Nach einer tödlichen Messerattacke in Neukölln soll der Tatverdächtige am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Der 34-Jährige hatte sich nach Polizeiangaben am Montagmorgen gestellt. Der Mann soll am Sonntag bei einem Gerangel in der Fritzi-Massary-Straße den 18-Jährigen Jussef E. in den Oberkörper gestochen haben, das Opfer starb im Krankenhaus. Ein zunächst festgenommener Mann ist inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Den Angaben der Ermittler zufolge hatte es vor dem Angriff einen Streit auf einem Bolzplatz in der Nähe gegeben. Mehrere Beteiligte lieferten sich dort am Rande eines Fußballspiels eine Schlägerei. Später zogen einige der daran Beteiligten in die Fritzi-Massary-Straße zur Wohnung eines 39-Jährigen, der schon an der ersten Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein soll. Die Gruppe rief ihn und den ebenfalls anwesenden 34-Jährigen auf die Straße, wo es sofort zu einer weiteren Schlägerei mit tödlichem Ausgang kam.

Verstorbener 18-Jähriger war Mitglied im Jugendbeirat

Die Nachricht vom Tod des 18-jährigen Jussef E. hatte sich schnell bei den Anwohnern an der Fritzi-Massary-Straße herumgesprochen. Nachbarn legten am Montag Blumen an der Stelle nieder, an der der Jugendliche verletzt zusammenbrach. Auch bei Facebook äußerten sich Freunde bestürzt über den Tod des Jugendlichen, der sich Nachbarn zufolge beim Neuköllner Quartiermanagement engagiert hatte. Seit 2008 gehörte er dem Neuköllner Jugendbeirat der „Weißen Siedlung“ am Dammweg an. Gemeinsam mit acht weiteren Jugendlichen sollte der Beirat Ideen sammeln, um die Weiße Siedlung für Jugendliche attraktiver zu gestalten. Im Juni 2008 wurde Jussef E. mit den anderen Beiratsmitgliedern sogar von Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) ins Rathaus Neukölln eingeladen. Buschkowsky persönlich überreichte den Jugendlichen ihre Mietgliedsurkunden für ihre zukünftige Arbeit im Beirat.

Freunde berichteten zudem, dass sich Jussef E. als Kiezstreife engagiert hatte, um in der Siedlung für mehr Sicherheit zu sorgen. Michael Brandies, erster Vorsitzender des Mieterbeirats im Kiez, zeigte sich schockiert, als er von dem Tod des 18-Jährigen erfuhr. Er verlangte Konsequenzen. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass in der Gegend wieder verstärkt Kiezstreifen eingesetzt werden“, so Brandies. Die Ehrenamtlichen könnten dafür sorgen, dass es in Zukunft nicht mehr zu solchen brutalen Auseinandersetzungen komme, so Brandies.

dpa/BMO/dapd/nbo