Ein 25-jähriger Berliner, der einen Mann nach Streit in einer Straßenbahn der Linie M10 auf der Straße mit dem Messer schwer verletzt hatte, berief sich im Prozess auf Notwehr. Der Angeklagte erklärte am Dienstag vor dem Berliner Landgericht, er sei mit einer Wasserwaage angegriffen worden und habe weitere Schläge abwehren wollen. Die Verletzungen, die er dem anderen Mann zugefügt habe, bedaure er.

Dem zur Zeit arbeitslosen Berliner aus dem Gastronomiegewerbe wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Der 25-Jährige soll seinem Opfer nahe der U-Bahnstation Eberswalder Straße im Stadtteil Prenzlauer Berg am 17. März 2010 das Messer wuchtig in den Rücken gestoßen haben. Eine Notoperation rettete das Leben des damals 20-Jährigen. Auch der Angeklagte war verletzt und knapp drei Wochen krankgeschrieben.

Nach seinen Angaben hätten sich gegenseitige Beleidigungen in der Straßenbahn hochgeschaukelt. Aus seiner Sicht handelte es sich um ein Kräftemessen, bei dem keiner zurückstecken wollte. Eigentlich war der Streit beim Aussteigen für ihn erledigt, behauptete der Mann. Auf der Straße sei er aber plötzlich geschlagen worden

Eine Serie von Gewalt im Öffentlichen Nachverkehr entsetzt derzeit die Hauptstadt. In der Nacht zu Ostersamstag hatte ein Schüler einen Mann auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße bewusstlos getreten. Mitte Februar hatten Jugendliche im Bahnhof Lichtenberg einen 30-Jährigen derart misshandelt, dass er in ein künstliches Koma versetzt werden musste. Ende April hatten drei junge Männer einen 21-Jährigen im U-Bahnhof Amrumer Straße überfallen.

dpa/sei