Debatte um "wilde Ehe"

Gaucks Ehefrau will von Scheidung nichts wissen

Nachdem der CSU-Politiker Norbert Geis Joachim Gauck empfohlen hat, sich von seiner Ehefrau scheiden zu lassen, meldet sich auch diese zu dem Thema zu Wort. Von einer Scheidung möchte "Hansi" Gauck allerdings nichts wissen.

Foto: Joachim Gauck - "Winter im Sommer – Frühling im Herbst"

Die von Joachim Gauck getrennt lebende Ehefrau „Hansi“ hat mit großer Zurückhaltung auf die Debatte über das Privatleben ihres Mannes reagiert. Der Rostocker „Ostsee-Zeitung“ sagte sie zu einer möglichen Scheidung: „Bisher war das so nicht abgesprochen.“ Der designierte Bundespräsident ist seit zwölf Jahren mit der (52) liiert.

„Warum wird das jetzt wichtig“, fragte Hansi Gauck, angesprochen auf die persönlichen Lebensverhältnisse ihres Mannes. Die Gesellschaft sei doch offen auch für andere Partnerschaften. „Guido Westerwelle ist Außenminister und wird von seinem Lebenspartner begleitet“, fügte sie hinzu: Wenn die Scheidung jetzt „von weiter oben“ verlangt werde – „ich weiß es nicht“.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück (CSU), kritisierte unterdessen die Es sei nicht Aufgabe des ZdK, darüber zu urteilen, sagte Glück der Passauer Neuen Presse“ (Mittwochsausgabe). „Herr Gauck benennt seine Lebenssituation offen, das ist zu respektieren“, unterstrich der Präsident der katholischen Laienorganisation.

Der 72-jährige Gauck wurde von CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen nach dem Rücktritt von Christian Wulff als Konsenskandidat für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen. Er soll am 18. März von der Bundesversammlung in Berlin gewählt werden.

Hansi Gauck ist mit vielen ehrenamtlichen Helfern im Rostocker „Marientreff“-Verein tätig. Die Begegnungsstätte befindet sich an der Marienkirche, wo Joachim Gauck im Herbst 1989 als Pastor zu Tausenden Rostockern sprach.

"Wilde Ehe" irritiert die CSU

"Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird", sagte der CSU-Familienpolitiker Norbert Geis der "Passauer Neuen Presse".

Die Reaktionen kamen prompt und eindeutig: Vom Bundesaußenminister über SPD und Grüne bis hin zur Linken bekam der CSU-Politiker Stillosigkeit bescheinigt. Gaucks Lebenspartnerin, die Nürnberger Journalistin Daniela Schadt, sagte, sie wolle ihr Privatleben "nicht ventilieren".

Gauck hatte seine Frau dem Bericht der „Ostsee-Zeitung“ zufolge als 19-Jähriger vor mehr als 50 Jahren geheiratet. Gemeinsam haben sie vier erwachsene Kinder und mehrere Enkelkinder. Seit über 20 Jahren lebt das Ehepaar getrennt. Seit zwölf Jahren ist er mit Schadt liiert, die ihn im Falle seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 18. März als First Lady ins Schloss Bellevue begleiten würde. Vor seiner Kandidatur 2010 hatte Gauck versichert, seine Lebensgefährtin heiraten zu wollen, wenn er Präsident werde. Die Ehe mit seiner ersten Frau ist aber noch nicht geschieden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) schaltete sich in die Debatte über Gaucks "wilde Ehe" ein. "Die Kritik an den persönlichen Lebensverhältnissen des nominierten Bundespräsidenten ist stillos", sagte er der "Rheinischen Post". Deutschland sei ein modernes Land, sagte Westerwelle, der mit dem Unternehmer Michael Mronz in einer eingetragenen Partnerschaft lebt.

SPD-Innenexperten Dieter Wiefelspütz äußerte sich scharf. "Ich kann meinem Freund Norbert Geis nur zurufen: Halt den Mund!" sagte Wiefelspütz der "Mitteldeutschen Zeitung". "Das ist eine abwegige Diskussion. Als ob wir keine anderen Sorgen hätten!"

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, sagte: "Wie Herr Gauck sein Privatleben lebt, geht niemanden etwas an. Und es bildet einen Teil der Realität ab, dass auch Unverheiratete zusammen leben. Ich erwarte da von Herrn Geis den entsprechenden Respekt." Gaucks Privatleben sei geordnet, aber eben "anders geordnet".

Klaus Ernst, Chef der Linken, die Gauck nicht mitwählen wollen, nannte die Debatte überflüssig. Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er: "Was für eine mittelalterliche Debatte! Es gibt viel, was gegen Gauck als Präsident spricht, seine Lebensverhältnisse gehören nicht dazu."

Die angehende First Lady selbst ist noch nicht aus dem Staunen heraus gekommen. "Ein bisschen unwirklich" findet Gaucks Lebensgefährtin den Gedanken an eine Zukunft im Schloss Bellevue. Was künftig alles auf sie zukomme, vermöge sie sich nicht recht vorzustellen, sagte Schadt. "Ich muss mich noch ein bisschen sortieren." Für diese Woche habe sie sich Urlaub genommen, um zu ihrem Partner nach Berlin zu fahren.