sich der Stimme enthalten zu wollen, und zwar wegen Gaucks „Ängstlichkeit“ gegenüber den Auswirkungen des Internets auf Demokratie und Bürgerrechte.

( BMO )